Auflösung und der Moderator kommt um die Ecke. Sicher ist es dank KI heute völlig unproblematisch möglich, Fotos von mir zu variieren und mich glauben zu lassen, es sei meine Zwillingsschwester. Es war zu absurd, um das glauben zu können. Gleichzeitig - und da zögerte sie kurz - hatte sie nicht schon als Kind oft die Fantasie gehabt, nicht zu dieser Familie zu gehören? Alle waren brünett und sie hatte blonde Locken. Die blonden Locken von Oma Erna hatten ihre Eltern abgewiegelt. Aber dennoch, von ihrem Vater hatte sie sich nie wirklich geliebt gefühlt und auch ihre Mutter schien etwas für sich zu bewahren. Konnte es wirklich sein, dass sie adoptiert war und noch dazu eine Zwillingsschwester hatte? Sie war ratlos. Ich muss jemanden anrufen, der sich auskennt, schoss es ihr durch den Sinn. Sie griff nach dem Telefon und wählte die Nummer von Sven ihrem langjährigen Freund aus Kindertagen, der ein erfolgreicher Anwalt in Frankfurt war. Filiz Dogan, German Psychoanalytical Association; Karl Abraham Institute Berlin Zuerst dachte ich, es sei alles ein Missverständnis. Dass sie mehr zu ihrer Schwester hielt als zu mir, dachte ich, dass sei, weil sie der jüngeren, immer zu ihr aufschauenden Schwester nicht weh tun wollte, denn dass es wirklich so sein konnte, dass Blut dicker ist als Wasser hatte ich nie wirklich geglaubt, zumal ich meine „Wahlfamilie“ immer an erster Stelle setzte und mich bei meiner „richtigen“ Familie kaum meldete. „Wir wollen bei den bisherigen Themen bleiben und nichts verändern“, sagte sie und sah mich an dabei. Wir – das waren anscheinend nicht mehr sie und ich sondern sie und ihre Schwester. Mir wurde ganz warm im Gesicht und im Bauch entstand etwas mulmiges, wie vor einer wichtigen Prüfung, die aber noch weit in der Zukunft liegt. So gesehen war es doch ein Missverständnis, ich habe etwas missverstanden, nämlich, dass ich ihr so wichtig war wie sie mir immer war – es war mein Missverstehen unserer Freundschaft, aber ich dachte auch, dass es um das Festival geht. Das es um die inhaltliche Ausrichtung unseres gemeinsam gegründeten Festivals gehe, welches nun schon im vierten Jahr stattfinden soll. Ich tue so, als ginge es nicht um uns, sondern nur um das Festival und sie macht mit. Roland Zag „ZUERST DACHTE ICH, ES SEI ALLES EIN MISSVERSTÄNDNIS “, meinte Rebecca. „Dann wurde mir klar: Der meint das so“. Sie erwartete von mir wohl eine Art empörter Reaktion, das Reinschlagen in die übliche Kerbe irgendwelcher unverschämter Dienstleister, die in diesem Land mal wieder nicht funktionieren, wie sie sollten, aber mir war nicht danach. Ihre Geschichte mit dem abgestürzten Laptop und dem nicht verlängerten Vertrag mit irgendeiner Firma, es wird wohl um die Erstellung einer neuen Website für ihre neue tolle Action-Serie gegangen sein, drang nicht zu mir durch. Ich hing noch an der Art, wie sie mich von Beginn an
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