beyond 01 | 2026

IM FOKUS – Jugendinformation international

In den Köpfen von Politiker*innen nicht angekommen beyond: Du hast gesagt, der Zugang zu Informationen sei immer noch ungleich. Das wissen wir aus vielen Studien seit langer Zeit. Junge Menschen, die nicht wissen, woher sie Informationen bekommen sollen oder die sich bestimmte Angebote nicht zutrauen, weil sie glauben, dass sie teuer sind oder Sprach- kenntnisse voraussetzen. Warum ändert sich nur so wenig? Audrey Frith: Ich glaube, es mangelt an Verständnis dafür, was Jugendinformation ist und warum sie wichtig ist. Für viele Menschen ist Information allgegenwärtig und allumfassend. Für uns ist Jugendinformation eine Dienstleistung von allgemeinem Interesse und ein zent- raler Bestandteil der Jugendarbeit, die auf dem Recht auf Information beruht. Um diesem Recht konkrete Bedeu- tung zu verleihen, benötigen junge Menschen Zugang zu niedrigschwelligen, gut ausgestatteten, unabhängi- gen und jugendfreundlichen, öffentlichen Informations - diensten, sowohl vor Ort als auch online. Bereits 2005 forderte der Rat die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Strategien zur Jugendinformation zu entwickeln, doch trotz wiederholter Aufforderungen in nachfolgenden Strategiepapieren haben die meisten EU-Länder noch keine formelle nationale Strategie zur Jugendinformation entwickelt. Jugendinformationsdienste sind nach wie vor unterfinanziert und werden als Bereich der Jugendpolitik oft übersehen. Der Sektor hat konkrete Fortschritte zur Verbesserung der Situation vorangetrieben. Insbeson- dere haben Eurodesk und ERYICA einen gemeinsamen Kompetenzrahmen für Jugendinformationsfachkräfte sowie das von ERYICA verabschiedete Kapitel zur Jugend- information verabschiedet, das als Referenz in diesem Bereich dient. Vor dem Hintergrund der aktuellen Dis- kussionen über die künftige EU-Jugendstrategie fordert Eurodesk die Mitgliedstaaten daher auf, Jugendinforma- tions- und Beratungsdienste einzurichten und zu finan - zieren, die allen jungen Menschen ohne Diskriminierung zugänglich sind, um das Recht junger Menschen auf qua- litativ hochwertige Informationen zu gewährleisten. Im Fall von Eurodesk arbeiten mehr als die Hälfte der natio- nalen Eurodesk-Stellen mit nur einer oder weniger Voll- zeitstellen. Folglich können sie in ihren Ländern keinen umfassenden Eurodesk-Service anbieten, da dies neben den Netzwerkaktivitäten auf europäischer Ebene auch

Websites hinzu und später die sozialen Medien. Früher kommunizierten wir sogar per Fax mit unseren nationa- len Eurodesks. Dank digitaler Tools ist vieles natürlich einfacher geworden, insbesondere da wir eine große Menge an Informationen austauschen und verwalten. Was sich nicht geändert hat, ist das Bedürfnis junger Menschen nach persönlicher Unterstützung bei ihren europäischen Vorhaben; wir kombinieren einfach Prä- senz- und Online-Dienste. Jetzt stehen wir vor einem weiteren technologischen Wandel, da Chatbots und KI an Bedeutung gewinnen. Das zeigt sich daran, wie junge Menschen heute nach Informationen suchen: Sie fragen Chatbots. Wir nutzen KI-Lösungen auch, um unsere Qua- lität hinsichtlich Effizienz und Inklusivität zu verbessern. Der persönliche Kontakt bleibt jedoch unverzichtbar, insbesondere wenn es darum geht, junge Menschen mit geringeren Chancen zu erreichen und einzubinden. Unsere Multiplikator*innen gehen auf junge Menschen zu, indem sie Schulen, Festivals und andere öffentliche Orte besuchen, um sie über die ihnen zur Verfügung ste- henden europäischen Möglichkeiten zu informieren. beyond: Ihr arbeitet inzwischen selbst mit einem Chatbot, den ihr mit euren eigenen Informationen füttert. Einige Chatbots, die von Unternehmen ein- gesetzt werden, funktionieren ganz gut, bei anderen landet man in einer Dauerschleife und kommt nicht weiter. Wie ist eure Erfahrung damit? Audrey Frith: Unser Eurodesk-Mobility-Advisor-Chatbot „EMA“ bietet Nutzer*innen stets die Möglichkeit, ein Mit- glied des Eurodesk-Beratungsteams zu kontaktieren, damit sie nicht in einer Endlosschleife hängen bleiben. Außerdem können sie auf der Eurodesk-Karte sehen, welche Kontaktstellen sich in ihrer Nähe befinden. Euro - desk hat Grundsätze für den Einsatz von KI verabschie- det, darunter Transparenz, menschliche Aufsicht und KI- Kompetenz. Auf der EMA-Seite weisen wir beispielsweise darauf hin, dass der Bot zwar von uns trainiert wurde, es sich aber dennoch um eine KI-Lösung handelt, sodass Nutzer*innen die Informationen stets überprüfen und uns für eine persönliche Beratung kontaktieren sollten. Derzeit arbeiten wir an einer neuen Version von EMA, die neue Sprachmodelle verwendet. Diese wird noch nicht beworben, da wir sie noch weiter verfeinern.

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