INTERNATIONALISIERUNG
REPLIQUE Von Mannheim nach Mailand
Replique fertigt für Industrieunternehmen Ersatz- und Serienteile nach Maß. Um den italienischen Markt besser auf- rollen zu können, hat das Start-up eine Niederlassung in Mailand eröffnet.
werden, wussten die Mitarbeiter, dass sie an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren können. Doch Wonneberger und Siebert wollten 2023 nicht mehr zurück, sondern ausgründen. „Das war ein großer Schritt, aber er war folgerichtig. Wir hatten das Geschäft aufge- baut, es lief, warum sollten wir nicht weitermachen?“, sagt Wonneberger rückblickend. Ihr Start-up beliefert Indus- triekunden vor allem mit Ersatzteilen, daher auch der Name: Replique, wiederholen. „Es ist verrückt, wie viele Maschinen still stehen oder Geräte weggeworfen werden, weil Ersatzteile fehlen oder gar nicht mehr vorhanden sind“, sagt Siebert. Dieses Vakuum füllt nun Replique. Genaugenommen handelt es sich um eine digitale Platt- form, hinter der ein Netzwerk von rund 400 Produktions- partnern steht, und die – gesteuert von Wonneberger und Siebert – on-Demand und nach den Vorgaben der Kunden Ersatz- und Serienteile herstellen. Bei den Bauteilen handelt es sich um Maßanfertigungen, die Mindeststück- zahl beträgt eins. „Das ist keine Schraube aus dem Katalog, sondern das sind alles Zeichnungsteile, die individuell nach den Wünschen der Kunden gefertigt werden“, erklärt Wonneberger.
INFO
Die zwei wichtigsten IHK- Tipps fürs Auslandsgeschäft 1. Rechtzeitig planen! Der Gang ins Ausland braucht Vorlauf. Das Geschäftspotenzial muss abgeschätzt, die Marktvolumina berechnet, die Wettbewerbs- situation erkundet, die Preisgestaltung erarbeitet, die Logistik geplant werden. Auch müssen die eigenen Ressourcen realistisch eingeschätzt werden, denn der Aufbau des Auslandsgeschäfts braucht Kraft und bindet Kapazitäten. 2. Einen langen Atem haben! Der Erfolg stellt sich womöglich erst nach ein paar Jahren ein, es wird Durststrecken geben, die es zu überwinden gilt. Deshalb sollte die gesamte Unternehmensführung hinter dem Schritt stehen. Außerdem muss die Bereitschaft bestehen und es zeitlich und logistisch möglich sein, das Zielland regelmäßig zu besuchen. Schon aus regulatori- schen Gründen kann beispielsweise die Teilnahme an Boardmeetings vor Ort notwendig sein. Mehr Tipps auf unserer Website: ihk.de/rhein-neckar/international
Die Replique-Geschäftsführer Henrike Wonneberger und Max Siebert haben in Mailand eine Niederlassung eröffnet.
Henrike Wonneberger rückt den hellblauen Luftballon in Form einer Drei, der am Whiteboard in einem Konferenz- raum im Mafinex lehnt, zurecht. „Wir haben gerade unser Dreijähriges gefeiert“, sagt sie und blickt in Richtung der großen Leinwand, auf der Max Siebert zu sehen ist. Der ist unterwegs und deshalb dem Gespräch virtuell zuge- schaltet. Unterwegs – das ist auch das Start-up der beiden Mannheimer, die Replique GmbH, und zwar nach Italien, wo gerade die erste Niederlassung eröffnet wurde. Aber zunächst ein kurzer Blick zurück zu den Anfängen des Unternehmens, das zwar offiziell vor drei Jahren ge- gründet wurde und seitdem in Mannheims Start-up-Center auf dem Lindenhof seinen Sitz und seine Büros hat. Die eigentlichen Wurzeln reichen aber weiter zurück: ins Jahr 2020, als die damals noch bei der BASF Beschäftigten ihre Idee einer Plattform für Ersatzteile im Chemovator er- probten. Der inzwischen nicht mehr existente Business-In- kubator des Chemiekonzerns bot Mitarbeitern die Mög- lichkeit, neue Geschäftsmodelle in einem geschützten und geförderten Rahmen zu entwickeln. Sollte nichts daraus
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IHK Global Business 06/2026
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