Expertise Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt

Webseiten stehen (5Rights Foundation 2026:12ff.). Das bedeutet in der Umkehrung, dass viele Gefährdungen im digitalen Raum vermeidbar sind, sofern Schutzvorkehrungen bereits in der Gestaltung, Entwicklung und Umsetzung digitaler Technologien angelegt werden. Ein proaktiver Strategieansatz nimmt Technologieunternehmen in die Pflicht, die Rechte, die Sicherheit und die Privatsphäre von Kindern und jungen Menschen altersentsprechend bereits in die Gestaltung digitaler Produkte und Dienste einzubetten.

Der internationale Vergleich zeigt, dass innovative rechtliche Impulse im Bereich Schutz nicht nur aus Europa kommen. Ein besonders prägnantes Beispiel ist:

Brasilien: Das Digital Statute of the Child and Adolescent (ECA Digital) von 2025 ist seit dem 17.03.2026 in Kraft: Plattformanbieter müssen altersgerechte Nutzungserfahrungen bereits im Produktdesign verankern und Kinderrechte und Kindeswohl werden über kommerzielle Interessen gestellt. Brasilien ist das erste Land in Lateinamerika mit einer verbindlichen Safety-by-Design-Pflicht. Konkret heißt es: „Anbieter von IT-Produkten oder -Dienstleistungen, die sich an Kinder und Jugendliche richten oder von diesen wahrscheinlich genutzt werden, müssen Mechanismen einführen, um altersgerechte Erfahrungen zu ermöglichen […] unter Berücksichtigung der fortschreitenden Autonomie und der Vielfalt der sozioökonomischen Kontexte in Brasilien“ (Art. 10) [Übers. IJAB]. Besonders wertvoll am brasilianischen ECA Digital ist, dass die Regelung nicht nur große Social-Media- Plattformen betrifft, sondern alle digitalen Tools und Plattformen, die sich explizit an Kinder und Jugendliche richten oder von ihnen genutzt werden könnten. Über den Schutzaspekt hinaus adressiert das brasilianische Gesetz ECA Digital die sich entwickelnden Kompetenzen von Kindern und jungen Menschen und die sozioökonomischen Unterschiede im Land (Stichwort: Teilhabe). Indonesien: 2025 hat Indonesien mit dem Gesetz PP TUNAS 2 als erstes Land im Globalen Süden einen verbindlichen Regulierungsrahmen für altersangemessenes Design (Safety by Design) eingeführt. Das Gesetz verpflichtet Anbieter digitaler Produkte und Dienste, die voraussichtlich von Kindern genutzt werden, ihre Rechte und das Kindeswohl über kommerzielle Interessen zu stellen, indem ein hohes Maß an Datenschutz durch Gestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen gewährleistet wird (SSEK 2025). Zugleich zeigt der Fall Indonesien, wie dynamisch und politisch umkämpft dieses Feld ist: Parallel zur kinderrechtsorientierten Rahmung geben aktuelle Pressemitteilungen kund, dass der Zugang für Jugendliche unter 16 Jahren ab dem 28. März 2026 für sogenannte Hochrisiko-Plattformen gesperrt werden soll. 3

————————————— 2 PP TUNAS ist die Abkürzung des Gesetzes: Government Regulation Nr. 17/2025 on the Governance of Electronic System Operations for Child Protection (2025). 3 S. kompass.id (2025) und BBC (06.03.2026): Indonesia to ban social media and other online platforms for under 16s. https://www.bbc.com/news/articles/cvg50168ddgo.

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