SAM focus 3-2026_Chan(g/c)e

CHANGE – CHANCE

Veränderung beginnt im Gehirn

Gleichzeitig schüttet das Gehirn bei Neu­ gier und Vorfreude Dopamin aus. Wer Ver­ änderung als Chance erlebt, aktiviert sein Belohnungssystem. Wer sie als Bedrohung erlebt, sein Schutzsystem. Wer Veränderung als Chance erlebt, aktiviert sein Belohnungs­ system. Wer sie als Bedrohung erlebt, sein Schutzsystem. Die Veränderungsfreudigen: Was sie lernen sollten Menschen, die Veränderung lieben, erleben Neues oft als stimulierend. Das ist eine grosse Stärke. Doch sie unterschätzen häufig, was Veränderung im Nervensystem anderer auslöst. Was für sie Aufbruch bedeutet, kann für andere echten Stress bedeuten. Die wichtigste Lektion lautet deshalb: Tem­ po ist nicht gleich Fortschritt. Wer andere mitnehmen will, muss Sicherheit geben statt zu überreden oder Druck zu machen. Denn das Gehirn öffnet sich für Neues, wenn es sich sicher fühlt.

Warum lieben manche Menschen Veränderungen, während andere sich dagegen wehren ? Die Ant- wort liegt nicht nur im Charakter, sondern auch in unserem Gehirn. Die Neurowissenschaft zeigt, wie Veränderung entsteht – und was wir brauchen, um sie erfolgreich zu gestalten.

Manche Menschen reiben sich bei Verän­ derungen die Hände. Andere bekommen feuchte Handflächen. Beide Reaktionen sind normal und haben ihren Ursprung in unse­ rer Neurobiologie. Je besser wir das verste­ hen, desto weniger verurteilen wir uns selbst oder andere und können konstrukti­ ver miteinander umgehen. Was im Gehirn passiert, wenn Verän- derung droht Das menschliche Gehirn ist ein Vorhersage- Organ. Es liebt Muster, Routinen und Bere­ chenbarkeit. Bekanntes kostet wenig Energie. Neues hingegen fordert den präfrontalen Kortex heraus, aktiviert das Stresssystem und löst in der Amygdala – unserer Bedrohungsde­ tektorin – eine Alarmreaktion aus. Das erklärt, warum selbst positive Veränderungen Stress auslösen können. Ein neuer Job, ein Um­ zug oder eine neue Führungs­ struktur: Das Gehirn bewertet zunächst die Abweichung vom Bekannten – und damit ein po­ tenzielles Risiko.

Die Widerstandserfahrenden: Was ihnen hilft

Wer bei Veränderungen Widerstand spürt, ist nicht rückständig oder entwicklungsre­ sistent. Das Gehirn arbeitet nach einem be­ währten Prinzip: Schütze, was funktioniert. Dieser Widerstand ist ein Signal: «Ich brau­ che Informationen, Zeit und das Gefühl, nicht zu verlieren, was mir wichtig ist.» Es hilft, den Widerstand zu benennen. Allein das Verbalisieren reduziert die Amygdala- Aktivierung und gibt dem präfrontalen Kor­ tex wieder Kapazität. Zudem hilft es, die Veränderung in kleine Schritte aufzuteilen: «Was ist der kleinste mögliche Schritt, dem ich zustimmen kann?» Kleine Erfolge aktivieren das Beloh­ nungssystem und bauen Vertrauen auf.

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SAM FOCUS 3 | 2026

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