IHK-Global Business Ausgabe 6/2026

EUROPA

TSCHECHIEN Milliarden für Biogasprojekte

Die Tschechische Republik treibt eine

umfassende Förderoffensive für Biomethan voran und setzt damit ein klares Signal für den Umbau ihrer Energieversor- gung. Die Europäische Kom- mission hat eine staatliche Beihilferegelung im Umfang von 3,7 Milliarden Euro bis Ende 2030 genehmigt. Die ersten Auktionen zur Förde- rung neuer Anlagen sind für Frühjahr 2026 vorgesehen. Ziel ist es, Erdgas schritt- weise durch Biomethan zu ersetzen und die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren. Herzstück des Fördermodells ist ein Differenz- vertrag (Contract for Difference, CfD). Betreiber erhalten für jede erzeugte Megawattstunde Bio- methan einen Zuschuss, der die Differenz zwischen Marktpreis und dem in der Aktion gebote- nem Ausübungspreis ausgleicht. Liegt der Marktpreis unter diesem Wert, stockt der Staat auf. Liegt der Marktpreis über diesem Wert, muss der Betreiber die Überschüsse zurückzahlen. Die garantierten Preise gelten für 15 Jahre und schaffen damit Pla- nungssicherheit für Investoren. Wettbewerb über Auktionen Die Vergabe erfolgt über wett- bewerbliche Ausschreibungen: Den Zuschlag erhalten Projekte mit dem geringsten Förderbe- darf. Teilnahmeberechtigt sind Unternehmen mit Gasprodukti- onslizenz – darunter auch Betrei- ber bestehender Biogasanlagen, die auf Biomethan umrüsten. Pro Jahr sind zwei Ausschrei- bungsrunden vorgesehen. Die Auktionen stehen ver- schiedenen Biogasarten offen, darunter auch Klär- und

Deponiegas. Landwirtschaft- liche Reststoffe wie Gülle und Ernterückstände können eben- falls zur Biomethanproduktion genutzt werden. Insbesondere für kleinere Agrarbetriebe eröffnen sich dadurch zusätz- liche Erlöspotenziale. Voraus- setzung ist die Einhaltung der EU-Nachhaltigkeitskriterien. Ausbau mit klaren Zielen Der Markt steht noch am An- fang: Aktuell existieren rund 500 Biogasanlagen, aber erst 14 produzieren Biomethan. Bis 2030 sollen mindestens 100 Anlagen in Betrieb sein. Die an- gestrebte Jahresproduktion von rund 490 Millionen Kubikme- tern könnte etwa 7 Prozent des heutigen Gasverbrauchs decken. Parallel wird die Nachfrage gestärkt: Kraftstoffanbieter im Verkehrssektor müssen ab 2026 einen steigenden Anteil ihres Gasabsatzes durch fort- schrittliches Biomethan oder grünen Wasserstoff decken. Damit entsteht schrittweise ein Inlandsmarkt für Biomethan. Herausforderungen und Chancen Ein zentrales Hemmnis sind

bislang langwierige Genehmi- gungsverfahren. Investoren müssen häufig mit mehreren Jahren bis zur Inbetriebnahme rechnen. Das Umwelt- und das Industrieministerium arbeiten daher daran, Zulassungspro- zesse zu vereinfachen, Ver- fahren zu standardisieren und die Anschlussbedingungen an das Gasnetz zu verbessern, um Projekte schneller umzusetzen. Für deutsche Unternehmen ergeben sich entlang der ge- samten Wertschöpfungskette Geschäftsmöglichkeiten – von Aufbereitungstechnologien über Einspeisetechnik bis hin zu Service- und Wartungsleis- tungen. Gefragt sind insbeson- dere effiziente Lösungen, die Betriebskosten senken und im Auktionswettbewerb bestehen können. Kooperationen mit lokalen Projektentwicklern können den Markteintritt er- leichtern. GTAI/IHK Der Biomethan-Aktionsplan der Regierung ist auf der Seite des Umweltministeriums abrufbar (auf Tschechisch):  mzp.gov.cz/cz/pro-media-a- verejnost/aktuality/archiv- tiskovych-zprav/vlada-schvalila- strategii-k-vyuzivani

Biomethan aus der Landwirtschaft: Biogasanlagen ver- werten Gülle und Ernterückstände zu erneuerbarem Gas. Förderprogramme sollen den Ausbau und die Einspei- sung ins Gasnetz beschleunigen.

350 MILLIONEN KUBIKMETER Fördervolumen der Ausschreibungen für Biomethan- Anlagen bis 2030 insgesamt. QUELLE: TSCHECHISCHES INDUSTRIEMINISTERIUM / GTAI

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IHK Global Business 06/2026

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