AMERIKAS
ARGENTINIEN Anbieter von Landtechnik profitieren
Doch die Marktöffnung hilft nicht nur deut- schen Exporteuren, sondern Anbietern aus aller Welt. Insbesondere viele qualitativ weniger anspruchsvolle, dafür aber preislich zum Teil ex- trem günstige Produkte drängen auf den Markt. Umso wichtiger ist es, gegenüber den Kunden die Vorteile von Qualität, Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit hervorzuheben. Derzeit ma- nifestiert sich die erstarkende Konkurrenz aus China insbesondere im Ersatzteilbereich. Mit Blick auf die Erfahrungen in anderen Sparten des Maschinenbaus ist es jedoch nur eine Zeit- frage, bis die chinesischen Anbieter in höhere Leistungsklassen aufsteigen. Trotz Aufbruchstimmung ist Argentinien kein einfacher Markt. Die Landwirte sind anspruchs- volle Kunden, was die Qualität ihrer Geräte angeht. Denn die Agrarflächen sind teilweise so groß, dass Farmer mitunter mit dem Flug- zeug zu den Feldern fliegen. Daher müssen die Maschinen besonders robust und verlässlich sein und lange funktionieren, denn Service und Wartungsmöglichkeiten sind weit weg. Hinzu kommen oftmals erschwerte Klima- und Ge- ländebedingungen wie Hitze, Trockenheit und Staubbelastung auf den Feldern. Zudem ist der Markt sehr volatil. So gingen die Verkäufe von Landtechnik kurzfristig zurück, als Mitte 2025 die Zustimmungswerte für Milei sanken und er in der Provinz Buenos Aires eine Wahlschlappe erlitt – um sich nach seinem Sieg bei den Zwischenwahlen Ende Oktober wieder zu erholen. Denn unter den peronistischen Vor- gängerregierungen hatte der Agrarsektor stark unter Preisdeckelungen und hohen Export- steuern gelitten. Nun sieht er sich erstmals seit Jahrzehnten wieder wertgeschätzt. Grundsätz- lich werden Kaufentscheidungen im argentini- schen Landwirtschaftssektor meist sehr kurz- fristig getroffen, etwa wenn hohe Ernteerlöse eine Investition zulassen. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Zudem ist die hohe Abgaben- last nach wie vor aktuell, insbesondere durch die Exportsteuer auf Agrarerzeugnisse. Zwar hat die Regierung die Sätze bereits erheblich gesenkt, doch gingen im Dezember 2025 im Durchschnitt immer noch mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Einkommen an die öffentlichen Kassen, nach Abzug aller Produk- tionskosten. GTAI/IHK
Die Marktöffnung der letzten Jahre und die derzeit günstige Ertragslage argentini- scher Agrarproduzenten eröffnet neue Chancen für Anbieter landwirtschaftlicher Maschinen. Denn viele Landwirte nutzten die Gunst der Stunde, um ihre Maschinenparks zu moderni- sieren. So konnten deutsche Hersteller von Agrarmaschinen ihre Ausfuhren nach Argenti- nien 2025 um 56 Prozent auf einen Rekordwert von 95,5 Millionen Euro steigern, nach einer langen Stagnation in den Jahren zuvor. Die wichtigsten Produkte waren selbstfahrende Feldhäcksler sowie Teile für Maschinen zum Ern- ten, Dreschen, Reinigen und Sortieren. Zusam- men kamen diese Warengruppen auf einen Anteil von gut 50 Prozent an der Branchenausfuhr. In beiden Kategorien stiegen die Exporte 2025 um 33 beziehungsweise knapp 43 Prozent an. Noch höhere Wachstumszahlen verzeichneten die Ausfuhren von Maschinen und Geräten zur Geflügelhaltung (ohne Brut- und Aufzuchtappa- rate) mit 379 Prozent. Sie erreichten einen Aus- fuhranteil von 14 Prozent. Mähdrescher legten um 159 Prozent zu (Anteil an den Exporten: 11 Prozent).
Zwischen Tradition und Technik: Argentinien verfügt über eine leistungs- fähige Landwirt- schaft, die moderne Agrartechnik benötigt, um wett- bewerbsfähig zu bleiben.
3 PROZENT der weltweiten Agrarexporte stammen aus Argentinien - bei lediglich 0,56 Pro- zent Anteil an der Weltbevölkerung.
QUELLE: GTAI
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IHK Global Business 06/2026
ihk.de/rhein-neckar
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