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der unbewussten psychischen Aktivität hervorgehenden Symbols wird nicht anerkannt; seine Deutung aktiviert eine mächtige Abwehr seitens des Ichs.
IV. B. Beispiel für eine inklusive zeitgenössische Perspektive Harold Blum
In seiner Studie über “Symbolic Processes and Symbol Formation“ unterscheidet Blum (1978) zwischen psychoanalytischer (freudianischer) Symbolik und anderen symbolischen Prozessen sowie der außerhalb der Psychoanalyse üblichen Definition der Symbolik. Psychoanalytische Symbolik, „verstanden als ein im Primärvorgang gründender Triebabkömmling, steht einer Wahrnehmungsidentität näher, ist inhaltlich relativ begrenzt auf entstellte Repräsentationen des Körperselbst, infantiler Objekte sowie Geburt und Tod und mit infantilen Konflikten und Erfahrungen assoziiert. Die Symbolik des Primärvorgangs geht aus einem phylogenetischen protosymbolischen Komplex, vielleicht einer undifferenzierten semiotischen Funktion, hervor, und zwar vor dem und parallel zum symbolischen Prozess des Sekundärvorgangs und des rationalen Ichs. Psychoanalytische Symbole leiten sich aus unbewussten Konflikten her und hängen mit der Verdrängung zusammen. Indes ist die Verdrängung nicht die einzige Abwehr, die für die Symbolbildung relevant ist. Die Verschiebung, die vom primitiven Ich für dessen eigene Zwecke eingesetzt werden kann, geht mit Symbolbildung einher. Gleichfalls beteiligt sind wahrscheinlich weitere primitive Abwehrmechanismen wie Projektion und Introjektion. Kognitive und semantische Symbolik haben unterschiedliche, voneinander getrennte Entwicklungslinien; [Blum beschreibt] die Unterschiede zwischen psychoanalytischer Symbolik und sprachlicher Symbolik. Psychoanalytische Symbolik ist unabhängig von Sprache und Kultur; sie weist relativ universale Formen, Charakteristika und Beziehungen zur Verdrängung sowie zur Aktivität des archaischen Ichs auf. Anders als kognitive und sprachliche Symbole, die für die Realitätsanpassung und die Ich-Entwicklung eine wesentliche Rolle spielen, erfüllt die psychoanalytische Symbolik keine Kommunikations- oder Problemlösungsfunktionen. Sie kann jedoch in den Dienst von Sublimierung und Anpassung gestellt werden. Im Einklang mit Freuds Annahme von Übergängen zwischen Primär- und Sekundärvorgang und infolgedessen zwischen symbolischen Prozessen und Formen [betont Blum] den fundamentalen Unterschied zwischen Primär- und Sekundärvorgang […]. Psychoanalytische Symbole sind überdeterminiert und können persönliche oder spezifische kulturelle Bedeutungen erlangen.
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