EUROPA
POLEN Maschinenbau stellt sich breiter auf
Polens Maschinenbau wächst deutlich stärker als der EU-Durchschnitt. Nach Angaben von Eurostat stiegen die Umsätze der Hersteller von Maschinen und Anlagen 2025 um 9,8 Prozent. Im ersten Quartal 2026 kam ein weiteres Plus von 8,1 Prozent hinzu. Im EU-Durchschnitt betrug der Zuwachs lediglich 1,8 Prozent. Getragen wird die Entwicklung von der hohen Nachfrage im Inland und der Neu- orientierung vieler Unternehmen, während Investitionen in Energie, Rüstung und die Modernisierung der Produktion zusätzliche Aufträge schaffen. Der Aufschwung beruht nicht allein auf stei- genden Bestellungen. Viele Maschinenbauer richten ihr Geschäft neu aus und übertragen ihr technisches Know-how auf andere Branchen. Grenevia, lange auf Bergbaumaschinen spe- zialisiert, produziert inzwischen auch Energie- speicher und Komponenten für Windkraftan- lagen. Der Anlagenbauer Rockfin setzt ebenfalls stärker auf Energietechnik und arbeitet seit 2025 mit dem französischen Hersteller Elogen bei Wasserstoff-Elektrolyseuren zusammen. Sol- che Wechsel in neue Geschäftsfelder helfen der Branche, Rückgänge in traditionellen Märkten auszugleichen. Auch neue Großprojekte eröffnen spezialisier- ten Maschinenbauern zusätzliche Absatzfelder. Für das erste polnische Kernkraftwerk strebt der Hebe- und Fördertechnikspezialist ZBUD eine Zertifizierung als Zulieferer an. Im Erfolgsfall könnte das Unternehmen Kräne für den Mate- rialtransport liefern. Ein weiteres Absatzfeld entsteht in der Rüs- tungsindustrie. Hohe Verteidigungsausgaben und der Ausbau der Produktionskapazitäten stei- gern die Nachfrage nach Fertigungslinien, Auto- matisierungstechnik und Komponenten. Der Hydraulikspezialist Ponar Wadowice investiert rund 22 Millionen Euro in sein Werk und schafft zusätzliche Kapazitäten für Dual-Use-Produk- te. Wie weit der Branchenwechsel reichen kann, zeigt der frühere Kraftwerksausrüster Rafako. Nach seiner Insolvenz produziert das Unterneh- men unter dem Namen RFK Komponenten für die staatliche Rüstungsgruppe PGZ. Die hohe Investitionstätigkeit im Land ver- ändert auch die Absatzstruktur. 2023 erzielten polnische Maschinenbauer noch mehr als die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland, 2025 lag der Exportanteil nur noch bei knapp einem
Drittel. Die heimische Nachfrage trägt damit einen wachsenden Teil des Geschäfts. Zusätz- liche Impulse kommen unter anderem aus der Lebensmittelindustrie. Laut Siemens MiU-Index planten im Juni 2026 rund 41 Prozent der be- fragten Unternehmen Investitionen in Ma- schinen. EU-Fördermittel unterstützen zudem Vorhaben zur Energieeffizienz, Digitalisierung und Entwicklung neuer Produkte. Deutschland bleibt der wichtigste ausländische Partner. Rund 24 Prozent der polnischen Ma- schinenausfuhren gingen 2025 in das westliche Nachbarland. Gleichzeitig stammten knapp 30 Prozent der nach Polen eingeführten Maschi- nen aus Deutschland. Die Verflechtung reicht über den klassischen Warenhandel hinaus. Singulus Technologies liefert Beschichtungs- anlagen für eine polnische Photovoltaikfabrik, Siemens Energy baut gemeinsam mit einem polnischen Partner zwei Gaskraftwerke. Der wachsende Binnenmarkt eröffnet deut- schen Unternehmen weiterhin Absatz- und Kooperationschancen. Gleichzeitig wird der Zugang anspruchsvoller. Anbieter aus China und den USA gewinnen Marktanteile. Hinzu kom- men Pläne der Regierung, Unternehmen mit polnischen Eigentümern bei Aufträgen staatli- cher Betriebe stärker zu berücksichtigen. GTAI/IHK
Neue Geschäfts- felder: Polnische Maschinenbauer übertragen ihr technisches Know- how zunehmend auf Energie-, Rüstungs- und Automatisierungs - projekte. Die hohe Nachfrage im Inland stützt diesen Wandel.
37,9 PROZENT
Wachstum der Produktion im Maschinenbau in Polen von 2021 bis 2025. QUELLE: EUROSTAT / GTAI
7
IHK Global Business 08-09/2026
ihk.de/rhein-neckar
Made with FlippingBook Learn more on our blog