AUS DEN UNTERNEHMEN
TEXTILHAUS JÖST Passendes für die Generation 50+ Sie ist Herrin über 25 Quadratmeter voller Textilgeschichte: Zu Gast bei Sigrid Jöst, die in Schriesheim eine über 100jährige Familientradition weiterführt.
E inige Kleidungsstücke für ihre Mutter stehen heute auf der Einkaufsliste der Schriesheimer Immobilien- maklerin Anja Hölzel, als sie das Geschäft von Sigrid Jöst betritt. Beim Blick über die gut gefüllten Regale ist sie schnell überzeugt, dass sie auch dieses Mal fündig wird. Ist sie doch immer wieder von Neuem erstaunt darüber, was Sigrid Jöst auf wenigen Quadratme- tern alles unterbringt. „Das ist ein wahres Raumwunder“, so Hölzel. „Es gibt nichts, was es hier nicht gibt.“ Lange suchen und warten braucht die Kundin an die- sem Tag nicht. Sigrid Jöst stellt schnell und sicher mit einem Griff in ihre verschie- denen Regale eine Auswahl zusammen. Ihr Ansatz: Wenn etwas fehlt, wird es umgehend nachbestellt. Und falls man sich einmal nicht entscheiden kann oder Bekleidung für die Familie benötigt wird, können die Kunden die Kleidung mit nach Hause nehmen. Ein breites Sortiment von Wäsche über Hosen, Jacken, Pullover, Strümpfe für Damen, Herren und Kinder sowie Heimtextilien führt das Ge- schäft in der Römerstraße. Außerdem sind Kurzwaren wie verschiedene Garne und Reißverschlüsse im Angebot. „Das sind meine Frequenz- bringer“, weiß Sigrid Jöst. 60 bis 70 Prozent ihrer Kunden besuchen laut der Inhaberin das Textilgeschäft regelmäßig. Ihre Zielgruppe
Er heiratete in eine Schnei- derei ein, die im heutigen Geschäftslokal angesiedelt war. Sein Sohn Johann führte diese weiter, gründete jedoch 1925 ein Textilgeschäft, um das Atelier zu ergänzen. Auch Sigrid Jösts Vater Alois war noch bis in die 1990-Jahre als Schneider aktiv und stattete beispielsweise die Musiker der Städtischen Bühne Heidel- berg mit Fracks und Cutaways aus. Dass Mode inzwischen keine Frage des Alters ist, freut heute seine Tochter: „Die Zeiten, als reifere Damen nur gedeckte Farben trugen, sind glücklicherweise vorbei.“ Wie die Geschichte des Textil- hauses weitergeht? Sigrid Jöst macht sich so ihre Ge- danken, ob ihr Unternehmen Zukunftsperspektiven hat. „Ich bin allein in meinem Geschäft und erledige abends und auch am Sonntag häufig noch die Bestellungen und die Buchhaltung“, berichtet sie. „Wer will sich das heute noch antun?“ Sigrid Jöst wird noch einige Zeit weiter machen. Denn Kontakt, Kommunikation und Engagement für ihre Kunden sind ihr wichtig. „Meine lange Erfahrung hilft mir sehr. Ich weiß genau, welche Hose für welche Figur passt und habe direkt mehrere Modelle bereit. Da muss man nicht lange stöbern.“ Eine kleine Änderung gibt es allerdings: Lange hat Jöst gezögert, doch am Montag und am Dienstag hat sie inzwi- schen geschlossen. uc
seien die „Best Ager“. Ihr klei- nes Geschäft hat einen Ein- zugsbereich über Schriesheim hinaus bis in den vorderen Odenwald, Südhessen und den Heidelberger Raum und profitiere von dem rückläufi- gen Textilangebot vor allem in den kleineren Orten. Die gelernte Einzelhan- delskauffrau Jöst, die ihre Ausbildung bei Horten in Mannheim, Düsseldorf und Hamburg absolviert hat, brennt für ihren Beruf. Nach ihrer Ausbildung und zehn Jahren Tätigkeit in verschie- denen Unternehmen kehrte sie Ende der 1980er-Jahre wieder in das Geschäft ihrer Familie zurück. 2001 wurde Sigrid Jöst schließlich Inha- berin und beerbte damit ihren Urgroßvater Leonhard Jöst.
Meine lange Erfahrung hilft mir sehr. Ich weiß genau, wel- che Hose für welche Figur passt.
Sigrid Jöst
Sigrid Jöst in ihrem Laden
39
IHK Magazin Rhein-Neckar 04 | 2026
ihk.de/rhein-neckar
Made with FlippingBook Learn more on our blog