Ehrenamt und Herzenssache: Türkei und Deutschland

Wir arbeiten eng mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zusammen Interview mit Christoph Engler und Hanno Fietz vom Bundesministe­ rium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Herr Engler, Sie sind im Referat Engagementförde­ rung des BMFSFJ täglich mit dem Thema Engagement beschäftigt. Warum ist dieses Engagement aus Ihrer Sicht so wichtig? Christoph Engler: Bürgerschaftliches Engagement bedeutet immer, dass Menschen Zeit und materielle oder finanzielle Ressourcen investieren, die am Ge - meinwohl orientiert sind und zu einer Verbesserung von gesellschaftlichen Problemlagen beitragen kön - nen. Und im Gegensatz zum hoheitlichen Handeln der Verwaltung oder des Staates nehmen die Bür - gerinnen und Bürger hier etwas selbst in die Hand. Das ist unverzichtbar für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Staat unterstützt und fördert Ehrenamt und Engagement in unterschiedlicher Weise. Wer ist denn auf Bundesebene für diese Themen zuständig? Christoph Engler: Das Innenministerium (BMI) küm - mert sich um das klassische Ehrenamt im Bereich THW und Feuerwehr. Zudem kümmert sich das Land - wirtschaftsministerium (BMEL) um Engagement in ländlichen Räumen. Im Finanzministerium (BMF) steht die steuerliche Förderung im Vordergrund – wichtige Stichworte sind hier Übungsleiter- und Ehrenamts - pauschale. Wir im Bundesministerium für Familie, Se - nioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bezeichnen uns gerne als „Engagementministerium“: Seit 2019 haben wir hier eine eigene Abteilung „Demokratie und Enga - gement“. Das ist eine klare Aufwertung des Bürger - schaftlichen Engagements und des Ehrenamts.

Und was tut das BMFSFJ in dieser Funktion konkret?

Christoph Engler: Unsere zentrale Aufgabe ist es, die richtigen Rahmenbedingungen für Engagement zu setzen und eine Kultur der Anerkennung zu schaffen. So vergeben wir seit 2009 den Deutschen Engage - mentpreis und richten seit 2016 den Deutschen En - gagementTag aus. Außerdem haben wir verschiedene Förderprogramme aufgelegt.

Welche Förderprogramme sind das?

Christoph Engler: Ein Beispiel ist das Bundespro - gramm „Menschen stärken Menschen“. Hier fördern und unterstützen wir derzeit 25 bundesweit agieren - de Trägerorganisationen, die bürgerschaftliches En - gagement in Form von Patenschaften für Geflüchtete stärken. Seit 2018 fördern wir auch Patenschaften für Menschen, die sich in benachteiligenden Lebens - situationen befinden. Bis September 2021 konnten über 155.000 Patenschaften gestiftet werden. Ein weiteres gutes Beispiel ist das Programm „Engagierte Stadt“. Hier fördern wir als Förderpartner den Aufbau bleibender Engagementlandschaften in 100 ausge - wählten Städten und Gemeinden mit einer Größe zwischen 10.000 und 250.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Im Rahmen des Programms werden bürgerschaftliches Engagement in Kommunen und Gemeinden strategisch weiterentwickelt und nachhal - tige Partnerschaften zur Engagementförderung zwi - schen öffentlicher Hand, Zivilgesellschaft und lokaler Wirtschaft initiiert und ausgebaut.

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