Writing Workshop at Lisbon Congress

Petra Sitta, German Psychoanalytic Society (DPG); IPPF Freiburg Als er sich an die versammelten Gäste wenden wollte, versagte ihm die Stimme. Es lag an dem missbilligenden Blick seines Vaters, der auf ihm ruhte. Kalt und streng, so wie er ihn immer erlebt hatte. Er spürte, wie er rot wurde, ohne dass er irgendetwas dagegen tun konnte. Verdammt, genau das hatte nicht passieren sollen. Ihn streifte der mitfühlende Blick von Katharina. Sie wusste, was in ihm vorging. Wie oft hatten sie Nächte lang über seinen Vater und ihn gesprochen. Und obwohl es sein 55. Geburtstag war, hatte dieser entwertend-feindselige Blick seines Vaters noch immer diese vernichtende Wirkung. „ Du bist und warst schon immer eine Enttäuschung für mich !“, sagte dieser Blick. „ Du wirst mir niemals das Wasser reichen können !“ Und noch schlimmer, „ warum ist deine begabte wunderbare Schwester gestorben und nicht du an ihrer Stelle ?“. Er schüttelte sich innerlich, versuchte sich zu sammeln und räusperte sich, wie um Mut für einen neuen Anfang zu finden. Hier im Kreise seiner Freunde, seiner Frau, seiner Kollegen - lauter Menschen, die ihn mochten und schätzten. War seine ganze Psychoanalyse umsonst gewesen, ärgerte er sich über sich selbst. Er atmete tief durch, schaute in Katharinas aufmunternde Augen und blickte auf die freundlich lächelnden Gesichter seiner Freunde. „ Wie schön, dass ihr alle heute gekommen seid“ , begann er und merkte erfreut, dass seine Stimme nicht jedem Wort fester wurde. Erleichterung durchblutete ihn und er atmete merklich aus. „ Es ist mir eine wirklich große Freude, mit euch eine Woche in Portugal zu verbringen und gemeinsam meinen 55. Geburtstag zu feiern. Zeit ist kostbar geworden in unser aller Leben und es ist das größte Geschenk, dass ihr mir machen konntet, eine Woche eurer Zeit gemeinsam mit mir zu verbringen. Hier in meiner alten Heimat, die mir so schöne Erinnerungen beschert hat und mir das Herz wärmt. Ich bedauere es sehr, dass meine Mutter und meine Schwester nicht mehr unter uns sind, um diese Zeit gemeinsam zu erleben, aber sie sind in Gedanken bei uns !“ Bei diesen Worten huschte ein Schatten über das Gesicht seines Vaters. Die Verluste seiner Liebsten hatten ihn schwer getroffen. Filiz Dogan, German Psychoanalytical Association; Karl Abraham Institute Berlin Als er sich an die versammelten Gäste wenden wollte, versagte ihm die Stimme. Er hörte sein Herz pochen, Panik. Alle sehen mich an, alle warten darauf, dass ich etwas sage, aber ich kann nicht, dache er voller Angst. Es wurde ihm heiß und kalt zugleich. Da fiel ihm seine erste Stunde auf der Couch bei seinem ersten Analytiker ein, nach 4 Stunden im Sitzen und einer zweiwöchigen Pause sollte nun seine Analyse beginnen. Er hatte den Stuhl angesteuert, der Analytiker hatte mit dem Kopf in Richtung Couch gezeigt und er war stehen geblieben. „Geben Sie sich einen Ruck“ hatte der Analytiker gesagt und prompt hatte er sich hingelegt. Sich einen Ruck geben, was soll das eigentlich sein, hatte nicht der Analytiker ihm den Ruck gegeben und er hatte sich hingelegt, weil er ihn nicht enttäuschen wollte? Der alte Wahlspruch, er wusste nicht mehr welche Wahl: es muss

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