TITELTHEMA | ENERGIE & UMWELT
IHK-ANALYSE „Wir sind in einer fragilen Phase“ Bei den erneuerbaren Energien hat sich einiges getan. IHK-Geschäftsführer Andreas Kempff über Netzausbau, Emissionshandel und Kosten.
Vorrang der Erdverkabelung ein zentrales Problem, denn Erdkabel sind deutlich teurer als Freilandleitungen. Dieser Vorrang ist inzwischen aber aufgehoben worden. Das ist hilfreich, denn so wird der Ausbau schneller und deut- lich billiger, obwohl manche Trassen neu geplant werden müssen. Und bei den Verteilnetzen? Kempff: Hier gibt es großen Investitionsbedarf zum Bei- spiel bei Umspannwerken, die ertüchtigt, erweitert oder komplett neu gebaut werden müssen. Das erfordert erheb- liche Investitionen seitens der Netzbetreiber, also zumeist der Stadtwerke, die sich im Eigen- tum von finanziell klammen Kommunen befinden.
Aufnahmefähigkeit der Netze kommt an ihre Grenzen. Im Bereich der Übertragungs- netze, also den großräumigen Stromautobahnen, gibt es ein Ungleichgewicht: Deutschland erzeugt im Norden mehr er- neuerbaren Strom, als es dort verbraucht und im Süden zu wenig. Bei den kleinräumigen Verteilnetzen ist die Situation regional sehr unterschied- lich. Aber auch hier kann es passieren, dass Anschlüsse von unternehmenseigenen Ladesäulen nicht genehmigt werden, weil das Netz nicht leistungsfähig genug ist. Warum läuft der Netzausbau so schleppend? Kempff: Im Bereich der Übertragungsnetze war der gesetzlich vorgeschriebene
Herr Kempff, wie beurteilen Sie den Stand der Energiewende? Andreas Kempff: Die Energie- wende ist auf der Erzeugungs- seite auf einem vernünftigen Weg. 2022 hat unsere IHK in einer großen Stromstudie die entsprechenden Potenziale in der Region aufgezeigt. Diese Potenziale werden verstärkt aktiviert: Der Ausbau der Er- zeugungsanlagen schreitet vo- ran, insbesondere im Bereich Freiflächen-Photovoltaik, teil- weise im Bereich Windkraft. Reichen mehr Anlagen aus? Kempff: Das Entscheidende ist jetzt der Netzausbau. Wir sind nämlich in einer sehr fragilen Phase: Die großen Netzreser- ven der Vergangenheit sind durch den bisherigen Zubau zunehmend ausgeschöpft. Die
DIHK-Studie: https://bit.ly/ dihk-plan-b
INFO
DIHK-Klimaschutzpapier: Die wichtigsten Forderungen
Emissionshandelssysteme stärken und realistische Pfade verfolgen Für die DIHK bleibt der Emissionshandel das zentrale Klimaschutzinstrument. Mit Preissignalen ermöglicht er, Emissionen dort zu reduzieren, wo dies am günstigsten und effektivsten ist. Entscheidend sind jedoch langfristige Perspektiven und klare Rahmensetzungen. Sind die Ziele zu ambitioniert, schwächt dies das Vertrauen in den Emis- Die Transformation des Energiesystems braucht Rohstoffe. Ihre Knappheit und ihre Kosten können den Klimaschutz gefährden. Eine intensivere Nutzung heimischer Ressour- cen sowie die Stärkung der Kreislaufwirtschaft sind laut DIHK notwendige Voraussetzungen für einen resilienten, erfolgreichen Weg zur Klimaneutralität. sionshandel als marktliches Instrument. Kreislaufwirtschaft für die Energiewende
Elektrifizierung ermöglichen Die erneuerbaren Energien Deutschlands sind im Stand- ortvergleich häufig teurer. Das verlangt umso mehr Effi - zienz bei ihrer Nutzung und ihrer Integration in das Ener- giesystem. Die Bundesregierung sollte aus Sicht der DIHK deshalb das Netzanschlussvergabeverfahren modernisie- ren, vorhandene Netzkapazitäten optimal ausnutzen sowie weitere Antragsverfahren vereinfachen und harmonisieren. Energiepolitik besser steuern und monitoren Die Energiewende ist ein langfristig angelegter Prozess, der von einem hohen Maß an Unsicherheit gekennzeichnet ist. Eine stärkere Koordinierung ist vor allem auch im Hinblick auf die deutschen Interessen bei EU-Entscheidungen not- wendig. Für die Weiterentwicklung der Klima- und Energie- politik ist ein umfassendes und unabhängiges Monitoring erforderlich.
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IHK Magazin Rhein-Neckar 06 | 2026
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