EU / MERCOSUR
Das Partnerschaftsabkommen muss nach der Zustimmung des Europäischen Parlaments noch von allen nationalen Parlamenten ratifi- ziert werden. Das EU-Parlament hatte im Januar beschlossen, den Europäischen Gerichtshof anzurufen, um die Übereinstimmung des Part- nerschaftsabkommens mit den EU-Verträgen zu prüfen. Damit verzögert sich dessen Inkrafttre- ten auf unbestimmte Zeit. Das Interims-Handelsabkommen hingegen umfasst ausschließlich den Handelsteil des Mercosur-Abkommens und gilt als sogenanntes EU-only-Abkommen. Es fungiert also bis zum vollständigen Inkrafttreten des Partnerschafts- abkommens als eigenständiges Abkommen. Nachdem Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay das Abkommen ratifiziert und die EU wiederum mit der Übermittlung einer Verbal- note an den Mercosur die vorläufige Anwendung bestätigt hat, konnte das Interims-Handelsab- kommen zum 1. Mai 2026 nun bereits in Kraft treten und dessen Umsetzung starten. Neue Märkte und Kooperationen Durch das Inkrafttreten des Handelsabkom- men wurde eine der größten Freihandelszonen der Welt geschaffen. Die beiden Handelsblöcke umfassen gemeinsam einen Markt mit 718 Mil- lionen Verbrauchern und fast 25 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der mit Abstand größte Abnehmer deutscher Waren im Mercosur-Raum ist Brasilien. Mit dem Handelsabkommen liberalisiert der Mercosur rund 90 Prozent der Importe von Industrieprodukten aus der EU. Insbesondere der Abbau der bisher hohen Zölle auf Kraftfahr- zeuge (überwiegend 35 Prozent), Kfz-Teile (14 bis 18 Prozent), Maschinen (14 bis 20 Prozent), chemische Produkte (bis zu 14 Prozent), Arznei- mittel (bis zu 18 Prozent) sowie Bekleidung und Schuhe (bis zu 35 Prozent) dürften Lieferungen dieser Produkte in den Mercosur-Raum an- kurbeln. Nach Berechnungen der EU dürften in der Folge der Liberalisierung Zölle in Höhe von 4 Milliarden Euro pro Jahr für EU-Exporte entfallen. Vorteile für wichtige Exportbranchen Als besonders chancenreich gilt das Handels- abkommen für den Maschinenbau. Europäische Anbieter sind in diesem Segment bereits die wichtigsten Lieferanten südamerikanischer Ab- nehmer. Zwar holt China auf, doch mit Inkraft- treten des Abkommens steigt die Wettbewerbs- fähigkeit europäischer Hersteller, da insgesamt ein Abbau von rund 95 Prozent aller bisherigen Zölle auf Maschinenbauprodukte vorgesehen
Chancen für Maschinenbauer: Für Drehmaschinen zur Metallbearbei- tung, Maschinen für Süßwaren und Textilmaschinen entfallen die Zölle ab 2027 komplett.
ist. Allerdings betragen die vereinbarten Zollab- bauperioden zehn Jahre, in einigen Fällen sogar bis zu 15 Jahre. Die positiven Auswirkungen des Abkommens dürften sich daher erst mittel- bis langfristig in den Exportzahlen niederschlagen. Bei einigen Produkten wird der Zollsatz jedoch direkt im ersten Jahr nach Inkrafttreten des Abkommens ganz entfallen, unter anderem bei Textilmaschinen, Drehmaschinen für die Metallbearbeitung sowie Maschinen für die Süßwarenindustrie. Wichtig für Hersteller ist aber auch die Harmonisierung von Standards. Selbst kleine Abweichungen können technische Handelshemmnisse darstellen und verhindern, dass die Produkte schnell in den Markt gebracht werden können. Oftmals müssen Maschinen derzeit noch extra für einzelne Märkte ange- passt werden. Der chemischen Industrie dürfte das Freihan- delsabkommen ebenfalls viele Vorteile verschaf- fen. Auf den Import von Chemieerzeugnissen erhob der Mercosur bislang Zölle von bis zu 18 Prozent. Die Nachfrage nach Chemiewaren steigt kontinuierlich, getrieben vom Agribusi- ness, der verarbeitenden Industrie und der Bau- wirtschaft. Die lokale Chemieindustrie kommt mit dem Wachstum schon lange nicht mehr mit. Folglich sind die Mercosur-Staaten zur Deckung ihrer Bedarfe in hohem Maße auf Importe an- gewiesen. So deckte Brasilien 2024 rund 45 Prozent seines Bedarfs an Industriechemika- lien aus Einfuhren. Auch für europäische Autobauer und Produ- zenten von Kfz-Teilen ist der Mercosur-Raum ein wichtiger Absatzmarkt. Mit 35 Prozent be- rechnete der Mercosur auf Kfz-Importe höhere Zölle als auf alle anderen Einfuhrgüter. Darüber schützten Brasilien und Argentinien ihre lokale Kfz-Industrie. Für Verbrenner ist eine vollständi- ge Liberalisierung der Zölle innerhalb von 15 Jahren geplant. Allerdings beginnt der
12.500 DEUTSCHE UNTERNEHMEN exportieren in die Länder des Mercosur. Davon sind etwa 72 Pro- zent kleine und mittlere Betriebe. QUELLE: DIHK
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IHK Global Business 05/2026
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