Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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und eine spezifische Lesart der Strukturtheorie (Green 2002); 2. Die Implementierung technischer Veränderungen in der Behandlung nicht-neurotischer Patienten, vor allem was den Umgang mit der Übertragung (Greens l’autre semblable/der ähnliche Andere ; Green 2002) und mit der Gegenübertragung (Faimberg 2005) betrifft; 3. Die Erforschung der Art und Weise, wie präverbale Traumata sich der Psyche einschreiben, ohne doch repräsentiert zu werden, und die Implementierung neuer Techniken, die notwendig sind, um sie in die psychoanalytische Behandlung einzubeziehen (Green 2002, 2004); 4. Eine Fokussierung auf die Arbeit mit Repräsentation, Symbolisierung und mit der Progression vom Aktions- zum Denkmodus; 5. Eine andere, subjektive Definition des Ichs ( le moi ), die einem Selbst näher kommt als dem defensiven Geschöpf der Ich-Psychologie. In diesem Kontext wird alles, was Ich ist, als Produkt des Unbewussten verstanden. Das Konzept eines konfliktfreien Bereichs im Ich gibt es nicht. Le moi besteht aus unbewussten Objekten und Teilobjekten. 6. Zur Haltung des Analytikers gehört die sorgfältige Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie der Patient auf Distanz reagiert. Es gibt ein Gewahrsein des Analytikers als Objekt, das unbewusst mit dem Subjekt verbunden ist. Die Asymmetrie wird strikt aufrechterhalten. 7. Die Anerkennung der engen Verbindung zwischen dem Trieb und dem Objekt, wobei das Objekt verstanden wird als derjenige, der den Trieb aufdeckt (Green 2002). In der Verflechtung der Objekt-Trieb-Verbindung beinhaltet die Analyse als ihre Funktion die Befreiung von Eros (Leben, Liebe) und Sexualität. III. Cb. Die intersubjektiv relevante “Dritte Topik”/ das “Dritte Modell” Französische Analytiker (Brusset, 2005, 2006) benutzen den Begriff der „dritten Topik“ oder des „dritten topographischen Modells“, kurz: des „dritten Modells“ [siehe den Eintrag OBJEKTBEZIEHUNGSTHEORIEN], um unter einer metapsychologischen Rubrik retrospektiv die Schriften einer Reihe post- freudianischer Autoren zu versammeln, die die Beziehung zu frühen Bezugspersonen als Voraussetzung für den Erwerb eines psychischen Apparates beschrieben haben, der gemäß einem der beiden Freud’schen Modelle des psychischen Apparates operieren kann. (Das erste – Freud 1900 – ist das topische Modell mit seiner Unterscheidung zwischen Bewusstem, Unbewusstem und Vorbewusstem, deren Aktivität jeweils eigenen Regeln gehorcht; das zweite – Freud 1923, 1926 – ist das Strukturmodell, das den psychischen Apparat in Es, Ich und Über-Ich teilt.) Nordamerikanische französischsprachige Analytiker beziehen in diese Gruppe auch zwei englischsprachige Autoren, nämlich Winnicott und Loewald, ein. Die „dritte Topik“/das „dritte Modell“ postuliert, dass die Zwei-Personen- Psyche der von Freud beschriebenen psychischen Autonomie von Trieb, Abwehr und intrapsychischer Phantasie der Eine-Person-Psyche in der menschlichen Entwicklung vorausgeht. Während das erste und das zweite Modell benutzt wurden, um die neurotische Erkrankung als einen Krieg der Psyche mit sich selbst zu beschreiben,

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