Handbuch Bauen und Wohnen 2026

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Die Vielfalt der Baustoffe

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Funktionen Neben der Einteilung nach der stofflichen Herkunft gibt es die funktionale Zuordnung nach dem primären Verwendungszweck: (kon­ struktive) Baustoffe, Dämmstoffe, Dichtstoffe (z.B. Bitumenbahnen, Silikone), Bindemittel (Zement ­ mörtel, Baugips, Kleber) oder Zu ­ schlagsstoffe (z.B. Sand). usw. Ziegel ... Tonerde entsteht durch die Verwit­ terung von Feldspat, einem Teil des Urgesteins unseres Planeten. In seiner reinsten Form kommt der Ton als weiße Porzellanerde vor, doch üblicherweise ist ihm Eisen­ oxid beigemengt. Das führt dann beim Ziegelbrennen zur typisch ro ­ ten Ziegelfarbe. Außerdem sind bei den Tonvorkom- men meist 30 bis 70 % Quarzsand oder Quarzmehl dabei: man spricht dann von Lehm. Mit 800°C gebrannt, verändert der Ton seine chemische Zusammenset ­ zung, er wird gehärtet und wasser­ unlöslich. Ab 1.100 Grad setzt die Schmelze ein, wodurch sich die Ziegeloberfläche verschließt — in der Fachsprache als Sinterung be­ zeichnet. Entdeckt und angewendet hat man den gebrannten Tonziegel bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. und zwar dort, wo früher schon der luftge­ trocknete Lehmziegel zum Einsatz kam, im Zweistromland des heu ­ tigen Irak. Ohne den gebrannten

Organische und anorganische Oder mit anderen Worten die gro­ ße, übergeordnete Einteilung: „Lebendmaterial” mit Kohlenstoff- verbindungen — vor allem Holz — und solche ohne Kohlenstoffverbin­ dungen. Zu letzteren zählen eine Vielzahl mineralischer Materialien sowie den aus Erdöl, Erdgas und Kohle erzeugten Kunststoffen. Bau- und Dämmstoffe Wenn man jedes beim Bau ver ­ wendete Material als Baustoff be­ zeichnet, ist ein Dämmstoff ein Baustoff. Wenn hingegen Baustoffe als Baumaterialien des Tragwerks oder des Rohbaus gesehen wer­ den, gehören Dämmstoffe, Fens­ ter, Dachdeckungsmaterialien oder auch Innenauskleidungsprodukte nicht zu dem dann enger gefassten Begriff „Baustoff”. Man kann auch unterscheiden zwischen (Rohbau-) Baustoffen und Bau elementen zum Ein bau wie zum Beispiel Fenster und Türen. Natur-Rohstoffe Holz nimmt in dieser Kategorialisie­ rung eine prioritäre Stellung ein. Weitere nachwachsende Rohstoffe sind zum Beispiel Korkeichenrinde, Hanf oder Wolle. Mineralische Ma­ terialien wie Marmor, Granit, Schiefer oder Lehm zählen eben­ falls zu den Natur-Rohstoffen: Sie werden zwar be- und verarbeitet, bleiben aber chemisch unver­ ändert.

Ton (und Kalkmörtel) wären we­ der solche Errungenschaften wie die frühen hypokaustischen Fuß­ bodenheizungen der gehobenen Schicht im alten Rom, noch die hoch in den Himmel ragenden sak­ ralen Bauwerke des gotischen Mit­ telalters möglich gewesen. ... und Mörtel Als Binde- und Verfugungsmittel nahm man in den frühen Zeiten bei den luftgetrockneter Lehmziegeln dasselbe Material, nämlich Lehm­ schlamm. Seit der Römerzeit wird jedoch Mörtel aus gebranntem Kalk ver­ wendet, der bei der Trocknung nicht nur aushärtet, sondern auch wasserunlöslich wird. Glas ... Glas, Stahl und Beton sind die Bau- stoffe der Moderne. Dabei war das Glas (seine Bestandteile: Quarz­ sand, Kalk und Soda) schon im al­ ten Ägypten bekannt. Es wurden in der Antike Spiegel auf Gusstischen gegossen und danach geschliffen. Im Mittelalter wurde die Glasblä­ serkunst in Murano (aus Brand-Si­ cherheitsgründen aus Venedig aus­ gelagert) zur Vollendung gebracht. Allenorts wurden Fenstergläser mit einem gewissen Hang zum Welligen in Zieh- bzw. Walzverfahren her- gestellt. Fensterkreuze oder bleige- fasste Unterteilungen bei den But­ zenscheiben waren ein Muss, weil den Scheibengrößen bis ins 20. Jhdt. enge Grenzen gesetzt waren. Den entscheidenden Schritt zum modernen Bauglas tat die engli­ sche Firma Pilkington nach dem Zweiten Weltkrieg, indem sie von der Oberfläche der Schmelze kon- tinuierlich ein Glasband wegzog und großflächiges Flachglas (Float­ glas) produzierte.

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