Bezahlbarer Wohnraum auf dem Wasser NEUE IDEEN
Bezahlbaren Wohnraum auf dem Wasser erschließen, um fehlende Flächen in den Städten zu ergänzen? Der Gedanke ist nicht neu, doch in Kiel könnte er in den kommenden Jahren umgesetzt werden. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Kiel (HAW Kiel) geht eine interdisziplinäre Forschung zum Thema nun in die Projektierungsphase.
EIN INTERDISZIPLINÄRES FORSCHUNGSPROJEKT AN DER HAW KIEL
D ie ursprüngliche Idee für die Schwimmenden Bau- ten stammt aus der Bachelorarbeit einer Studentin aus dem Bereich Bauwesen. Sie beschäftigte sich mit der Frage, wie leerstehende Container, die zuvor als Flüchtlingsunterkünfte genutzt wurden, dauerhaft weiter- verwendet werden könnten. Jann Lüttmann, der an der HAW Kiel Schiffbau und Mari- time Technik studiert und derzeit seinen Master macht, hat diese Idee im Rahmen seiner Bachelorarbeit aufgegriffen und einen konkreten Entwurf erarbeitet, der nun Grundla- ge für die weitere Projektierung des Vorhabens sein wird. „Die Inititialzündung zu dem Projekt gab es auf einem Wis- senschaftsempfang der Landeshauptstadt Kiel, dessen zent- rales Thema die Aufwertung des Wissenschaftsquartiers an der Schwentinemündung war“, erzählt Dr. Thilo Rohlfs, der an der HAW Kiel eine Professur für Bau-, Planungs- und Umweltrecht innehat. „Ursprünglich war es nicht mehr als eine Vision – eine Hausbootsiedlung auf der Schwentine, geschaffen aus ehemaligen Containern.“ Gedanken zu Recycling und Nachhaltigkeit standen, neben der Frage, wie sich mehr dringend benötigter Wohnraum insbesondere für Studenten schaffen ließe, im Zentrum der Überlegungen. Mit an Bord war und ist Dr.-Ing. Hendrik Dankowski, Professor für das Entwerfen von Schiffen und Maritimem Umweltschutz an der HAW Kiel; gemeinsam holten die beiden Jann Lüttmann ins Team. Seine bislang geleistete Arbeit konnte auch die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein überzeu- gen, die das Projekt in seiner jetzt angelaufenen nächsten Phase mit rund 100.000 Euro unterstützt. ABER WORUM GEHT ES NUN EIGENTLICH KONKRET? „Mit zweistöckigen Hausbooten wollen wir Wohnfläche auf dem Wasser schaffen“, sagt Jann Lüttmann dazu und verweist auf das von ihm erstellte Modell. Dort sind vier
voll ausgestattete Wohnbereiche für Studenten im Unter- geschoss zu sehen, die sich, wie in studentischen Wohnun- gen üblich, Küche und Bad teilen. Im Obergeschoss sind Konferenzräume oder eine kleine Wohnung vorstellbar. Anders als bei echten Hausbooten, sollen die Schwimmen- den Bauten festverankert werden. Die Wahl des Standorts an der Schwentinemündung ist alles andere als zufällig. Dort ist das Wasser ruhiger als in der Kieler Förde, es gibt weniger Wellengang. Zudem ist die Nähe zur Hochschule ein wichtiger Faktor. Sie hat inzwi- schen auch eine Dependance auf dem Gelände des Seefisch- marktes. »
AUF DER SCHWENTINE IN KIEL NAHE DER MÜNDUNG IN DIE FÖRDE KÖNNTEN DIE HAUS- BOOTE VERANKERT WERDEN UND WOHN- RAUM NICHT NUR FÜR STUDENTEN BIETEN.
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