IHK-Global Business Ausgabe 4/2026

MENA/AFRIKA

TUNESIEN Ehrgeizige Ziele bei den Erneuerbaren

Windenergie: Neue Dynamik in 2026 Auch im Windenergiesektor zeichnet sich neue Bewegung ab. Insgesamt plant die Regierung im Konzessionsregime den Bau von Windparks mit einer Gesamtleistung von 600 Megawatt, bei denen die Projektentwickler die Standorte vor‑ schlagen sollen. In einer ersten Runde wurden zunächst zwei Projekte à 75 Megawatt ausge‑ schrieben. Drei Unternehmen beteiligten sich am Verfahren, den Zuschlag erhielt schließlich ein Projekt in Zaghouan. Parallel bereitet der Staat weitere Vorhaben vor; nach Angaben des Energieministeriums sollen dort Anfang 2026 standortspezifische Künftig soll Strom aus Tunesien über eine Netz‑ kopplung auch Europa erreichen. Das Großprojekt ELMED – Teil der EU Initiative Global Gateway – sieht ein Unterseekabel vor, das Tunesien ab 2028 mit Italien und der EU verbinden und den Strom‑ handel in beide Richtungen ermöglichen soll. Für dieses strategisch wichtige Vorhaben stellen die EU sowie EBRD, EIB und KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für wirt‑ schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) insgesamt 472,6 Millionen Euro bereit. Netzausbau als Schlüsselelement Mit dem beschleunigten Ausbau der erneuerba‑ ren Energien rückt auch der Ausbau des Strom‑ netzes in den Fokus. Um zusätzliche Erzeugungs‑ kapazitäten aufnehmen und effizient verteilen zu können, ist eine umfassende Modernisierung not‑ wendig. Die Digitalisierung und Ertüchtigung des Verteilnetzes bildet daher einen zentralen Schwer‑ punkt der aktuellen Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Tunesien. Im Rahmen des von der KfW Entwicklungsbank umgesetzten Projekts IntelliGrid soll die nationale Stromleitwarte für das Management erneuerbarer Energien und für den Anschluss an das europäi‑ sche Netz im Zuge von ELMED fit gemacht werden. Die Ausschreibung durch den staatlichen Windmessungen starten. Stromverbund mit Europa Stromversorger STEG ist für 2026 geplant. Ins‑ gesamt sind 13 Millionen Euro der Bundesre‑ gierung und zehn Millionen Euro der EU für das Projekt vorgesehen. GTAI/IHK

Wartungsarbeiten am Solarkraftwerk Tozeur. Die Anlage wurde mit Hilfe der deutschen KfW finanziert und nahm 2019 den Be - trieb auf. Ein zweiter Solarpark in Tozeur geht in Kürze ans Netz.

Nach Jahren der Verzögerungen erzielte Tunesien beim Ausbau erneuerbarer Energien einen Durchbruch: Am 16. Dezember 2025 ging in Kairouan ein 120-Megawatt-Solar‑ park ans Netz – das erste realisierte Projekt der 2018 ausgeschriebenen Konzessionsrunde. Internationale IPPs dominieren Solarenergie Projektentwickler des Solarparks in Kairouan war AMEA Power aus den Vereinigten Arabi‑ schen Emiraten. Im Januar 2026 wurde zudem ein 60-Megawatt-Solarpark von Scatec in Sidi Bouzid ans Netz angeschlossen. Ein zweiter 60-Megawatt-Solarpark in Tozeur könnte bald folgen. Sie gehören zur ersten Konzessionsrunde mit fünf Projekten und 500 Megawatt. In weiteren Konzessionsrunden sollen 1,1 Gigawatt hinzukommen. Großprojekte aus Ausschreibungen über fast 700 Megawatt wur‑ den zugeteilt, bei vier Projekten wurden die Ver‑ träge bereits im März 2025 unterzeichnet. Auch bei kleinen und mittelgroßen Vorhaben gibt es gute Neuigkeiten: Bis Anfang 2026 wurden in der fünften Genehmigungsrunde insgesamt 187 Lizenzen für Anlagen mit einer Gesamtleis‑ tung von 287 Megawatt erteilt.

4,9 GIGAWATT Kapazität an er- neuerbaren Ener- gien will Tunesien im Jahr 2030 zur Stromproduktion nutzen. Derzeit sind 950 Megawatt am Netz.

QUELLE: GTAI

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IHK Global Business 04/2026

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