Writing Workshop at Lisbon Congress

Sie schloss die Augen und spürte wie ein stechender Schmerz in ihr aufstiegt. Der Mann verließ sie, ließ sie zurück, wie einen weggeworfenen dreckigen Lumpen, den man entsorgte. Wut folgte dem Schmerz. Rot wie das Papier. Der Schmerz hielt schwarz dagegen. Schwarz wie die Nachricht. Sie spürte, dass Tränen über ihr Gesicht liefen und sie hörte sich schluchzen. War sie das, die da weinte? Das konnte nicht sein, sie weinte nicht. Und doch, flossen da nicht die wimperntuschenschwarz gefärbten Sturzbäche auf ihre reinweiße Seidenbluse. Das konnte, nein durfte nicht sein. Gleich würde sich die Tür öffnen, Manuel würde lachend auftauchen und sie in die Arme nehmen. Sie würde seinen Duft einatmen und ihm durch die schwarzen Locken streichen und er, er würde sie küssen und all die zärtlichen Worte ins Ohr flüstern, die sie so gerne hörte. Während die Tränen weiter flossen, versank sie tiefer in die sehnsuchtsvollen Bilder, als es klopfte. Marianne Kohnert, DPV - Hamburg Ihre Aufmerksamkeit wurde auf ein Stück Papier auf dem Schreibtisch gelenkt. Es war unverkennbar seine Handschrift. Steil, elegant, filigran, unverkennbar zeugend von einem starken Willen, und entschlossen zur Schönheit. Geh weg, lass mich, schrie es in ihrem Inneren. Sie hatte das nicht erwartet. Abrupt stieß sie den Stuhl zurück und lehnte sich schwer auf den Rand des Schreibtisches, versuchte, ihren Atem zu beruhigen. Dann schrillte das Telefon hinein in ihr Keuchen. Hinter ihren geschlossenen Augenlidern begann es zu flimmern. Sie hörte, wie die schwere Holztür ächzend hinter ihr aufgerissen wurde und Platz machte für den Schrei der Frau, die in ihr stand. „Geh doch ran!“ Sie ließ sich zurück auf den Stuhl fallen, während sie hörte, wie ihre Schwester den Hörer abnahm. „Und, seid Ihr soweit? Was? Ja, sie ist hier. Nein, ich glaube nicht. Warum?

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