IHK-Global Business Ausgabe 7/2026

EUROPA

UNGARN Neue Chancen durch EU-Kurs

steht sie unter Druck, ihre wirtschaftspoliti- schen Ankündigungen mit Maßnahmen zu unterlegen. Bei vielen Vorhaben ist noch unklar, wie sie konkret aussehen werden. Inhaltlich deutet sich eine Neujustierung der Förderpolitik an. Während die Vorgängerregie- rung industrielle Großansiedlungen auslän- discher Investoren großzügig subventionierte, soll die Förderung künftig stärker auf ungarische KMU, Zukunftsbranchen und Forschung & Ent- wicklung ausgerichtet sein. Konkrete Förderkrite- rien liegen bislang nicht vor. Als wirtschaftliche Zukunftsfelder nennt die Regierung Energie- speicher, künstliche Intelligenz, Robotik, Vertei- digungsindustrie, Raumfahrt und Biotechnolo- gie. Größere Investitionen werden insbesondere im Energiesektor erwartet. Vor allem bei der Windkraft könnte es zu Bewegung kommen. Gleiches gilt beim notwendigen Ausbau der ungarischen Netzinfrastruktur. Gleichzeitig bleibt vieles offen, und neben viel Zustimmung stoßen einzelne Vorhaben der Regierung auch auf Kritik. Ein Beispiel ist die Arbeitsmigration. Ungarn stellt seit Anfang Juni keine neuen Arbeitsvisa mehr für Beschäftigte aus den Philippinen, Georgien und Armenien aus. Wegen des anhaltenden Arbeits- und Fach- kräftemangels sehen das viele Unternehmen kritisch. Vor allem die Industrie ist auf zusätzli- che Arbeitskräfte angewiesen. Offen bleibt auch, wie schnell Sondersteuern abgebaut werden, die unter der Vorgängerregierung für binnenmarkt- orientierte Branchen wie Banken und Einzel- handel eingeführt wurden. Die neue Regierung hat versprochen, „schrittweise“ vorzugehen, konkrete Zeitpläne liegen bislang jedoch nicht vor. GTAI/IHK

In Ungarn weht wieder die EU- Flagge. Die neue Regierung Magyar setzt auf eine enge- re Zusammenarbeit in Europa.

Die neue Regierung unter Ministerpräsi- denten Péter Magyar in Budapest setzt auf einen Neustart mit Brüssel. Dass bislang blockierte EU-Mittel in Milliardenhöhe freigege- ben werden sollen, verbessert die Perspektiven für deutsche Unternehmen. Nach Jahren der Konflikte wächst die Hoff- nung auf eine engere Zusammenarbeit mit der Europäischen Union. Die EU-Kommission blo- ckierte noch bis Ende Mai 2026 rund 18 Milliar- den Euro für Ungarn. Nun sollen 6,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und 3,5 Milliarden Euro Kredite aus dem Corona-Wiederaufbaufonds sowie 6,4 Milliarden Euro an Kohäsionsgeldern freigegeben werden. Die Auszahlung bleibt aber an Reformen zur Korruptionsbekämpfung und Rechtsstaatlichkeit geknüpft. Zudem muss Bu- dapest einen überarbeiteten Wiederaufbauplan umsetzen und bis Ende August 2026 die verein- barten Reformen sowie förderfähige Projekte abschließen. Bei den Kohäsionsmitteln stehen zusätzlich Grundrechtsfragen im Raum. Für die ungarische Wirtschaft wären die EU-Mittel ein wichtiger Impuls. Zusätzliche Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Energie- netze, Wohnungsbau, Gesundheit und Bildung könnten das seit drei Jahren stagnierende Wirt- schaftswachstum wiederbeleben. Auch deutsche Unternehmen erwarten positive Effekte. Wo öffentliche Investitionen zunehmen, entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten für Anbieter von Energietechnik, Industrieausrüstung, Bau- dienstleistungen oder Medizintechnik. Erste Signale sprechen für einen Stimmungs- umschwung. Der Forint hatte nach dem Regie- rungswechsel zugelegt, auch die Erwartungen vieler Unternehmen haben sich verbessert. Die neue Regierung profitiert dabei von einem erheblichen Vertrauensvorschuss. Gleichzeitig

Freuen sich auf die Zusammenarbeit: EU-Kommissions- präsidentin Ursula von der Leyen empfing Ungarns neuen Minister- präsidenten Péter Magyar am 29. Mai 2026 in Brüssel. Die Annäherung an die EU verbessert auch die Perspektiven für Investitionen und neue Geschäfte in Ungarn.

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IHK Global Business 07/2026

ihk.de/rhein-neckar

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