IHK-Magazin Ausgabe 4/2026

STANDORT

Der Walldorfer Ansatz ist dabei laut Nisius bewusst „zweigleisig“ gedacht. Die Geschäfts- führung des Vereins ist bei der Wirtschafts- förderung im Rathaus angesiedelt. Xenia Lux wurde als Stadtmarketing-Expertin neu eingestellt und kümmert sich unter anderem um die organisatorischen Aufgaben des Ver- eins. „Die Geschäftsführung entlastet enorm. Es ist nicht alles im Ehrenamt zu stemmen, so wie früher bei der Werbegemeinschaft. Es bleibt nichts mehr liegen“, beschreibt Tognino den Unterschied. Viele Ideen gab es auch vor dem Stadtmarketingverein, aber sie seien aus Zeitgründen nicht immer konsequent umge- setzt worden. „Jetzt ist eine Struktur dahinter und jemand, der sich kümmert“, so Tognino weiter. Dass dieser Ansatz trägt, zeigen die ersten um- gesetzten Maßnahmen. Ein Flohmarkt in der Innenstadt mit rund 65 Ständen und zusätz- lichem Kinderflohmarkt war auf Anhieb gut besucht und geht im Juli in die zweite Runde. Auch neue Formate wie After-Work-Events mit Foodtrucks und Live-Musik wurden sofort gut angenommen. Zwei Veranstaltungen gab es 2025, in diesem Jahr sind von April bis August fünf geplant. Bestehende Veranstaltungen wur- den organisatorisch neu aufgestellt und können nun mit mehr Kraft bewältigt werden. Ziel ist es, Events so langfristig planbar und wieder- holbar zu machen. Laut Jochen Koppert, der zusammen mit Vera Pfirmann den Stadtmar- ketingverein-Vorstand bildet, sind weitere neue Formate angedacht. „Die Mitarbeit im Verein ist bewusst so organisiert, dass sie keine Dauer- belastung darstellt“, sagt er. „Man kann sich punktuell bei Projekten einbringen und genau das funktioniert sehr gut.“ Mit dem Stadtmar- ketingverein in Kombination mit der Stellen- schaffung im Stadtmarketing in der Verwaltung hat Walldorf eine Struktur geschaffen, die nicht auf kurzfristige Effekte, sondern auf eine konti- nuierliche Entwicklung der Innenstadt setzt. Ein Beispiel für diese Weiterentwicklung ist auch der Stadtgutschein. In Walldorf war dieser zwar bereits etabliert, aktuell ist das Gutschein-Modell mit 44 teilnehmenden Be- trieben aber auf einem Höchststand. Mit dem Stadtgutschein soll noch mehr Kaufkraft vor Ort gebunden werden. Bislang funktioniert das System über eine Guthabenkarte, wünschens- wert wäre eine App als Alternative. Auf dem neu ins Leben gerufenen Instagram-Kanal „Stadtmarketing Walldorf“ wird der Gutschein nun auch konsequent beworben und die ver- schiedenen Partner vorgestellt. MB

INFO

Fünf Fakten zum Sofortprogramm Einzelhandel

1. Mit dem „Sofortprogramm Einzelhandel“ unterstützt das Land Baden-Württemberg Städte und Gemeinden dabei, ihre Innenstädte und Ortszentren zu stärken. Ein zentraler 2. Ziel ist es, lokale Akteure besser zu vernetzen, professionelle Strukturen aufzubauen und konkrete Maßnahmen zur Belebung von Innenstädten umzusetzen. 3. Gefördert werden unter anderem die Entwicklung von Stadtmarketingkonzepten, die Gründung und Weiterentwick - lung von Stadtmarketingvereinen sowie Projekte und Veran - Baustein ist die Förderlinie „Stadtmarketing“. staltungen, die die Attraktivität vor Ort steigern. Kommunen, Handel, Gastronomie und weitere Akteure sollen gemeinsam Strategien entwickeln und umsetzen. 4. Unterstützt werden sowohl konzeptionelle Arbeit als auch erste konkrete Maßnahmen. 5. Walldorf hat von diesem Landes-Sofortprogramm profitiert. Die Förderung zur Erarbeitung eines Stadtmarketingkonzep - tes mit anschließender Gründung eines Stadtmarketingver - eins mit zentraler Organisationsstruktur betrug 70 Prozent.

INFO

Rezepte für eine erfolgreiche Innenstadt

Bei den IHK-Beratungen werden verschiedene Innenstadt-Typen definiert. Walldorf nutzt für sich den „urbanen Eintopf“. Was ihn ausmacht Dichte Mischung aus Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeit. Die Innenstadt wird von unterschiedlichen Nutzern (Bewohner, Pendler, Besucher) frequentiert, diese haben verschiedene Bedürfnisse. Das breite Angebot und die unterschiedlichen Zielgruppen schaffen Synergien und geben Raum für Events, Aktionen und digitale An - gebote. Wie er funktioniert Events und Marketingmaßnahmen müssen gebündelt werden. Sichtbare Angebote und eine hohe Aufenthaltsqualität sind wichtig. Temporäre Aktionen helfen zusätzlich Frequenz zu generieren. Wann er seinen Geschmack verliert Die unterschiedlichen Interessen müssen ausbalanciert werden, man darf sich nicht darin verlieren. Eine enge Vernetzung und Kooperation zwischen allen Akteuren sind wichtig. Trotz verkehrs - freundlicher Anbindung darf die Aufenthaltsqualität nicht leiden.

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IHK Magazin Rhein-Neckar 04 | 2026

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