Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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Das Körperbild ist ein weiteres Konzept, das sich auf das Körper-Ich und auf die mentale Repräsentation des Körpers bezieht. Der Begriff wird klinisch zur Beschreibung insbesondere körperdysmorpher Störungen benutzt, die mit Essstörungen in der Adoleszenz zusammenhängen. Er bezeichnet die Subjektivität somatischer Veränderungen und der Entwicklungserfahrung und hängt mit der Subjektivität von Gender, Schwangerschaft, Fitness, Krankheit, Gebrechlichkeit, Alterung oder anderen körperlichen Zuständen zusammen. III Bd. Klassifizierungen und weitere Erforschung der Ich-Operationen: Zu den psychischen Aktivitäten, die heute der Rubrik „Ich“ zugeschlagen werden, zählen basale psychische Funktionen (autonomes Ich), Kontroll- und Aufschubfähigkeiten (Ich-Stärke) sowie Abwehroperationen. All diese Mechanismen arbeiten gewöhnlich außerhalb des bewussten Gewahrseins; sie sind entweder „dynamisch unbewusst“ (Shulman und Reiser 2004) oder deskriptiv/latent unbewusst/“vorbewusst“ (Kubie 1974). Ebenso wie das Atmen aber kann der (unbewusste) Automatismus dieser Operationen durch bewusste Bemühungen ausgeschaltet werden. Umgekehrt können diese Aktivitäten an dynamisch unbewussten, konflikthaften Konfigurationen beteiligt sein oder durch sie beeinflusst werden. Ich-Operationen sind gewöhnlich unbewusst, abgesehen von Notfallsituaten, in denen aktue Bedürftigkeit herrscht oder ein lebenswichtiges Interesse auf dem Spiel steht. Beispiele für die bewusste Intensivierung der Realitätsprüfung, die Schärfung des Intellekts und die Stärkung der Selbsterhaltung (Ich-Funktionen) sind etwa das nächtliche Lernen für eine Prüfung, die bewusste Impulskontrolle (Ich- Stärke) von abstinenten Alkoholikern oder die bewusste Unterdrückung der Gedanken (Abwehr) bei einem trauernden Chirurgen, der einen Eingriff vornehmen muss. In der psychoanalytischen Behandlung wird zudem das „Mentalisieren“ als Krönung des psychoanalytischen Denkens betrachtet (Busch 2013), weil es den Ausschlag für ein erfolgreiches Behandlungsergebnis geben kann. III Bda. Autonome Ich-Funktionen Die autonomen Ich-Funktionen wurden zunächst von Freud (1911b, 1916-17f), Hartmann (1964) und anderen beschrieben und schließlich von Bellak, Hurvich and Gediman (1973) in 12 Kategorien eingeteilt und in Bezug auf Intaktheit oder Defizit charakterisiert. Eine der aktuelleren Listen von insgesamt 26 autonomen Ich- Funktionen wurde zu diagnostischen Zwecken (siehe oben) zur Idenfizierung von Defiziten und/oder Hemmungen von Jerome Blackman (2003, 2010) zusammengestellt. Sie enthält, ist aber nicht begrenzt auf, folgende Funktionen:

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