EUROPA
POLEN E-Mobilität gewinnt an Fahrt
Steigende Fahrzeugver‑ käufe, neue Investitionen und Förderprogramme machen den polnischen Automobil‑ markt für deutsche Unterneh‑ men in mehreren Segmenten interessant. Das gilt besonders für E-Mobilität, Nutzfahrzeuge und Komponenten. Während die Pkw-Produktion wegen schwächerer Auslandsmärkte zurückgeht, entwickeln sich Absatz und einzelne Investi‑ tionsvorhaben positiv. Der polnische Pkw-Markt ver‑ zeichnete 2025 ein Rekordjahr. Die Neuzulassungen stiegen um 8,3 Prozent auf 597.435 Fahrzeuge. Auch deutsche Hersteller profitierten von der starken Nachfrage. Volkswagen legte um 11,8 Prozent zu und behauptete mit 42.932 Neu‑ zulassungen den dritten Platz unter den meistverkauften Marken. BMW steigerte seine Verkäufe um 15,4 Prozent und rückte auf Platz vier vor. Zu den wichtigsten Gründen für das Marktwachstum zählen die robuste Konjunktur, ein stabi‑ ler Arbeitsmarkt und steigende Einkommen. Besonders dynamisch ent‑ wickelte sich die Elektromobi‑ lität. Noch nie erreichten rein batterieelektrische Pkw in Polen einen so hohen Anteil an den Neuzulassungen wie 2025. Erstmals verfügten 7,2 Prozent aller neuen Fahrzeuge über einen reinen Elektroantrieb; die Verkäufe stiegen auf 43.311 Fahrzeu‑ ge. Auch deutsche Marken konnten ihren Absatz deutlich erhöhen. Audi etwa steigerte seine Verkäufe von Elektro‑ autos um 231,2 Prozent auf 3.375 Fahrzeuge. Auch die Ladeinfrastruktur wurde weiter ausgebaut. Laut dem technischen Prüfamt
Elektrifizierung im Nahverkehr: Polens Städte investieren verstärkt in emis- sionsfreie Busse. EU-Mittel sollen den Ausbau 2026 weiter beschleu- nigen.
zulassungsstärksten Marken. Besonders erfolgreich läuft die Elektrifizierung im Busverkehr: Die Verkäufe rein batterieelekt‑ rischer Busse stiegen 2025 um 75,4 Prozent auf 342 Fahr‑ zeuge. Städte und Gemeinden können zwischen Februar und April 2026 insgesamt 160 Mil- lionen Euro aus einem EU- Programm für emissionsfreie Busse beantragen. Seit dem 1. Januar 2026 dürfen Städte mit mehr als 100.000 Einwoh‑ nern zudem nur noch emis‑ sionsfreie Busse bestellen. Auch deutsche Hersteller investieren weiter in Produk‑ tionsstandorte in Polen. Volks‑ wagen investiert rund 350 Mil‑ lionen Euro in sein Werk bei Poznań, um dort ab 2027 den batterieelektrischen Trans‑ porter Crafter zu produzieren. MAN Truck & Bus plant, sein Werk in Niepołomice bis 2030 auszubauen. Mercedes er‑ richtet bei Wrocław eine neue Produktionshalle für Kasten‑ wagen des Typs Sprinter. Hinzu kommt das Volkswagen- Joint-Venture PowerCo, das in Nysa eine Fabrik für Batterie‑ teile baut. GTAI/IHK
UDT stieg die Zahl der Lade‑ punkte 2025 um ein Drittel auf 7.427. Der Ausbau wird zusätzlich durch gesetzliche Vorgaben und Förderprogram‑ me gestützt. Eigentümer von Nichtwohngebäuden müssen je nach Zahl der Parkplätze Ladesäulen errichten; bei Neu‑ bauten gelten besonders stren‑ ge Anforderungen. Auch für Wohngebäude gibt es verbind‑ liche Vorgaben zur Vorberei‑ tung von Ladepunkten. Gleich‑ zeitig bauen die Netzbetreiber ihre Anschlusskapazitäten aus, auch dank EU-Geldern. Das schafft Geschäftsmöglichkei‑ ten für Anbieter von Ladein‑ frastruktur, Netztechnik und Gebäudetechnik. Auch im Nutzfahrzeug‑ segment entwickelte sich der Markt positiv. Die Neuzulas‑ sungen von Lkw stiegen 2025 um 6,7 Prozent auf 29.979 Fahrzeuge. Volvo lag bei den Zulassungen vorn, MAN und Mercedes-Benz legten ebenfalls zu. Im Bussegment stiegen die Neuzulassungen um 16,6 Prozent auf 2.683 Fahrzeuge. Mercedes-Benz und MAN gehörten zu den
7,2 PROZENT
der neuen zugelas- senen Pkw in Polen waren 2025 rein batterieelektrisch. QUELLE: GTAI
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IHK Global Business 04/2026
ihk.de/rhein-neckar
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