IHK-Magazin Ausgabe 7/2026

TIPPS

INTEGRATION „Menschen eine Chance geben“

AUS- BILDUNG

Das Team des Badischen Hofs in Seckenheim sieht es als seine Aufgabe an, Auszubildenden mit Flucht- und Migrationshintergrund unter die Arme zu greifen.

I vana Strobel ist zehn Jahre alt, als ihre Eltern be- schließen, das Mädchen zur Schwester der Mutter, Ivanas Tante, zu schicken. Sie soll eine gute Ausbildung erhalten, eine sichere Zukunft haben. Zwischen der Tante und Ivanas Zuhause liegen 5.000 Kilo- meter Luftlinie. Ivana Strobel stammt aus Accra, der Haupt- stadt von Ghana, die Tante lebt in Mannheim. Elf Jahre später sitzt die junge Frau an einem heißen Sommer- tag im Innenhof des Badischen Hofs in Seckenheim. Sie hat gerade ihre IHK-Abschlussprü- fung zur Köchin bestanden. Sie lacht, und mit ihr lachen Klaus Wamich und Florian Polomski. Polomski, bis Ende 2025 Betreiber des Restaurants im inzwischen geschlossenen Mannheimer Fernmeldeturm, hatte Mitte Januar die Nachfol- ge des bisherigen Küchenchefs und Geschäftsführers Wamich im Seckenheimer Traditions- haus angetreten. Polomski ist also Ivana Strobels Chef, Wamich hatte sie als Auszubildende eingestellt. Da hat Strobel bereits zwei Ausbil- dungsbetriebe hinter sich. „Der erste bedeutete viel Fahrerei mit der Bahn. Beim zweiten hatte ich nicht das Gefühl, dass wir als Auszubildende gefördert werden und dass uns etwas zugetraut wird. So hatte ich mir das nicht vorgestellt“, erzählt Ivana Strobel. Sie wendet sich an die IHK Rhein-Neckar, die Klaus

Wamich anruft. Nach einem Gespräch mit Ivana Strobel ist für diesen klar: Er bie- tet ihr eine Fortsetzung der Ausbildung an, aber nicht als Fachkraft Küche, eine theorie- reduzierte zweijährige Ausbil- dung, sondern als Köchin. „Vor mir saß eine tolle Frau, die das Potenzial dazu hatte“, erinnert sich Wamich, der seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Prüfer für die IHK tätig ist. Bei ihrer Prüfung müssen die angehenden Köche aus zwei vorgegebenen Körben mit Le- bensmitteln einen auswählen und daraus in vier Stunden ein Drei-Gänge-Menü zubereiten. Bewertet wird dann, ob das

Ergebnis „verkaufsfähig“ ist, also ansprechend aussieht und schmeckt, aber auch, ob Dinge wie Hygienevorschrif- ten eingehalten wurden. Ivana Strobel besteht mit Bravour. Leistung zu bringen, sei für sie selbst- verständlich, sagt sie. „Das Schulsystem in Ghana ist streng, wir werden dazu er- zogen, das Beste zu geben.“ Mit dieser Einstellung landet sie damals in Deutschland, und entwickelt sich nach einem schweren Start als Schwarzes Kind in einer Grundschulklasse, wo sie Ausgrenzung und Rassis- mus erfahren muss, zu einer Vorzeigeschülerin. Die Lehrkräfte an einer Gemein- schaftsschule erkennen bald, dass Ivana Strobel unter- fordert ist, und so wechselt sie in der achten Klasse aufs Gymnasium. Doch kurz vor dem Abitur kommt ein Zu- sammenbruch, Ivana Strobel macht sich selbst so viel Druck, dass sie die Schule verlässt. „Ich wollte etwas mit den Händen machen, Skills fürs Leben lernen“, erzählt sie. Da sie, seit sie 16 ist, in einem Café jobbt, dort Kuchen backt und Frühstü- cke bereitet, schien eine Aus- bildung in der Gastronomie naheliegend. Nun ist Ivana Strobel ausgebildete Köchin, und sie weiß, dass sie dies nicht zuletzt Wamich und Polomski verdankt. Die beiden Unternehmer, die selbst als Köche in der

Fragen? IHK-ANSPRECH- PARTNERIN: Regina Cantos-Busch

0621 1709-821

Es ist angerichtet: Nach ihrer be- standenen Prüfung kochte Ivana Strobel für das gesamte Team des Badi- schen Hofes.

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IHK Magazin Rhein-Neckar 07 | 2026

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