Writing Workshop at Lisbon Congress

Marianne Kohnert, DPV - Hamburg Zuerst dachte ich, es sei alles ein Missverständnis. An der Passkontrolle mache ich alles falsch, das digitale Einlesen ist mir noch nicht vertraut, die Sperre will mich nicht durchlassen. Jemand sagt mir, ich müsse den Pass anders herum in den Spalt schieben. Meine Hände zittern, ich weiß gar nichts mehr, dann wird es doch grün. Im Kabuff sitzt ein Uniformierter, düster mustert er mich, alles hier ist falsch, ich komme hier nie durch. Meine Zunge ist staubtrocken, mein Herz rast, endlich bin ich durch, ich gehe wie durch Wasser zur Gepäckausgabe, rette mich, der, der Du da auf mich wartest, draußen. Ein Fremder empfängt mich, Du seist sauer, weil Du so lange habest warten müssen, sagst Du. Ich kann nicht sprechen, mich nicht verteidigen, ich muss etwas trinken. Ich halte Dich wieder auf, weil ich eine Flasche Wasser kaufen muss. Ich gehe rückwärts neben Dir weiter, folge Dir zu den Taxis. Du sitzt neben dem Fahrer, ich alleine hinten, etwas stimmt gar nicht, auch nicht die Richtung, ich kenne diese Stadt. Wohin fahren wir, sage ich, meine Stimme hört sich rauh an. Du musst bei meiner Mutter bleiben, sagst Du. Petra Sitta, German Psychoanalytic Society (DPG); IPPF Freiburg Zuerst dachte ich, es sei alles ein Missverständnis. Als mich der Brief von der Adoptionsstelle erreichte, dachte ich es sei eine Werbung oder ein falsch adressierter Brief. Ich hatte große Mühe, zu begreifen, dass wirklich ich gemeint war. Wieder und wieder musste ich den Brief lesen. „ Sehr geehrte Frau Misma, wir freuen uns Ihnen mitzuteilen, dass ihre Zwillingsschwester uns beauftragt hat, Sie zu finden. Frau Goldberg lebt in Los Angeles Kalifornien und würde sich freuen Sie persönlich kennenzulernen. Wie wäre recherchieren konnten, wurden sie beide nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Die Familie von Frau Goldberg ist 1944 nach Amerika ausgewandert, während Sie von einer deutschen Familie adoptiert wurden “. Ich schloss für einen Moment die Augen, um dann erneut auf die beigefügten Fotos meiner Zwillingsschwester zu starren. Das bin ich nur in anders, dachte sie fassungslos. Der Haarschnitt war meinem ähnlich, nur ein klein wenig gestufter und vorne mit einem kecken kurzen Pony versehen. Das sollte ich auch mal probieren, dachte sie bei sich. Aber das Gesicht, der Mund, die Nase und die Augen sagen genauso aus wie ich selbst. Das ist wie in einem Film, wahrscheinlich die versteckte Kamera und gleich folgt die

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