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AUS DER REGION / AUS DER WIRTWSCHAFT

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Schöchl-Werft verlässt Mattsee – ein 75-jähriges Kapitel geht zu Ende, ein neues beginnt im Innviertel Ein Traditionsbetrieb hebt ab – und landet in Munderfing

Es ist ein Abschied, der in der Region deut- lich spürbar ist – und zugleich ein Aufbruch, der Mut, Hoffnung und Modernisierung ver- spricht. Nach 75 Jahren verlässt die traditions- reiche Schöchl-Werft die Gemeinde Mattsee und verlagert ihre Produktion nach Munder- fing ins oberösterreichische Innviertel. Ein symbolischer Kurswechsel für ein Un- ternehmen, das seit 1950 Boote baut, die heu- te auf Gewässern rund um den Globus unter- wegs sind. Auf einem 7.000 Quadratmeter großen Ge- lände entsteht für rund 3,5 Millionen Euro die „Werft 3.0“ – ein neuer Fertigungsstandort, der alles unter einem Dach vereint: moderne Büroräumlichkeiten, großzügige Lagerflächen für das Winterlager sowie eine Hightech-Fer- tigungshalle mit integriertem Testbecken und Beregnungsanlage. Künftig sollen rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an hochmodernen Sunbeam- Yachten arbeiten. Das Ziel: effizientere Abläu- fe, kürzere Wege und eine zeitgemäß moder- nisierte Produktion. Für Geschäftsführer Andreas Schöchl, der das Unternehmen seit 2020 in dritter Gene- ration führt, ist der Neubau ein konsequenter Schritt in die Zukunft: „Wir bauen jetzt zum dritten Mal eine neue Werft – deswegen nen- nen wir sie auch Werft 3.0.“ Was einst mit einer kleinen Tischlerei sei- nes Großvaters am Seeufer begann, ist heute ein international anerkannter Yachtbauer, der Funktionalität, Ästhetik und Komfort zu einem stimmigen Ganzen verbindet.

Der Abschied aus Mattsee ist emotional, aber zugleich ein notwendiger Schritt in Richtung Zukunft. Mit der neuen Werft in Munderfing beginnt für Sunbeam Yachts ein modernes Kapitel, während die Seele der Boote unverändert bleibt. Foto: BZ/Fürst

Ein Ende – und ein Anfang

Spatenstich in Munderfing – klare Signale aus Politik und Wirtschaft Die Bauarbeiten im Gewerbegebiet Nord laufen bereits und sollen bis Ende Juni abge- schlossen sein. Beim Spatenstich wurde die Bedeutung des Projekts klar unterstrichen: Bürgermeister Martin Voggenberger: „Für uns ist es selbstverständlich, einen Betrieb so zu unterstützen, dass er sich bei uns optimal entwickeln kann.“ WKO-Braunau-Obmann KommR Klemens Steidl betont: „Sunbeam Yachts bringt Wind in die Segel des Innvier- tels – ein Leuchtturmprojekt in einer span- nenden Zeit.“ „Mit der Baufirma Goldbeck Rhomberg haben wir genau den richtigen Partner für unser Vorhaben an unserer Seite“, hält Andreas Schöchl, der den Betrieb ge- meinsam mit seiner Frau Beatrice Schöchl- Daumiller führt, fest.

Die bestehende Produktionsstätte – in- zwischen rund 50 Jahre alt – ließ sich bau- lich nicht weiter modernisieren. So endet in Mattsee eine Ära, die die Gemeinde über Jahrzehnte mitgeprägt hat.

Pappas übernimmt Standort und setzt auf Oldtimer

Auch wenn der Wegzug schmerzt, wird das frei werdende Areal rasch mit neuem Leben gefüllt: Die Georg Pappas Automobil GmbH hat den Standort übernommen und plant dort eine Oldtimer-Werkstätte – ein Projekt, das zur automobilaffinen Touris- musgemeinde passt, die mit der Porsche- Erlebniswelt bereits ein überregionales Highlight besitzt.

Tragischer Notfall zeigt Gefahren ungesicherter Transportwege im Innviertel Der tragische Tod einer 55-jährigen Frau, die in mehreren oberösterreichischen Kran- kenhäusern keine akute Notversorgung er- hielt, sorgt im Bezirk Braunau für große Be- troffenheit. Für SPÖ-Landtagsabgeordnete und Pflegesprecherin Gabriele Knauseder zeigt der Fall deutlich, wie prekär die aktuelle Versorgungssituation im Innviertel und ins- besondere im vom Zentralraum geografisch abgelegenen Bezirk Braunau ist. Fachpersonal ist im Krankenhaus Braunau vorhanden.“ Besonders alarmierend sei laut Knauseder, dass nach Angaben der OÖ-Ge- sundheitsholding derzeit nachts keine Hub- schrauberflüge stattfinden. „Das bedeutet, dass wir uns im Bezirk Braunau im Notfall nicht darauf verlassen können, rechtzeitig in eine Spezialklinik transportiert zu werden. Wenn jeder Flug vom Wetter oder von der Uhrzeit abhängt, kann von einem sicheren Versorgungssys- tem keine Rede sein.“ der Bevölkerung berechtigt sind“, erklärt Knauseder. „Ich fordere Landeshauptmann- Stellvertreterin Christine Haberlander da- her dringend auf, die Standortentscheidung gegen den Herzkatheter in Braunau zu überdenken und neu zu bewerten. Nur durch eine faire Ressour- cenzuteilung lässt sich eine hochwertige Gesundheits- versorgung in allen Regio- nen sicherstellen.“

„Es ist nicht hinzunehmen, dass Patien- tinnen und Patienten in lebensbedrohlichen Situationen Gefahr laufen, nicht rechtzeitig versorgt zu werden“, betont Knauseder. „Ne- ben den Spezialisierungen in Linz und Wels muss auch eine regional hochwertige Ver- sorgung von Herzpatient:innen gewährleistet sein. Das dafür notwendige kardiologische

Die ÖVP hatte im Sommer die nächtliche Hubschrauberversorgung als Ersatz für den nicht umgesetzten Herzkatheter-Standort Braunau präsentiert. „Der aktuelle Fall zeigt klar, dass diese Entscheidung falsch war und die Sorgen

Heidemarie Kasper, Herzgruppe Braunau (li.) und LAbg. Gabriele Knauseder (re.) Foto: SPÖ Braunau

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