Die deutsche Gruppe
Babette Saebisch, DPG / German Psychoanalytic Society
Am 1. April zog eine kleine alte Frau in die Wohnung nebenan. Ricarda dachte an einen Aprilscherz, als ihr Lebensgefährte ihr beim Abendessen davon erzählte. „Du verarscht mich“, sagte sie mit steifem Gesichtsausdruck und wandte sich von ihm ab. Sie griff nach ihrem nur zur Hälfte geleerten Teller und dem Besteck – als sie beides neben die Spüle stellte, liefen ihr bereits die ersten Tränen über die Wangen. Massimo kam zu ihr und nahm sie vorsichtig in den Arm. „Warum sollte ich? Glaubst Du denn, ich habe schon vergessen, wie sehr Ammas Tod Dich getroffen hat, und wie quälend Du diese bescheuerte Horoskopzeile fandest?“ ‚Mit dem Beginn des kommenden Monats tritt ein neuer Kontakt in Ihr Leben und wird Sie einen Verlust vergessen machen.‘ Ricarda zerknüllte ein tränendurchweichtes Taschentuch, während sie sich an die Zeilen erinnerte. Massimo wartete geduldig. Schließlich sah sie ihn an. „Also dann .. echt jetzt?“ „Echt jetzt. Ging ganz schnell heute vormittag, sie hat nur einen kleinen Haushalt. Drei junge Leute haben den Umzug für sie gestemmt – vielleicht ihre Enkel?“ Ricarda liefen erneut Tränen über das Gesicht. Dann griff sie zögernd zu einer Packung noch ungeöffneten Schwarzbrotes und dem Salzfaß auf der Anrichte. „Hm. O.k. Was meinst Du? Gehen wir mal ’rüber?“ On April 1st, a short, elderly woman moved into the apartment next door. Ricarda thought it was an April Fool's joke when her partner told her about it over dinner. "You're kidding me," she said with a stiff expression and turned away from him. She reached for her half-empty plate and cutlery – as she placed them next to the sink, the first tears were already running down her cheeks. Massimo came over to her and gently took her in his arms. "Why would I? Do you think I've already forgotten how much Amma's death affected you and how agonising you found that stupid horoscope line?" >At the beginning of next month, a new contact will enter your life and help you forget your loss.< Ricarda crumpled a tear-soaked handkerchief as she remembered the lines. Massimo waited patiently. Finally, she looked at him. "So... really?"
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