3.1.2 Rechtslage: Befähigung
In der Dimension Befähigung zeigt der internationale Vergleich ein breites Spektrum an Ansätzen: von punktuellen Sensibilisierungskampagnen bis hin zu systemisch im Curriculum verankerten Medienkompetenzprogrammen. Besonders tragfähig erscheinen Ansätze, die curriculare Verbindlichkeit, qualifiziertes Lehrpersonal, institutionelle Trägerstrukturen und niedrigschwelligen Unterstützungs- angebote miteinander verbinden. Maßnahmen, die nur einzelne dieser Bausteine adressieren, bleiben in ihrer Reichweite häufig begrenzt (Siller/Tillmann 2025: 162; Schaaf 2023: 32). Das Modell in Finnland verdient hier besondere Aufmerksamkeit: Finnland: Das Land erfüllt gleichzeitig alle drei strukturellen Voraussetzungen wirksamer Befähigung: curriculare Verbindlichkeit, systemische Lehrkräftequalifikation und eine kommunale Umsetzungsinfrastruktur, die Schulen, NGOs und Eltern einbezieht. Medienkompetenz ist als verbindliche Querschnittskompetenz im nationalen Curriculum verankert; das Konzept der multiliteracy (monilukutaito) integriert digitale, mediale und Informationskompetenz schulfächer- und klassenübergreifend. Die Lehramtsausbildung schließt digitale Kompetenzen und Medienpädagogik als Pflichtbestandteil ein; bis 2025 hatten über 85% der finnischen Lehrkräfte zertifizierte Weiterbildungen in digitaler Kompetenz absolviert (CoR 2026: 90). Das Programm New Literacies bezieht über 60 Kommunen, das Safer Internet Center, NGOs und Eltern aktiv in die Umsetzung ein. Dieses dreistufige Modell – nationales Curriculum, Lehrkräftequalifikation, kommunale Umsetzungsinfrastruktur – gilt international als Referenz für systemisch wirksame Befähigungsstrategien (OECD 2023; Finland Toolbox/KAVI 2024; Europäische Union 2025). Bulgarien: Das Cyberscouts-Programm in Bulgarien ist nicht curricular verankert, aber zeigt ein weiteres Modell auf für Länder, in denen (ausreichend ausgebildete) Fachkräfte fehlen oder Zugänge zur formalen Bildung ungleich verteilt sind. Bulgarien setzt auf einen Peer-to- Peer-Ansatz: Kinder/Jugendliche zwischen 11 und 13 Jahren werden zu Multiplikator*innen ausgebildet, die in ihrer eigenen Altersgruppe Mediensicherheit und digitale Kompetenzen vermitteln. Das Programm war 2017 in der EU-weiten Wettbewerbsauswahl der Safer Internet Centers auf Platz 9 und ist inzwischen in über 35 Städten aktiv (CoR 2026: 78f.). Es ergänzt schulische Medienbildung um eine informelle, altersnahe Vermittlungsebene, die Selbstwirksamkeit, Beteiligung und Teilhabe fördern kann. Luxemburg: Das luxemburgische Safer Internet Centre BEE SECURE führt jährlich rund 1.000 Schultrainings in vier Sprachen durch und bietet eine niedrigschwellige Helpline sowie eine Meldestelle für illegale Inhalte. BEE SECURE erreicht Kinder, Eltern und Fachkräfte gleichermaßen und verbindet Sensibilisierungsarbeit mit konkreter Unterstützungs- infrastruktur. Das Modell ist skalierbar und auf Mehrsprachigkeit ausgelegt. Dies ist ein besonders relevantes Merkmal für Länder mit diversen Bildungspopulationen. Bis 2025 hatten über 80% der luxemburgischen Lehrkräfte mindestens einen akkreditierten Kurs in digitaler und Medienkompetenz absolviert (CoR 2026: 109f.).
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