TITELTHEMA | AUSLANDSGESCHÄFT
ANALYSE „US-Markt wird mittel- und langfristig weiter wachsen“ Wie funktioniert das Auslandsgeschäft in Zeiten wie diesen? Eine Einschätzung von IHK-Geschäftsführer Matthias Kruse
intensiviert haben und gleichzeitig auf Wachstumsmärkte wie Indien set- zen. Die Geschäfte mit dem scheinbar kleinen Nachbarmarkt Schweiz liefen so gut, dass das Plus im Schweiz-Ge- schäft fast das Minus im US-Geschäft kompensieren konnte. Im Export in die beiden größten Volkswirtschaften USA und China gibt es dagegen seit einem Jahr ein starkes Minus. Wie läuft es denn in China? Kruse: In der Volksrepublik schwä- chelt die Binnenkonjunktur auch we- gen der ungelösten Immobilienkrise weiter. In den Immobilien stecken die Vermögen der meisten Chinesen, mit denen sie sich für das Alter absichern wollen. Hinzu kommt ein immer härterer Wettbewerb durch Überka- pazitäten in vielen Branchen in der Volksrepublik. Und was passiert in den USA? Kruse: Im US-Geschäft läuft alles gut, was für den Aufbau der KI-Infrastruk-
tur gebraucht wird. Ansonsten fehlt den meisten US-Kunden für Investiti- onen die notwendige Planungssicher- heit. Sie schieben deshalb sehr oft Anschaffungen. Das spüren unsere Anbieter von Investitionsgütern na- türlich. Der deutliche Wertverlust des US-Dollars gegenüber dem Euro und die zugleich seit April vergangenen Jahres wesentlich höheren US-Zöl- le verteuern für US-Kunden hier bei uns hergestellte Waren sehr. Entspre- chend kaufen US-Kunden weniger häufig bei unseren Unternehmen ein. Wie haben sich die US-Zölle konkret auf den Export ausgewirkt? Kruse: Das hängt von der Höhe der Zölle ab. Zollerhöhungen von 15 Pro- zent können viele Unternehmen an ihre US-Kunden weitergeben. Dies ge- schieht vor allem, wenn es keinen in den USA produzierenden Wettbewer- ber gibt. Wenn dann Wettbewerber aus anderen Ländern von noch höhe- ren US-Zusatzzöllen betroffen sind,
Matthias Kruse und sein Team beantwor- ten jährlich rund 10.000 Fragen zum Aus - landsgeschäft.
Herr Kruse, wie läuft das Auslandsgeschäft?
Matthias Kruse: Gut und schlecht zu- gleich. Unterm Strich steht sogar ein leichtes Plus beim Export. Das liegt vor allem daran, dass viele Unterneh- men ihr Europa-Geschäft erfolgreich
INFO
Die zwei wichtigsten IHK-Tipps fürs Auslandsgeschäft
Durststrecken geben, die es zu überwinden gilt. Deshalb sollte die gesamte Unternehmensführung hinter dem Schritt stehen. Außerdem muss die Bereitschaft bestehen und es zeitlich und logistisch möglich sein, das Zielland regelmäßig zu besuchen. Schon aus regulatorischen Gründen kann beispielsweise die Teilnahme an Boardmee - tings vor Ort notwendig sein. Mehr Tipps in der IHK Global Business: ihk.de/rhein-neckar/global-business
1. Rechtzeitig planen! Der Gang ins Ausland braucht Vorlauf. Das Geschäftspotenzial muss abgeschätzt, die Marktvolumina berechnet, die Wettbewerbssitu - ation erkundet, die Preisgestaltung erarbeitet, die Logistik geplant werden. Auch müssen die eigenen Ressourcen realistisch eingeschätzt werden, denn der Aufbau des Auslandsgeschäfts braucht Kraft und bindet Kapazitäten. 2. Einen langen Atem haben! Der Erfolg stellt sich womöglich erst nach ein paar Jahren ein, es wird
18
IHK Magazin Rhein-Neckar 04 | 2026
ihk.de/rhein-neckar
Made with FlippingBook Learn more on our blog