Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

III Bf. Auftauchende Entwicklungen

III Bfa. Psychoanalytisches Denken entwickeln In seinem 2013 erschienenen Buch „Creating a Psychoanalytic Mind“ beschreibt Fred Busch (2013) eine Veränderung in der Beziehung des Patienten zu seinem eigenen Denken und Fühlen als den eigentlichen Heilungsprozess. Mit der Entwicklung des psychoanalytischen Denkens - einer psychoanalytischen Sensibilität oder Geneigtheit - erwirbt der Patient die Fähigkeit, aus der Unvermeidlichkeit des Handelns eine Möglichkeit der Reflexion zu machen. Es ist eine enorme psychische Leistung, das eigene Fühlen und Denken als Tummelplatz für Motivationen zu betrachten, statt lediglich als eine Repräsentation der Realität. Vor allem aber kann dies von der Sklaverei des Wiederholungszwangs befreien. Dieser Auffassung zufolge weist psychoanalytisches Denken den Weg zu einem tieferen Verständnis des Selbst durch das eigene Fühlen und Denken – die Essenz dessen, was die Psychoanalyse anbietet. Busch beschreibt eine spezifische Methode, die zu klären hilft, wie dies geschieht, und die Methoden, dies zu erreichen . Grob zusammengefasst, konzentriert sich der basale Paradigmenwechsel der psychoanalytischen Methode auf das von Ogden so genannte „ Nachdenken über das Denken “. Er hat es uns ermöglicht, die einzigartige Weise, wie Patienten kommunizieren oder versuchen, nicht zu kommunizieren, besser zu verstehen. Die wesentlichen Veränderungen der klassischen Methode lassen sich wie folgt charakterisieren: 1. Arbeit mit erfahrungsnahem Material ; 2. Dem Patienten helfen zu lernen, wie er seine eigenen inneren Vorgänge kennenlernen kann, ist genauso wichtig wie das, was er letztlich erfährt: „Prozesskenntnis“ hat Vorrang vor „Zustandskenntnis“ ; 3. Betonung auf dem Erwerb innerer Repräsentationen und Strukturen ; 4. Fokussierung auf die unbewusste Kommunikation in der Analysesitzung; 5. Priorisierung des Verstehens dessen, was in der Sitzung geschieht, statt in erster Linie in der Gegenwart nach der Vergangenheit zu suchen; 6. zu verstehen, wann die Sprache des Patienten ein Versuch ist, etwas zu tun , und wann sie ein Versuch ist, etwas mitzuteilen , ist wichtig; 7. Arbeit in der Übertragung und Gegenübertragung ; 8. Der Patient soll durch die Analyse zur Selbstanalyse hingeführt werden, statt sich auf die Identifizierung mit der Analysefunktion des Analytikers zu beschränken; 9. Die Expertise des Analytikers ist für den Prozess entscheidend; er ist aber nicht vorwiegend Experte für das, was im Patienten vorgeht, sondern seine Haltung ist in erster Linie dadurch charakterisiert, dass er dem Patienten hilft, zu seinem eigenen Denken und Wahrnehmen zu finden. Dem Erwerb psychoanalytischen Denkens liegt die These zugrunde, dass das, was in einer relativ erfolgreichen Psychoanalyse erreicht wird, nicht bloßes Wissen, sondern eine bestimmte Art des Wissenserwerbs ist. Im Vorbewussten zu arbeiten ist grenzüberschreitende Arbeit und bildet die Basis für ein Element einer neuen

138

Made with FlippingBook - Online magazine maker