IHK-Magazin Ausgabe 7/2026

Ivana Strobel wird dem Badischen Hof allerdings nicht erhalten blei- ben. Sie will studieren, Sprachen an der Universität Freiburg. Dafür gibt es schon einen neuen Auszubilden- den, einen jungen Mann aus Afgha- nistan, der seit Anfang September mit an Bord ist. „Er war vorher zwei Wochen hier zum Praktikum und hat richtig Lust auf den Job“, freut sich Polomski. Die Motivation von Ge- flüchteten sei in der Regel hoch. „Sie wollen ja nicht nach Hause zurück, sondern hoffen auf eine Chance für ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland.“ Ba

„Diese Menschen brauchen eine Chan- ce“, sagt Wamich und sieht es dann ge- lassen, wenn ein Lehrling, mit dem die Kommunikation auf Deutsch am An- fang noch stockt, statt einer Limette eine Zitrone aus dem Kühlhaus bringt und nicht weiß, wie Sellerie richtig ge- schrieben wird. Er weiß, wenn er den Menschen unter die Arme greift, wenn er Zeit investiert, geduldig ist, stehen am Ende der zwei- oder dreijährigen Ausbildung stolze Fachkräfte vor ihm. „Und das Gute daran: Die meisten bleiben. Meine komplette Kochbrigade bestand aus Menschen, die ich selbst ausgebildet habe“, sagt Wamich.

Welt herumgekommen sind, sehen es als eine ihrer Hauptaufgaben an, junge Leute für den Beruf zu be- geistern. „Die Gastronomie braucht Fachkräfte, also müssen wir sie auch ausbilden“, sagt Florian Polomski. Er habe dabei nicht nur seinen eigenen Betrieb im Blick, sondern die Branche im Ganzen. Dass heutzutage nicht alle Bewerber die notwendigen Vorausset- zungen mitbringen, wissen sie. Trotzdem oder gerade deshalb en- gagieren sie sich für Menschen mit gebrochenen Bildungsbiografien, mit Flucht- und Migrationshintergrund.

INTERVIEW „Motivation ist wichtiger als perfekte Zeugnisse“

Auftreten, Zuverlässigkeit und der Wille, etwas zu lernen, sind wichtiger als ein perfekter Lebenslauf oder per- fekte Zeugnisse. Ein Praktikum vorab hilft natürlich enorm. Wie bleiben Sie mit den Menschen in Kontakt, bevor sie die Ausbildung dann beginnen? Wamich: Gerade wenn zwischen Zusage und Ausbildungsstart einige Monate liegen, ist es wichtig, den Kontakt zu halten. Kurze Abstim- mungen und die Klärung offener Fragen gehen meistens am schnells- ten übers Telefon oder per E-Mail, zum Teil auch einfach über Whats- App. Was ist beim Onboarding, in den ersten Tagen und Wochen im Betrieb zu beachten? Polomski: Dass nicht zu viel voraus- gesetzt wird. Abläufe und Erwartun- gen klar erklären, feste Ansprechpart- ner geben und die Azubis möglichst schnell ins Team integrieren. Wichtig ist uns dabei: keine Sonderrolle, son- dern Teil des Teams sein. Was tun, wenn es während der Ausbildung hakt? Polomski: Nicht warten, sondern frühzeitig ansprechen. Erst einmal

herausfinden, wo das eigentliche Pro- blem liegt, und dann gemeinsam eine Lösung suchen. Ohne Unterstützung geht es nicht! Die Ausbildung ist beendet. Wie geht es weiter? Wamich: Die Menschen sind jung, natürlich möchten wir sie nach der Ausbildung gerne bei uns halten, aber einige möchten im Anschluss auch ihren eigenen Weg gehen. In andere Betriebe, andere Städte oder andere Länder. Gerade das macht die Gastronomie ja so vielfältig. Für einige unserer Auszubildenden spielt nach dem Abschluss auch die so- genannte 3+2-Regelung eine wichtige Rolle. Diese schafft nach drei Jahren Ausbildung die Perspektive auf zwei weitere Jahre Aufenthalt bei einer entsprechenden Beschäftigung. Das gibt den jungen Menschen, aber auch uns als Arbeitgeber ein Stück Pla- nungssicherheit. Welche Fehler sollten unbedingt vermieden werden? Wamich: Ich glaube, der größte Fehler ist, zu viele Dinge als selbstverständ- lich vorauszusetzen. Vieles, was für uns im Arbeitsalltag völlig normal ist, muss erst erklärt und vermittelt werden.

KLAUS WAMICH, EX-CHEF DES BADISCHEN HOFS, und sein Nach- folger Florian Polomski zum Umgang mit Auszubildenden mit Flucht- oder Migrationshintergrund. Herr Wamich, welche besonderen Herausforderungen bringen Azubis mit Flucht- oder Migrationshinter- grund mit sich? Klaus Wamich: Ganz klar: die Sprache. Das ist häufig ein Thema, vor allem in der Berufsschule und bei Fachbegrif- fen. Dazu kommen leider immer noch sehr starke bürokratische Hürden, zum Beispiel bei Aufenthaltsstatus, Arbeitserlaubnis oder anderen be- hördlichen Themen. Herr Polomski, wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um? Florian Polomski: Wir nehmen uns bewusst Zeit für solche Themen und unterstützen dort, wo Unterstützung notwendig ist. Das kann bei Sprach- kursen sein, bei schulischen Themen, aber auch bei Behördengängen oder bürokratischen Fragen. Wie haben Sie Ihre Azubis mit Flucht- oder Migrationshintergrund ausge- wählt? Wamich: Für uns zählt vor allem der persönliche Eindruck. Motivation,

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IHK Magazin Rhein-Neckar 07 | 2026

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