Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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„Rekonstruktion nach oben“, Loewenstein 1957b, reagiert, die auch als „reaching up“, Volkan 2014, bezeichnet wird).

III Beb. Behandlung und Wahl der Technik Für die Beurteilung der Analysierbarkeit sind Elizabeth Zetzels (1956) Konzept des therapeutischen Bündnisses u nd Ralph Greesons Konzept des Arbeitsbündnisses (1965) von besonderer Bedeutung. Beide heben ab auf Aspekte wie gemeinsame Zielsetzung, Vertrauen und Ethik (Meissner 1992). Im Einklang mit Hartmanns Konzipierung eines relativ „konfliktfreien Funktionierens“ des Ichs (Hartmann 1939/1960) scheinen diese klinischen/behandlungstechnischen Konzepte an Freuds Vorstellung anzuknüpfen, dass Analytiker und Analysand „einen Vertrag miteinander [schließen]“ (Freud 1940a [1938], S. 98), an sein Konzept der „unanstößigen“ positiven Übertragung (Freud 1912b, 1915a) und an Fenichels (1941c) „rationale Übertragung“, die insbesondere für Greensons Konzept des Arbeitsbündnisses relevant ist. Greenson (1965) listet etliche Ich-Funktionen des Patienten auf, die zusätzlich zur Bedeutung der Objektbeziehungen eine wichtige Rolle spielen und für die analytische Arbeit notwendig sind. Sie sind nicht auf verbale Mitteilungen beschränkt und umfassen die Fähigkeit, „auf vielfältige Weise zu kommunizieren, nämlich mit Worten und mit Gefühlen und seine Aktionen gleichzeitig zu kontrollieren“ (S. 174), die partielle Regression, freies Assoziieren, Zuhören, wenn der Analytiker spricht, Erfassen, Reflektieren und Introspektion, Erinnerung, Selbstbeobachtung und Phantasie; Übertragungsfähigkeit und Fähigkeit, den Kontakt zur Realität der analytischen Situation beizubehalten. Das Oszillieren zwischen diesen beiden Positionen ist für die analytische Arbeit unabdingbar. Als Psychoanalytiker sich fragten, wie die Technik für Patienten, die nicht mit den typischen Neurosen vorstellig wurden, modifiziert werden könnte, beschrieben Leo Stone (1961), Jacobson (1964), Kernberg (2008, 2016) und andere den sogenannten erweiterten Anwendungsbereich oder erweiterten Indikationsbereich der Psychoanalyse und ihre Arbeit mit Patienten, die präödipale Pathologien aufwiesen. Wenngleich Ich-Stärken und Objektbeziehungen im Falle sowohl der Psychosen als auch der „Beinahe-Psychosen“ („near-psychoses“, E. Marcus 2012) beeinträchtigt sind, wurden analytisch orientierte, ich-stärkende Interventionen (Frosch 1988) zusammen mit dem Aufbau besser angepasster Abwehrmechanismen (Blackman 2003) und sicherer und stabiler Objektbeziehungen (Fromm-Reichmann 1947; Alpert 1959; Kernberg 2008, 2015, 2016), aber auch psychotrope Medikamente empfohlen. Gravierende Beeinträchtigungen der Ich- und/oder Über-Ich-Funktionen repräsentieren ein Ende des diagnostischen Spektrums (Willick 2001). Manche Patienten mit weniger schweren Beeinträchtigungen können von analytisch basierten relationalen Verfahren (Mitchell 2000) und von Methoden, die auf das Selbst und die

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