MIBA Miniaturbahnen

Individueller Gebäudeselbstbau mit Gießformen Vom Urmodell zum Modell

Silikonformen erlauben die Vervielfältigung selbstgebauter Modellteile. Eckart Erb erläu- tert die Technik und zeigt zwei Beispiele für ihre kreative Verwendung in der individuell gestalteten Modellarchitektur.

E s war ein überdimensioniertes Stra- ßenverkehrsprojekt der 80er-Jahre, das in Bochum – wie in vielen anderen deutschen Städten auch – die autogerech- te Stadt ermöglichen sollte und dafür ein ganzes Stadtviertel mit alten Häusern aus der Kaiserzeit einfach einebnete. Im Buch von Johannes Habich „Westtangente und Heusnerviertel“ (erschienen 2021) sind Leben und Gebäude in diesem bahn­ nahen Bochumer Wohnviertel sehr schön porträtiert. Recherche und Rekonstruktion Ein besonders schmales Haus – nämlich Bahnstraße 6 – fiel bei der Lektüre nicht nur durch seine programmatische Be- schriftung „Wir kämpfen für den Erhalt des Heusner-Viertels“ auf, sondern auch durch eine klassizistisch wirkende, klar gegliederte Fassade, die sich ideal für eine Wiedergabe im Modell eignet.

Wie aber lässt sich nun ein einst abge- rissenes Gebäude wieder rekonstruie- ren? Sind bei der Gemeinde keine Bau­ akten mehr auffindbar, hilft nur eine Aus- wertung von alten Fotos. Ein zufällig vor dem Haus parkender VW-Käfer gab in diesem Fall mit seinen Abmessungen recht exakt Aufschluss über die dahinter- liegende Hausfassade. War diese vermes- sen, konnte anschließend in maßstäb­ licher Umrechnung eine Architektur- zeichnung für das Modell angefertigt werden. Da diesmal nur ein Halbreliefge- bäude für die Modellbahnanlage vorgese- hen war, durften die Seitenwände mehr oder weniger phantasievoll ergänzt wer- den. Der Urmodellbau Exakt nach der Zeichnung entsteht ein für den späteren Abguss geeignetes Ur- modell der Fassade des Hauses „Bahn-

straße 6“. Als Material kommen wegen ihrer glatten Oberflächen insbesondere Polystyrolplatten verschiedener Stärken sowie Evergreen-Profile in Betracht. Für den Korpus wurden 2 mm dicke Polysty- rolplatten verwendet und mit UHU Plast Spezial verklebt. Zuvor sind die drei Fenster- bzw. Schaufensteröffnungen mit dem Cutter sorgfältig ausgeschnitten worden. Verschiedene Streifenapplikatio- nen kennzeichnen Sockel und Simse. Mit der gestuften Dachvorkragung erhöht sich die Dicke des Urmodells auf bis zu 9 mm. Anspruchsvoll ist das Anfertigen der zehn vertieften, senkrechten Zierstä- be in Höhe des Drempels. Dieses mar- kante Stilmittel sollte beim Vorbild wohl die Höhenanpassung der Fassade an das Nachbargebäude herstellen. Absolut wichtig ist es für das Urmodell, dass keinerlei Hinterschneidungen exis- tieren dürfen, die später die Gummiform beschädigen könnten. Deswegen sind alle

70 

MIBA-Miniaturbahnen 7/2022

Made with FlippingBook flipbook maker