ihn hinter mich. Lautes Gejohle brach aus, während ich mich langsam umdrehte, um zu schauen, wer den Strauss gefangen hatte. Und dann verstand ich die Lachsalven, die ich zunächst ganz falsch als Ausdruck der Freude interpretiert hatte. Eine der Freundinnen hätte den Strauss fangen sollen, die von mir sorgfältig ausgewählte Kombination von Vergissmeinnicht, weißen Wicken und vanillegelben wilden Rosen, dazwischen ein paar duftende Kräuter, Minze, Thymian und Rosmarin. Und jetzt das! Der freche Dackel der Nachbarin hatte sich durch die Hecke gezwängt und mit einem kühnen Sprung - so erfuhr ich es später von Ulrike - den Strauss geschnappt, um mit der Beute erfolgreich durch die Hecke zu entwischen. Ein paar traurige Blütenblätter der Rosen waren die letzten Spuren meines Brautstraußes, während das triumphierende Gebell nebenan von meiner Niederlage zeugte. Während die Gäste noch lachend durch die Hecke späten und laut das Hergeben des Straußes forderten, allen voran mein energischer, zukünftiger Ehemann, trat Ulrike näher an mich heran und schlang die Arme um mich. Nicht traurig sein, flüsterte sie mir zu und strich mir über die erhitzte Wange. Schau mal, was ich da habe und sie holte, indem sie einen Schritt zurücktrat, ihre Hand hinter meinem Rücken hervor und präsentierte mir einige zerrupfte, aber noch gut identifizierbare Vergissmeinnicht, die sie mit heldenhaften Freundinnenmut dem kampfbereiten Dackel entrissen hatte. Also bist du die nächste, ich fing an zu grinsen und wir brachen in Gelächter aus. Die Gäste waren von der Hecke zurückgekehrt und plötzlich standen Ulrike und ich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Marianne Kohnert, DPV - Hamburg Alle kamen schnell herbeigeeilt. Der alte Mann war umgekippt, einfach so vom Stuhl heruntergefallen. Ich hatte auch heute an einem Tischchen gegenüber von seinem gesessen, in diesem Café, in dem ich vor der Nachmittagshitze Zuflucht gefunden hatte. Gestern war er auch dagewesen, immer wieder hatte ich den Blick abwenden müssen, weil es mich so ekelte, ihm beim Kuchen essen zuzusehen, dann wieder musste ich fasziniert doch hinsehen, so lange, bis der Ekel es wieder unmöglich machte. Auch heute hatte er wieder zwei Eclairs mit viel Sahne und kandiertem Orangenabrieb bestellt, dazu zwei Kaffee und zwei Bestecke bekommen. Er hatte neben mir an der Kasse gestanden, nachdem ich schon bezahlt und auf meinen Cappuccino gewartet hatte. Das Personal schien ihn zu kennen.
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