IHK-Magazin Ausgabe 5/2026

AUS DEN UNTERNEHMEN

PROJEKT LANGSTRUMPF Werbeagentur mit Wut KI verändert die Werbebranche grundlegend. Benjamin Kalberlah erklärt, wie seine Agentur darauf reagiert und was Wut damit zu tun hat.

V ornehme Zurückhaltung ist nicht das Ding einiger der jungen Männer, die sich heute mit Benjamin Kalberlah zu einem Workshop treffen. Denn die Schüler des Ettlinger Wirtschaftsgymna- siums sollen lernen, einen anderen Umgang mit ihrer Wut zu finden. Die Emotion in produktive Bahnen zu len- ken. „Wütend zu sein ist kein Makel“, sagt der Geschäftsfüh- rer der Projekt Langstrumpf GmbH. Wut sei ein wichtiges Anzeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist und jemand Grenzen überschritten hat. „Und Wut erzeugt die Ener- gie, die nötig ist, um etwas zu ändern.“ Dass eine solche Wut, aber nicht dazu führen darf, aggres- siv zu reagieren, das will der Mannheimer Unternehmer den Teilnehmern des „wut- werkstatt“-Workshops seiner Agentur vermitteln. „Wenn ihr eure Wut in Gewalt umsetzt“, so seine Botschaft, „dann seid ihr alles andere als cool. Dann seid ihr ein Opfer eurer Emo- tionen. Und Opfer wollt ihr be- stimmt nicht sein.“ Ein wich- tiger Ansatz: einen zeitlichen Abstand zu schaffen zwischen Wut und Reaktion – beispiels- weise durch tiefes Durch- atmen – und dann eine reife und erwachsene Entscheidung treffen. Das sei dann wirklich cool und souverän, kommuni- ziert Kalberlah. 2025 wurde die „wutwerk- statt“ ins Leben gerufen. Die organisatorische Plattform dafür bietet Kalberlahs Werbe-

agentur Projekt Langstrumpf, die er 2019 gegründet hat. Zu deren Kunden gehören unter anderem die Freudenberg- Tochter Vileda, der Hygiene- papierhersteller Essity und die Gemeindediakonie Mannheim. Der Name Projekt Langstrumpf sei von Pippi Langstrumpf in- spiriert. „Mir hat schon immer die Andersartigkeit und der Nonkonformismus von Pippi gefallen“, sagt Kalberlah. „Das streben wir auch mit unserer Agentur an.“ Weshalb sich seine Agentur der Wut widme? Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass die Branche – vor allem durch den Einsatz von KI – vor großen Veränderungen und Einschnitten stehe. „Aktuell übernehmen Werbeagenturen noch die Vermittlung zwischen Technologie und Kunden. Doch es ist absehbar, dass die Leistungen der Werbebranche in Zukunft mit sehr viel we- niger Mitarbeitern gestemmt werden können, und darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Ein Konzept wie die „wutwerk- statt“, das Raum und Gefühl verbinde, sieht Kalberlah als eine Option. „Ich hoffe, dass mehr und mehr Menschen ver- stehen, welche Chancen sich ergeben, wenn man gelernt hat, mit seinen Gefühlen um- zugehen.“ Mit der „wutwerkstatt“ soll vor allem eine Emotion in den Vordergrund rücken, die laut Kalberlah zu Unrecht negativ besetzt sei. Kerninhalt des Angebots sind Workshops. Be- gleitet werden beispielsweise

Frauen bei der Entdeckung ih- rer Wut. Eltern erhalten Unter- stützung, um mit Wut in ihrer Familie umzugehen und ihren Kindern einen konstruktiven Weg aufzuzeigen, in dem sie ihre Emotionen verarbeiten. „Auch für Unternehmen haben wir Angebote entwickelt“, so der Geschäftsführer weiter. Denn Wut sei nicht unprofes- sionell und lasse sich durchaus im Sinne eines Unternehmens einsetzen. „Wut kann bei- spielsweise dazu beitragen, bei einer hohen Arbeitsbelas- tung Grenzen zu ziehen und einem Burnout vorzubeugen.“ Dies sei gerade beim heutigen Ansatz eines selbstbestimm- ten Arbeitens eine wichtige Voraussetzung für Erfolg uc

In Aktion: Mit der „wutwerk- statt“ hat Projekt Langstrumpf-Chef Benjamin Kalberlah das Portfolio seiner Werbeagentur er- weitert.

Wut erzeugt die Energie, die nötig ist, um etwas zu ändern.

Benjamin Kalberlah

projekt-langstrumpf.de

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IHK Magazin Rhein-Neckar 05 | 2026

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