beyond 01 | 2026

IM FOKUS – Jugendinformation international

INTERVIEW

Wir müssen über die Qualität der Inhalte sprechen, nicht nur über die Kanäle Die Rahmenbedingungen, unter denen Jugendinformation stattfindet, verändern sich. Autoritäre und antidemokratische Tendenzen nehmen weltweit zu. Soziale Medien und Künstliche Intelligenz verändern die Informationsgewinnung weltweit. In dieser Gemengelage sind junge Menschen eine heiß umkämpfte Zielgruppe. Tobias Flessenkemper ist Leiter der Jugendabteilung im Direktorat für Demokratie des Europarats. Er wünscht sich mehr physische und virtuelle Orte, an denen Men- schen zusammenkommen und die uns helfen, die Grundlagen der modernen Welt zu verstehen.

beyond: Herr Flessenkemper, was macht Jugendinformation so wichtig?

nicht nur aus dem familiären Umfeld, und sie muss für die Zielgruppe aufbereitet sein. Statt über Inhalte und ihre Aufbereitung streiten wir aber darüber, wie wir die Zugänge zu sozialen Medien einschränken. Zudem müs - sen wir wissen, wie die Algorithmen in sozialen Netzwer- ken funktionieren und was sie gezielt nach oben spülen. Sitra, der vom finnischen Parlament finanzierte Innova - tionsfonds, hat einen Bericht zum Thema „Algorithmen und Demokratie – Wie soziale Medien das Weltbild jun- ger Europäer prägen“ veröffentlicht. Dem Bericht zufolge sind junge Nutzer*innen von TikTok, X und Instagram in Frankreich, Rumänien und Finnland deutlich stärker rechten und sogar rechtsextremen als linksgerichteten politischen Inhalten ausgesetzt. Also, wie funktionieren die Algorithmen? Das müssen wir nicht nur wegen der jungen Menschen wissen.

Tobias Flessenkemper: Es geht um etwas sehr Grund- sätzliches: Ohne Information gibt es keine Demokratie. Das Bedürfnis nach Information betrifft natürlich alle, aber im Bereich von Jugend haben wir es mit einem besonders umkämpften Feld zu tun. Es geht um die Platzierung von Produkten und um politische Einfluss - nahme, um Konsumgüter und Propaganda. Das ist an sich nichts Neues, im 19. Jahrhundert waren Kirche, Schule, Bücher und Zeitungen, aber auch Märkte und Schänken die maßgeblichen Kanäle für Information, später die Illustrierten, Radio und Fernsehen und der Sport, heute kommen das Web, die sozialen Medien und Games hinzu. Allerdings erleben wir eine zunehmende Verengung der Kanäle mit glaubwürdiger Information, von denen sich junge Menschen angesprochen fühlen und von denen sie annehmen können, dass sie sich an sie richten. In manchen Bereichen – beispielsweise bei der Sexualerziehung – erleben wir einen regelrechten Kulturkampf, andere Themen, die für junge Menschen relevant sind – beispielsweise Polizeigewalt – kommen kaum vor. Jugendinformation muss zeitnah kommen,

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