Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Erwachsener vorwiegend die Funktion defensiver Deckerinnerungen erfüllen (J. Novick und K. K. Novick 1994). In ähnlicher Weise revidierte und aktualisierte Harold Blum 1995, 2008) Freuds Verständnis von Trauma, Erinnerung, Repräsentationsprozessen und Pathogenese im Kontext der analytischen Rekonstruktion. Er untersucht die komplexen zeitlichen und kausalen Fragen, die während der gesamten Entwicklung an dem entwicklungsbedingten Bedeutungs- und Funktionswandel beteiligt sind, und postuliert, dass das Konzept der Nachträglichkeit einen Vorläufer des Konzepts der Entwicklungstransformation darstellt, ohne als solcher erkannt und anerkannt worden zu sein. Die Fokussierung auf die Diskontinuität progressiver Organisationen und Neuorganisationen , die zu Entwicklungstransformationen (A. Freud 1936; Neubauer 1996, 2003) von Trieb, Affektivität, Erinnerung, Objektbeziehung sowie Ich und Selbst führen und verschiedenartige innere Reorganisationen der Konflikte, Kompromissbildungen und unbewussten Phantasien in Gang setzen (Brenner 1982; A. Kris 1988), hat klinische Implikationen für die analytische Arbeit mit erweiterten Patientenpopulationen, die nach jeweils unterschiedlichen Wegen der Förderung von Entwicklungstransformationen verlangen. Klinische Interventionen, die die schlummernde Veränderungsfähigkeit aktivieren können (Lament 2003; Olesker und Lament 2008), dienen als Sprungbrett für die Weiterentwicklung (Olesker 2011) und können analytische Konstruktionen (Freud 1937d) und Rekonstruktionen der Bedeutung von Erinnerungen beinhalten, die zu einer Reorganisation zahlreicher Selbst- und Objektrepräsentanzen führen (Blum 1994, 2019). Von Sitzung zu Sitzung und von Minute zu Minute kann diese Konstruktions- und Rekonstruktionsarbeit „schlingernde“ [„rolling“] metaphorische deutende Übersetzungstransformationen zwischen verschiedenen Erfahrungsbereichen erforderlich machen – von präpsychischen, präsymbolischen Erfahrungsmodi (Aktions-, somatosensorische, viszerale Modi) zur unbewussten Symbolik von Träumen und schließlich zur vorbewussten Symbolik der Sprache (Papiasvili 2016). Hier ergeben sich u.U. auch Berührungspunkte mit einigen von Wilfred Bions sowie André Greens Konzipierungen der Veränderung (Grotstein 2014; Green 2006). III Bcb. Das Konzept eines zentralen Ichs: Ein Körper-Ich und verwandte Konzepte Freud (1923b) erklärte an zentraler Stelle: “Das Ich ist vor allem ein körperliches, es ist nicht nur ein Oberflächenwesen, sondern selbst die Projektion einer Oberfläche “ (S. 253). Er war überzeugt, dass die ersten Wurzeln psychischer Strukturen in den Körpersensationen und -gefühlen des Säuglings zu finden sind, und zwar in den innerlich wie auch äußerlich generierten.

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