IHK-Global Business Ausgabe 5/2026

AMERIKAS

KOLUMBIEN Moderne Wassertechnik gefragt

Sauberes Wasser ist in vielen Teilen Kolumbiens Mangelware. Zahlen der Vereinten Nationen zufolge hat ein Viertel der Bevölkerung keinen Zugang zu sicherer Trinkwasserversorgung. Nicht einmal ein Fünftel des Wassers wird sicher aufbereitet. Ein neues Paket aus 42 Was- serprojekten (CONPES 4.165) könnte diese Probleme in Zukunft mildern. Bei der Initiative handelt es sich um Finanzierungszusagen der ko- lumbianischen Regierung im Umfang von rund 310 Mil- lionen US-Dollar (US$) zwi- schen 2026 und 2028. Das Geld soll vor allem die Wasser- versorgung in den entlegenen Regionen verbessern. Verschiedene Abwasserpro- jekte laufen bereits, weitere sind in Planung. So führt EAAB, der Wasserversorger der Hauptstadt Bogotá, Gespräche mit vorqualifizierten Unterneh- men zum Bau des Klärwerks Canoas. Neue Kredite der Interamerikanischen Entwick- lungsbank über 100 Millionen US$ für EAAB könnten die Wasserprojekte in Bogotá be- schleunigen. Es herrscht drin- gender Handlungsbedarf, da in der Millionenmetropole viel zu wenig Wasser aufbereitet wird. Trotz des vielen Regens mangelt es in Dürreperioden an Wasser. So musste 2024 das Wasser in der Hauptstadt acht Monate lang streng rationiert werden. In Cali schreitet die Mo- dernisierung des Klärwerks Cañaveralejo voran. Pereira bereitet die Vergabe für das Klärwerk El Paraíso vor. Auch die Stadt Neiva arbeitet an technischen Studien für den Bau einer neuen Kläranlage. An der Karibikküste um die

Kolumbiens Was- serverbrauch ist immens. Die größte Belastung für die Wasserressourcen geht von der Land- wirtschaft und vom Energiesektor aus.

Stadt Santa Marta ist der Mo- dernisierungsbedarf besonders groß. Wasserprojekte wie der Bau neuer Meerwasserentsal- zungsanlagen, Investitionen in Wassernetze und die Instand- setzung des Abwasserpump- werks EBAR Norte erfordern Investitionen von fast 900 Mil- lionen US$. Firmen aus Deutschland konnten im Zuge dieser Maß- nahmen bereits Geschäfte abschließen. So liefert Huber aus Bayern Screeningtechno- logie für das EBAR-Projekt, um Verstopfungen und Be- schädigungen von Pumpen zu verhindern. Auch bei anderen Klärprojekten in Kolumbien kommt oft deutsche Technik zum Einsatz, zum Beispiel Pumpen und Rührwerke von Wilo und KSB oder Zentrifu- gen von Flottweg. Viele deutsche Anbieter können mit Lösungen punk- ten, die auf die regionalen Besonderheiten Kolumbiens zugeschnitten sind und gezielt Wasserprobleme einzelner Landesteile adressieren. Dazu gehören dezentrale, kosten- günstige Lösungen wie modu-

lare Anlagen, Regenauffang- becken und energiesparende Technologien zur Trinkwas- seraufbereitung, besonders in den vielen entlegenen Ge- meinden des Landes. Boreal Light aus Berlin etwa betreibt solarbetriebene Entsalzungs- anlagen im nordöstlichen La Guajira. Isabel Castro, Pro- jektleiterin für Lateinamerika bei Boreal Light, empfiehlt deutschen Firmen, den sozia- len Mehrwert ihrer Produkte hervorzuheben, um Vertrauen bei der lokalen Bevölkerung zu schaffen. In Kolumbien gehen durch- schnittlich 4 von 10 Litern des aufbereiteten Wassers verloren – ein strukturelles Problem, das zugleich Chancen für deutsche Unternehmen er- öffnet. Mit Mikromesstechnik, IoT-Sensorik und künstlicher Intelligenz können Leckagen und Wasserverluste frühzeitig identifiziert und effizient beho- ben werden. Phoenix Contact aus Blomberg zum Beispiel verkauft an mehreren Standor- ten in Kolumbien intelligente und datenbasierte Wasserma- nagementsysteme. GTAI/IHK

2.445 KUBIKMETER Wasser pro Ein- wohner jährlich werden in Kolumbi- en verbraucht. Das ist rund viermal so viel wie der OECD- Durchschnitt mit 673 Kubikmetern.

QUELLE: GTAI/OECD

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IHK Global Business 05/2026

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