ZEITGESCHICHTE JET-PILOT JOCHEN STREIT
Mitflug in der Mustang
angeboten – für 12500 US-Dollar. Welche Muster ich denn bisher geflogen habe, wollte er wissen. Als ich ihm die T-6 nannte, meinte er, dass ich dann auch die Mustang fliegen könne … Das Angebot war sehr verlockend, doch zwei Dinge sprachen dagegen: Erstens konnte man damals eine Mustang nicht in Deutschland stationieren und das zweite, wohl gewichtigere Argument: Es gab für mich damals wichtigere Dinge wie Familie, Haus, Auto … Schweren Herzens entschied ich mich gegen den eleganten Kolbenmotor-Jäger. Frank Sanders fand einen anderen Abnehmer, kaufte sich dafür eine (deutsche) Sea Fury und gründete 1970 mit seiner Frau Ruth die Firma Sanders Aeronautics. 1990 verunglückte Frank Sanders mit einer T-33 tödlich, doch die Firma Sanders Aeronautics besteht noch heute – geführt von seinen Söhnen Dennis und Bryan – und betreibt mehrere Sea Furies, die auch bei den Reno Air Races fliegen … burg neue US-Käfer gekauft und mit runden Zollkennzeichen in die USA geschickt. So habe ich dann 5800 D-Mark für einen wei- ßen US-Käfer bezahlt und diesen für 400 D-Mark Frachtkosten gleich in die USA ver- schiffen lassen. Zwei Jahre lang habe ich den treuen Käfer in den USA gefahren, nach dieser Frist musste man keinen Zoll mehr nachzahlen. Zwischen den Ausbildungsab- schnitten nutzte ich jede Gelegenheit, dieses weite Land zu erkunden. 80000 Meilen habe ich auf den Zähler gefahren. Die USA sind groß, der Sprit war billig, eine Gallone (etwa 3,79 Liter) kostete damals 18 Cent. Vor mei- ner Rückkehr nach Deutschland habe ich den Käfer für 1450 USD verkauft, denn die
sie nur eine von acht Flugzeugführerschulen der USAF. Alle sechs Wochen gab es an die- sen Pilot Training Wings einen Lehrgang, die pro Jahr 320 neue Militärpiloten – pro Schule –hervorbrachten. Mit dem Käfer durch die Staaten Urlaub! Ein gutes Jahr, nachdem Jochen Streit in Übersee angekommen war, bot sich nun erstmals eine Gelegenheit, Arizona und weitere Staaten zu erkunden. Sein eigenes Auto hatte er ohnehin mitgebracht. »Eigent- lich wollte ich vor meiner Abreise in die USA im März 1964 meinen alten VW Käfer mit 30-PS-Motor in die USA verschiffen lassen. Sämtliche Kameraden haben aber in Ham- nigung und der Agilität der Maschine. Den Sprit habe ich bezahlt, 62 Gallonen (rund 254 Liter) zum Preis von 30,07 USD … Die Rechnung habe ich bis heute aufbewahrt. Anschließend hat er mir die Mustang zum Kauf Über einen gemeinsamen Bekannten lernte ich Frank Sanders kennen. Er war Inhaber eines Unternehmens, das die »Smokewinder« herstellt – rauchenden »Sidewinder«-Attrappen, die bis heute etwa bei F-16 Displays zu sehen sind … Frank Sanders war Zivilist, aber oft auf Airshows, wo er seine Mustang gern neben Starfightern abstellte. Wir haben uns zum ersten Mal am 30. Oktober 1965 auf dem Flugplatz in Phoenix getroffen, wo seine Mustang hangariert war. Natürlich flogen wir mit seiner P-51D N117E. 25 Minuten dauerte mein Mitflug auf dem Passagiersitz des legendären Propellerjägers und ich war schwer beeindruckt von der Kraft- entwicklung des V12-Motors, der Beschleu-
Für 12500 Dollar hätte Jochen Streit diese Mustang kaufen können. Eine Zulassung in Deutschland war damals nicht möglich Nachfrage war enorm. Die Amerikaner lieb- ten den knuffigen Käfer. Ich glaube, jeder zweite Pkw dort war einer. Mit dem damali- gen Umrechnungskurs habe ich so den deut- schen Kaufpreis komplett zurückbekom- men«, strahlt Jochen Streit. »In dieser Zeit tourte ich – abwechselnd mit Airliner und Wagen in den Nordosten, wo ich meinen Brieffreund Bob Cavanagh persönlich kennenlernte, woraus dann eine lebenslange Freundschaft entstand. Wir be- Starfoto mit Fluglehrer Hauptmann Koppe unter dem Leitwerk einer F-104G
Die Klasse 66-E. Neun deutsche Schüler und sechs Fluglehrer, fünf davon Amerikaner. Jochen Streit ist in der vorderen Reihe als dritter von links zu sehen
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