Digitale Modellbahn

Themen erfolgt individuell nach persön- lichem Wissensstand und zeitlichen Möglichkeiten. Vielfach ist das Ergebnis der Arbeiten eine Machbarkeitsstudie, es sind aber auch schon Tools zur Produkti- onserleichterung sowie komplette Funk- tionsteile von Produkten entstanden. Ohne passende Werkzeuge kommt man in modernen Ingenieurberufen kaum weiter. Daher stellt die ME ver- schiedenes Messequipment sowie das CAD/PDM-System Catia V5, Version R 24 und die Software „Target3001!“ zum Erstellen von Schaltplänen und Leiter- plattenlayouts zur Verfügung. Darüber hinaus haben Studierende Zugriff auf alle Tools, die bei ME und auch in der Entwicklungsabteilung aufgabenspezi- fisch genutzt werden. BEISPIELE FÜR ERFOLGE Märklin ist immer offen für experimen- telle Produkte. Genannt seien hier die Video-Türen des H0-Triebwagenmo- dells der Baureihe 648 „Lint“ und der TGV mit beweglichen Scheibenwi- schern. Beide Projekte sind bei der ME aus studentischen Ideen entstanden und bis zur Serienreife gebracht wor- den. Weitere in Produktfeatures über- führte Projekte waren der Antrieb von Ellok-Pantografen in N und der sich ab- senkende Kohlenhaufen in einer 01. Spe- ziell diese Spieleweltfeatures sind beliebt und werden von Märklin auch auf Mo- delle anderer Baureihen adaptiert. Nicht alle mechatronischen Projekte sind so klar in individuelle Produkte überführbar. Manche Arbeiten führen zu Produktverbesserungen oder verein- fachen bestehende Herstellungsmetho- den. So haben zwei Technikstudenten

Ein Projekt nach studentischen Ideen: An Stelle der Türen sind beim H0-Lint von Märklin Farbdisplays eingesetzt, die – je nach Betriebssituation – geschlossene, sich öffnende bzw. schlie- ßende sowie offene Türen zeigen. Außerdem sind zu- und aussteigen- de Fahrgäste zu sehen.

im Zusammenhang mit Zugbustechni- ken gewonnen wurden. Elektronik und Informatik gehen heute bei der Modellbahn Hand in Hand. So spielt auch das Programmie- ren – egal ob für embedded-µC oder für den PC – bei den studentischen Projek- ten eine große Rolle. Teile des Märklin- Decodertools (PC-Software) sind bei der ME in enger Abstimmung mit der Elek- tronik-Entwicklungsabteilung entstan- den. Eine Arbeit im Rahmen eines acht- wöchigen Vorpraktikums im 1. Semester war der „Zentralenfinder“, ein Tool zum Auslesen der Zentralen im Netzwerk. Die Software macht die Verwaltung der vielen gleichzeitig ans Ethernet ange- schlossenen Central Stations im Gebäu- de der Technik-Entwicklung um vieles leichter. Wirtschaftlichen Nutzen durch Ein- sparung bietet ein anderes Projekt. Hier ging es darum, Testfahrten zum Finden der besten Motor-Arbeitspunkte zu au- tomatisieren. Statt von Hand Fahrstufe für Fahrstufe durchzuspielen und jedes Mal das Fahrergebnis zu messen, ermit- telt die neue Sensorik die gesuchten Werte automatisch. Auch hilft sie bei den Prüffahrten in der Abteilung für die Qualitätssicherung.

wesentlich an der Feingussteilautoma- tisierung mitgewirkt. Die ersten Schrit- te für die Manufakturfertigung von Z- Modellen wurde im Rahmen von studentischen Arbeiten gemacht; hier- zu wurden Aufgabenstellungen zu 3D- Druck und Feingussverfahren bearbei- tet. Die Arbeiten rund um die 3D-Druckverfahren bilden die Basis für die Umsetzung in das spätere Manufak- turmodell aus Bronze und stellen eine besondere Herausforderung dar. Hier verfügt man inzwischen über umfang- reiches Wissen auf hohem Niveau und beherrscht Prozesse mit 10 µm Schicht- dicke bei 20 µm x-y-Auflösung. Für Märklin-Produkte spielt Elektro- nik eine wesentliche Rolle, sei es in den Modellen, sei es bei der Steuerung. Der Disco-Wagen ist ein schönes Beispiel für das Mitwirken studentischer Ideen. Andere Projekte zeigen sich weniger deutlich als Teil eines Produkts. So gab es z.B. eine Grundlagenuntersuchung darüber, ob Bluetooth oder WLAN bes- ser für die Modellbahn geeignet ist. Bluetooth hat klar verloren. Auch Un- tersuchungen von Funkübertragungen haben wertvolles Grundlagenwissen ge- schaffen. Große praktische Bedeutung haben wiederum die Erkenntnisse, die

Bei dieser BR 01 in H0 senkt eine Servomechanik den Kohlenhaufen im Tender immer weiter ab, um den Verbrauch des Brennstoffs zu visualisieren.

Auch dieser Gesellschaftswagen WGmh 824 ist ein Ergebnis von Arbeiten der ME. Er simuliert mit Licht- und Toneffekten eine Party. Auf der integrierten 8-GB-Micro-SD-Karte kann man die eigene Lieblingsmusik abspeichern.

DIGITALE MODELLBAHN 3|2022 11

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