Enzyklopädisches Psychoanalytisches Wörterbuch der IPV

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von lacanianischen Gruppen und mit Blick auf Lacans erste Seminare oder von Gruppen benutzt, die sich auf Gruppen-, Familien- oder Paaranalyse konzentrierten“ (S. 331). Link -Psychoanalytiker vertreten die Überlegungen, die seit den 1990er Jahren von Isidoro Berenstein und Janine Puget in Argentinien entwickelt wurden. Man könnte ihre Konzeptionierung als ein Interlinking zwischen begehrenden Wesen bezeichnen. Wichtige Beiträge zu dieser Denkweise stammen von Rudolfo Moguillansky, Julio Moreno und Miguel Spivacow. Diese Autoren gehen davon aus, dass das Konzept des Links, der Verbindung, schon in Bions Arbeit über das Reverie- Konzept angelegt ist, das auf dem Unvermögen der frühen Psyche beruht, Emotionen zu verarbeiten. Aufgrund dieser Unfähigkeit muss die Mutter die Emotionen des Babys verstoffwechseln, um seine psychische Entwicklung zu ermöglichen. Diese Autoren betonen, dass die Gegenwart der Anderen notwendig ist, um die Erfahrungen einer unreifen Psyche zu verstoffwechseln und auf diese Weise zu modifizieren, damit sie in Gedanken transformiert werden können. Ausgangspunkt dieser Überlegungen ist das Konzept des Links, der Verbindung. Jeder tragfähige intersubjektive Link entsteht auf der Grundlage einer Verschmelzungserfahrung, der illusorischen Überzeugung von einer Begegnung mit jemandem, der mit dem Selbst identisch oder komplementär ist: die/der Eine . Der illusorische Charakter dieser Überzeugung hindert den/die Eine nicht daran, einen Beitrag zu dem strukturbildenden Prozess zu leisten. Die narzisstische Beschaffenheit des/der Einen lässt die neue Gruppe entstehen, und deren Einfluss veranlasst die Gruppenmitglieder, Subjekte der Verbindung zu werden. Die durch Subjekte erzeugte Gruppe wiederum fundiert und erzeugt unbewusste Orte, die auch eine Quelle von Bedeutung sind. Sie erzeugen unbewusste Signifikationen, die sie determinieren und neue Subjektivitäten produzieren (Moguillansky, zitiert nach Benhaim 2012). III. Db. Historische Aspekte intersubjektiver Konzepte in Lateinamerika Enrique Pichon-Rivière leistete Pionierarbeit für die Integration weiterer Motivationsfaktoren in das Verständnis der Konstituierung und Entwicklung der Psyche. Als einer der Gründer der Argentinischen Psychoanalytischen Vereinigung (gegründet 1942) interessierte er sich stets für die sozialen Aspekte der Psyche. 1953 rief er die Schule für Sozialpsychologie ins Leben. Seine Beiträge beruhen auf einer sozialen Konzeption des Menschen und spiegeln sich in seinen Überlegungen zur Signifikanz des analytischen Paares als Beziehung wider: „Die Verbindung [the link] ist die kleinste Beobachtungseinheit“, erklärte er seinen Schülern immer wieder. Die Schicksale der Triebe und Abwehrmechanismen zeigen sich unter einem anderen Blickwinkel, wenn man sie in einem Kontext situiert, in dem die analytische Verbindung die operationale Einheit darstellt. Unter diesem Blickwinkel können wir die Phänomene, die sich im Behandlungszimmer entfalten, beobachten. Die reduktionistische Trieb-Abwehr-Perspektive wird erheblich modifiziert, sobald man

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