IHK-Magazin Ausgabe 4/2026

TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT

TIB CHEMICALS Lieferketten in eigener Hand Der Mannheimer Hersteller von Industriechemikalien kauft einen Konkurrenten und produziert jetzt selbst in den USA.

port gibt es besondere Be- stimmungen, die länderspezifi- schen Regelungen müssen wir kennen, zum Beispiel mit Blick auf die Verpackung oder das Zusammenspiel mit anderen Waren in einem Container.“ Bogdan weiß daher, wie wich- tig es ist, Fragen der Logistik rechtzeitig zu stellen und sich der Hürden und Fallstricke bewusst zu sein. Daneben bekommt der Mann- heimer Mittelständler im- mer wieder die Fragilität der Lieferketten zu spüren. „In asiatischen Ländern haben wir keinen großen Zwischen- puffer Umso mehr kommt es darauf an, dass die Abstim- mung zwischen uns, unseren Logistikdienstleistern und den Kunden funktioniert.“ Bogdan setzt hier auf die langjährige Zusammenarbeit und etab- lierte Kommunikationskanäle. „Wir tracken jedes Schiff, und wenn es ein Thema gibt, haben wir unsere Ansprechpartner.“ Das Geschäft in Asien sei vor- nehmlich projektbasiert. Ein eigenes Werk hat die TIB dort noch nicht, alles kommt aus Mannheim, meist per Schiff, manchmal auch per Luftfracht. Anders in den USA. Nach zehn Jahren, in denen TIB Chemicals versucht hat, über ein eigenes Handelshaus den Markt zu steuern, wurde vor einem Jahr in Pittsburgh in Pennsylvania eine eigene Pro- duktionsstätte gekauft. „Mit dem Handelsgeschäft sind wir an Grenzen gestoßen“, sagt Bogdan. Zum einen, weil fast alles aus Mannheim angelie-

Ein TIB Chemicals- Mitarbeiter bei der Wartung eines Wal - zenkompaktors, der Stoffe verdichtet.

M arkus Bogdan ist bei der TIB Chemicals AG Director Supply Chain, zuständig für die Liefer- ketten. Anstoß dazu gab vor etlichen Jahren ein IHK-Se- minar zur Exportkontrolle. „Ich war damals Teilnehmer und ganz begeistert von dem Thema“, erinnert sich Bogdan. Exportkontrolle als wesent- licher Compliance-Prozess der Logistik ist heute noch sein Steckenpferd. Mit Logistik an sich habe er damals nicht viel am Hut gehabt. Dafür heute täglich. Dass die Produkte des Unternehmens an ihren jeweiligen Bestimmungs- orten in Europa, dem Nahen Osten, Asien und den USA auch ankommen, dafür trägt Bogdan die Hauptverantwor- tung. „Viele unterschätzen die Logistik. Da bleiben Produkte im Zoll hängen, weil Papiere fehlen, oder die Absprache mit dem Dienstleister, der die Ware

vom Hafen zum Endkunden bringen soll, hat nicht funktio- niert“, erzählt Bogdan. Noch komplizierter wird es bei Chemikalien, wie TIB Chemi- cals sie herstellt. Der Mittel- ständler mit rund 520 Mit- arbeitern weltweit blickt auf eine mehr als 150 Jahre lange Geschichte zurück. In einem Management-Buyout wurde das Industriechemikalien-Ge- schäft in Mannheim vor zwan- zig Jahren aus der Degussa he- rausgelöst. TIB ist in Nischen tätig und bedient verschiedene Industriesegmente, unter anderem die Kunststoffindust- rie, die Automobilbranche und den Straßenbau. Hergestellt werden Spezialchemikalien, Beschichtungssysteme für Pipelines, Basischemikalien wie Säuren, Schwefelchemi- kalien und Bitumenprodukte. „Viele dieser Produkte gelten als Gefahrgut. Für den Trans-

Wir haben gesagt, wir wollen das Geschäft in- tensivieren, und deshalb greifen wir voll an.

Markus Bogdan

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IHK Magazin Rhein-Neckar 04 | 2026

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