INTERNATIONALISIERUNG
TIB CHEMICALS Gute Kommunikation gegen Lieferkettenstörungen
Ein Mannheimer Mittelständler kauft einen Konkurrenten und produziert jetzt selbst in den USA.
Markus Bogdan ist bei der TIB Chemicals AG Director Sup- ply Chain, zuständig für die Lieferketten. Anstoß dazu gab vor etlichen Jahren ein IHK-Seminar zur Exportkontrolle. „Ich war damals Teilnehmer und ganz begeistert von dem Thema“, erinnert sich Bogdan. Exportkontrolle als wesent- licher Compliance-Prozess der Logistik ist heute noch sein Steckenpferd. Mit Logistik an sich habe er damals nicht viel am Hut gehabt. Dafür heute täglich. Dass die Produkte des Unternehmens an ihren jeweiligen Bestimmungsorten in Europa, dem Nahen Osten, Asien und den USA auch ankommen, dafür trägt Bogdan die Hauptverantwortung. „Viele unterschätzen die Logistik. Da bleiben Produkte im Zoll hängen, weil Papiere fehlen, oder die Absprache mit dem Dienstleister, der die Ware vom Hafen zum Endkunden bringen soll, hat nicht funktioniert“, erzählt Bogdan. Noch komplizierter wird es bei Chemikalien, wie TIB Chemicals sie herstellt. Der Mittelständler mit rund 520 Mitarbeitern weltweit blickt auf eine mehr als 150 Jahre lange Geschichte zurück. In einem Manage- ment-Buyout wurde das Industriechemikalien-Geschäft in Mannheim vor zwanzig Jahren aus der Degussa heraus- gelöst. TIB ist in Nischen tätig und bedient verschiedene Industriesegmente, unter anderem die Kunststoffindustrie, die Automobilbranche und den Straßenbau. Hergestellt werden Spezialchemikalien, Beschichtungssysteme für Pipelines, Basischemikalien wie Säuren, Schwefelchemika- lien und Bitumenprodukte. „Viele dieser Produkte gelten als Gefahrgut. Für den Transport gibt es besondere Be- stimmungen, die länderspezifischen Regelungen müssen wir kennen, zum Beispiel mit Blick auf die Verpackung oder das Zusammenspiel mit anderen Waren in einem Container.“ Bogdan weiß daher, wie wichtig es ist, Fragen der Logistik rechtzeitig zu stellen und sich der Hürden und Fallstricke bewusst zu sein. Daneben bekommt der Mannheimer Mittelständler immer wieder die Fragilität der Lieferketten zu spüren. „In asiatischen Ländern haben wir keinen großen Zwi- schenpuffer. Umso mehr kommt es darauf an, dass die Abstimmung zwischen uns, unseren Logistikdienstleistern und den Kunden funktioniert.“ Bogdan setzt hier auf die langjährige Zusammenarbeit und etablierte Kommunikati- onskanäle. „Wir tracken jedes Schiff, und wenn es ein The- ma gibt, haben wir unsere Ansprechpartner.“ Das Geschäft in Asien sei vornehmlich projektbasiert. Ein eigenes Werk hat die TIB dort noch nicht, alles kommt aus Mannheim, meist per Schiff, manchmal auch per Luftfracht. Anders in den USA. Nach zehn Jahren, in denen TIB Chemicals versucht hat, über ein eigenes Handelshaus den Markt zu steuern, wurde vor einem Jahr in Pittsburgh in Pennsylvania eine eigene Produktionsstätte gekauft. „Mit dem Handelsgeschäft sind wir an Grenzen gestoßen“, sagt
Ein TIB Chemicals-Mitarbeiter bei der Wartung eines Walzenkompaktors, der Stoffe verdichtet.
Bogdan. Zum einen, weil fast alles aus Mannheim angelie- fert werden musste, dazu die zuletzt höheren Zölle. Zum anderen, weil die Durchdringung des Marktes nur schwer möglich war. Nun also der Strategiewechsel. „Wir haben gesagt, wir wollen das Geschäft intensivieren, und deshalb greifen wir voll an.“ Trotz aller Unwägbarkeiten im interna- tionalen Geschäft sieht das Mannheimer Unternehmen die USA als idealen Standort, um weiter zu wachsen. Neben dem Werk in Pittsburgh verfügt TIB Chemicals noch über einen Standort im texanischen Freeport, akquiriert eben- falls im vergangenen Jahr, und einen weiteren im mexika- nischen San Luis Potosi, der seinerzeit mit zum Manage- ment-Buyout gehörte. Das Unternehmen, das TIB in Pittsburgh übernommen hat, galt als renommierter Hersteller und Entwickler von Zinn-Katalysatoren und Spezialadditiven auf Me- tallbasis, die in einer Vielzahl von Branchen weltweit eingesetzt werden. „Eine ideale Ergänzung für unser Produktportfolio“, sagt Bogdan. Ansonsten habe sich am Standort nichts geändert – außer, dass jetzt ein Deut- scher vor Ort in Kooperation mit einem US-Kollegen die Geschäfte führt. Und auch Chef-Logistiker Bogdan wird nicht arbeitslos. Denn selbst wenn nun in den USA produziert wird, muss weiter Ware von Mannheim über den Atlantik verschifft werden, um alternative Geschäfte mit anderen Produkten an den Niederlassungen auszu- bauen.
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IHK Global Business 06/2026
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