IHK-Magazin Ausgabe 3/2026

TITELTHEMA | INFRASTRUKTUR

E in Logistikknoten, der Wasserstraße, Schiene und Straße verbindet: der Hafen Mannheim, einer der bedeutendsten Binnenhäfen in Europa und einer der größten in Deutschland. Im vergan- genen Jahr 2025 wurden hier 6,1 Millionen Tonnen Güter wasserseitig umgeschlagen – gut fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Das stimmt Mannheims Hafendirektor Uwe Köhn zuversichtlich. In den vergangenen Jahren war der wasserseitige Umschlag aufgrund des Kohleausstiegs geschrumpft. Die Rolle der Binnenschifffahrt und der Binnenhäfen wird in großen Teilen der Politik mittlerweile anerkannt. Zum Beispiel bei der Energie- und der Verkehrs- wende. Ein modernes Binnenschiff ersetzt 150 Lkw – eine umweltfreundlichere Alternative zum Straßentransport. Auch die Schiene mit ihren ausgereizten Kapazitäten wird durch jeden auf dem Schiff transportierten Container entlas- tet. Ein Aspekt, der nicht nur das Land Baden- Württemberg interessiert, dem die Hafengesell- schaft zu 100 Prozent gehört, sondern der auch in der Stadt Mannheim gewürdigt wird. Das manifestiert sich im „Zukunftsdialog Hafen Mannheim“, der zwischen Land, Hafen und Stadt vereinbart wurde (siehe Seite 16) und in den sich auch die IHK Rhein-Neckar einbringt (siehe Seite 15). Dabei geht es um die zukunftssichere Aufstellung des Hafens. Wenn auf der einen Seite entfallende Volumina hafen- und schiffsaffiner Güter auf der anderen Seite durch neu hinzukom- mende ersetzt werden können. Stichworte: Was- serstoffindustrie oder Kreislaufwirtschaft. Auch die Verlagerung von Schwertransporten weg von der teils maroden Straßenverkehrsinfrastruktur auf den Wasserweg oder die Schiene rückt in den

Fokus. Das Schwergutzentrum von Kübler im Rheinauhafen realisiert solche Transporte und expandiert kräftig (siehe Seite 12).Der Mann- heimer Hafen ist nicht nur Logistikstandort, sondern auch für rund 400 Unternehmen eine Heimat mit Anbindung zu den großen europäi- schen Seehäfen und auch zum Eisenbahngüter- verkehr. Die unterschiedlichsten Branchen sind hier vertreten: von Nahrungsmitteln, Energie, Logistik über Recycling zu Baumaterial bis Tank- lagerung. Viele große Player der Metropolregion wie Roche, ABB, BASF, Essity, John Deere oder Heidelberger Druckmaschinen schlagen ihre Pro- dukte zu einem erheblichen Teil über den Hafen um. Eines dieser Unternehmen ist Unimatec Che- micals Europe aus Weinheim (siehe Seite 13). Die Kombination aus leistungsfähiger Infrastruktur, industriellem Umfeld und trimodaler Anbindung (die Nutzung von drei verschiedenen Verkehrs- trägern für den Gütertransport – Wasserstraße, Schiene und Straße; Anm. d. Red.) macht den Hafen Mannheim zu einem Standort mit außer- gewöhnlichem Potenzial. Davon ist man beim Logistikunternehmen DP World (siehe Seite 14) überzeugt. Im Hinblick auf die angespannte Straßeninfra- struktursituation in der Region kommt den Wasserwegen eine Schlüsselrolle zu. Gleich- zeitig sind auch seine Nutzer und Kunden stark betroffen von der eingeschränkten Nutzbarkeit der Rheinbrücken. Bei der immens aufwändi- gen Sanierung soll die neu gegründete Rhein- brückengesellschaft mehr Tempo und Effizienz bringen (siehe Seite 17). Die IHK fordert zudem mehr Augenmerk und Mittel für den Öffentli- chen Personennahverkehr (siehe Seite 17), denn auch dieser darf beim Ausbau der Infrastruktur nicht zu kurz kommen. KH

6,1 MILLIONEN Tonnen Güter

wurden 2025 im Hafen Mannheim wasserseitig umgeschlagen QUELLE: HAFENGESELLSCHAFT MANNHEIM

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IHK Magazin Rhein-Neckar 03 | 2026

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