Militär & Geschichte

Verfrühter Jubel: Ende 1991 kapitulieren die kroatischen Verteidiger von Vukovar, die JVA feiert ihren Sieg – wird aber später wieder abgezogen

Soldateska: Paramilitärische Gruppen greifen zu äußerster Brutalität; diese serbische Miliz soll in einem Fall bis zu 200 kroatische Gefangene ermordet haben

Für den Fall, dass dem nicht Folge geleistet wird, lässt er seine Polizei und die inzwischen geschaffene Na- tionalgarde eine verwegene Aktion vorbereiten: die handstreichartige Wegnahme oder Neutralisierung Franjo Tudjman wird 1990 zum Staatspräsidenten Kroatiens gewählt; die von ihm forcierten Separations- bestrebungen führen in den Bürgerkrieg sämtlicher Garnisonen der JVA auf kroatischem Boden. Und nicht nur Kasernen – auch Munitionslager,Rüs- tungsfabriken und Grenzposten ste- hen auf der Zielliste. Tatsächlich kommt es zum Äu- ßersten, da die JVA nach einigem Hin und Her den Rückzug verweigert.Am 14. September 1991 beginnt die so- genannte Kasernenschlacht und da- mit der offene Krieg um Kroatiens Unabhängigkeit. Angriff auf JVA-Standorte Zur Erleichterung Tudjmans geht sein Kalkül auf. Die JVA wird vollkom- men überrascht und ist meistens nicht in der Lage oder willens, ihre

In den eroberten Depots erbeuten die Kroaten 250 Kampfpanzer,180.000 In- fanteriewaffen sowie zwei Millionen SchussMunition.Tausendekroatisch- stämmige JVA-Soldaten und deren Offiziere wechseln die Seiten; die Eu- phorie im Land kennt keine Grenzen. Zagreb besitzt nun eine Armee. Auslaufmodell Jugoslawien In Reaktion auf diesen Coup fordert JVA-Kommandeur Kadijević in Bel- grad die Generalmobilmachung.Bun- despräsident Borisav Jović erteilt ihm jedoch eine Abfuhr: „Das Militär ist noch immer besessen von ‚Jugosla- wien‘“, erklärt er Kadijević, „dabei ha- ben wir doch schon hundertmal die Tatsache diskutiert, dass es nicht län- ger existiert!“ Jović und der einflussreiche ser- bische Präsident Milošević sähen es lieber,wenndieJVAsichaufdieVertei- digung der Krajina beschränken wür- de. Sie glauben nicht daran, dass die JVA noch die notwendige Kraft für einen großen Krieg besitzt. Schon die Freiwilligenwerbung ist eine Kata- strophe. In der Kleinstadt Valjevo melden sich statt der erwarteten

Mit der „Kasernenschlacht“ beginnt der offene Krieg um Kroatiens Unabhängigkeit.

3.000 Mann nur zwei! Schätzungen gehenvon bis zu 200.000 Deserteuren und Wehrdienstverweigerern allein in Serbien aus. Doch Kadijević will Kroatien nicht so einfach gehen lassen. Er plant, Tudjmans Regierung zur Kapitula- tion zu zwingen. Es zeigt sich aller- dings bald, dass Jović und Milošević

Standortegegen den kroatischen Zu- griff zu verteidigen. Innerhalb einer Wochewechseln 60 Standorte,darun- ter 15 Kasernen, den Besitzer. Die üb- rigen folgen später oder bleiben bis zum Ende des Krieges belagert. Nach kurzer Zeit hat die JVA die KontrolleüberachtihrerBrigadenver- loren.Wasabernochvielwichtigerist:

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