Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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c) Interpersonal oder kollektiv geteilte Erfahrung; d) Individuelle oder dyadische/multiple Erfahrungen, die mit den unverwechselbaren Merkmalen eines kontextualisierten Settings auftauchen; e) Den konstitutiven Einfluss des Eindringens der „Andersheit“ in das Individuum, eines „Anderen“, das ebenso groß ist wie der Zustand und ebenso mikroskopisch klein wie eine gemeinsame Zustandsveränderung; f) Klinische Implikationen der Intersubjektivität, z.B. Enactments. III. Aba. Historische Wurzeln Die historische Genealogie der Intersubjektivität wird von den verschiedenen psychoanalytischen Schulen unterschiedlich gesehen. In der relationalen Perspektive spielen zweifellos Sullivan und Racker eine wichtige Rolle, ebenso wie die durch die interpersonale Schule gefilterten britischen „Independents“ und kleinianischen Analytiker. Auch Ferenczi ist eine bedeutende, in dieser Tradition stehende Persönlichkeit. Er ergänzte die Aufmerksamkeit für die konstitutionellen Aspekte und die Entwicklungen der inneren Welt, die in der klassischen Tradition, in der er seine Wurzeln hatte, betont wurden, um das Interesse an den Einflüssen äußerer Beziehungen. Seine Beschäftigung mit dem durch reale Ereignisse ausgelösten Trauma und seinen psychischen Folgen weckte erneut das Interesse am intersubjektiven Feld als Schauplatz psychischer, transformierender Arbeit. Sándor Ferenczi Ferenczis Arbeit (Ferenczi 1933; Dupont, 1988) - einschließlich seiner Betonung der Wechselseitigkeit, des Gegenübertragungsagierens und der Bi- direktionalität psychischer Prozesse (Bass 2009, 2015; Aron & Harris 2010) – hat die Entwicklung der Theorien, welche die intersubjektiven Dimensionen der psychoanalytischen Arbeit betonen, in wichtiger Weise beeinflusst. Sein kurzes Experiment mit der mutuellen Analyse, das er in seinem klinischen Tagebuch beschrieben hat, ist die radikalste Darstellung einer umfassenden intersubjektiven Therapie in der Geschichte der Psychoanalyse. Ferenczi wurde zum gemeinsamen Vorfahren zweier Gruppen, nämlich der British Independent Group (Parsons 2009) und der American Relational Group (Bass 2009), die für die Anwendung intersubjektiver Konzepte auf die Psychoanalyse eine wichtige Rolle spielten. Die Veröffentlichung des klinischen Tagebuchs (Dupont 1988) und später des Freud- Ferenczi-Briefwechsels warfen Licht auf eine tief in der Geschichte der psychoanalytischen Ideen eingebettete gemeinsame Sensibilität. Ferenczis Gedanken über die analytische Beziehung – der Analytiker als reale Person (als Subjekt) in einer realen Beziehung und zugleich als Objekt in einer Übertragungsbeziehung –

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