brannten Kerosins. »Ich meldete mich also am 10. Juni 1965 als deutscher Pilot zur Aus- bildung auf jener Air Force Base, auf der 20 Jahre zuvor amerikanische Jagdflieger für den Kampf gegen die deutschen Piloten aus- gebildet wurden«, bemerkt Jochen Streit. »300 F-100 Super Sabre und 120 F-104 Star- fighter standen während meines Lehrgangs in Luke für die Ausbildung bereit. Zwei deut-
suchten uns in der Folge mehrmals gegen- seitig. Mit ihm zusammen war ich im Luft- waffenmuseum in Wright-Patterson, wo ich dann auch den Kurator des Museums, Royal D. Frey, begegnete. Royal war ein Weltkriegs- veteran, er wurde mit einer P-38 nahe Lüdinghausen von der deutschen Flak abge- schossen und verbrachte dann den Rest des Krieges in Gefangenschaft. Dort, im Kriegs- gefangenenlager, lernte er die deutsche Spra- che und studierte Geschichte. Wir verstan- den uns blendend und er öffnete zahlreiche Cockpits der ausgestellten Flugzeuge für mich. Auch eine im Koreakrieg durch Fah- nenflucht eines nordkoreanischen Piloten in US-Hände gelangte MiG-15 stand da – und ich war vermutlich der erste westdeutsche Pilot, der im Cockpit einer ›Fagot‹ saß. In Kalifornien und Nevada besuchte ich viele Luftwaffenstützpunkte und -museen, wo ich als Militärangehöriger mit meinem ameri- kanischem Militärausweis für wenig Geld – manchmal sogar umsonst – übernachten konnte«, freut sich Jochen Streit. Endlich im Starfighter Vier Wochen nach dem erfolgreichen Ab- schluss des Basistrainings meldete sich der Oberleutnant auf der Luke Air Force Base zum nächsten Abschnitt seiner Ausbildung. 1941 wurde der elf Kilometer westlich von Glendale im US-Bundesstaat Arizona eingeweiht. Die Air Force benannte den Militärflugplatz nach Frank Luke – einem amerikanischen Jagdflieger-Ass des Ersten Weltkriegs. Und nicht weniger als 12 000 US-Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs lern- ten hier ihr Handwerk. 1965 drehten sich hier keine Propeller mehr. Die Luft war erfüllt vom Fauchen der Strahltriebwerke und geschwängert von den Abgasen ver-
sche und acht amerikanische Fluglehrer sollten unseren F-104-Lehrgang mit diesem modernsten Jagdflugzeug der NATO ver- traut machen. Und in einem dieser schnittigen, pfeilar- tigen, blitzblank polierten Starfighter legte ich nach gut zwei Wochen theoretischer Vor- bereitung am 28. Juni 1965 die Gurte für meinen ersten Flug an. Hauptmann Koppe,
In Arizona verbrachte Jochen Streit einen Großteil seiner Ausbildungszeit in den Vereinigten Staaten Karte Frühwald Schlaich
F-104G mit Schleppziel DART. Sie wurden nur durch Fluglehrer geflogen. Das Ziel wurde über dem Schießplatz ausgeklinkt und an einem Stahlseil geschleppt und vor der Landung abgeworfen
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FLUGZEUG CLASSIC 9 | 2025
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