IHK-Magazin Ausgabe 3/2026

STANDORT

te Variante entschieden“, lächelt Fischer. „Aber da standen wir natürlich im Wort.“ Finanzielle Hilfen gibt es ebenfalls bei den Arbeitsschuhen. Im vorigen Jahr wurde dazu extra eine 3D-Fuß- vermessung angeboten. Nach der Mittagspause macht Fischer sich auf den Weg zum Shopfloor-Meeting. Dahinter verbirgt sich ein Führungsansatz, bei dem Vor- gesetzte in der Werkstatt oder Fertigung durch regelmäßige Kurzbesprechungen und Visua- lisierung von Kennzahlen Probleme schneller lösen und Abläufe effizienter gestalten können. „Noch wichtiger als freiwillige Zusatzleistungen ist uns die Einbindung der Belegschaft in die Produktionsprozesse“, betont der Manager. „Wir haben inzwischen eine Unternehmenskultur erreicht, bei der wir kein anonymes Vorschlags- wesen mehr brauchen, sondern die Mitarbeiter einfach den Mund aufmachen, wenn ihnen etwas auffällt. Bisher haben wir jeden sinnvollen Vorschlag umgesetzt. Das hat für uns ganz hohe Priorität.“ Rund zehn Millionen Euro sind in den vergange- nen fünf Jahren in die Modernisierung und den Ausbau der Produktion geflossen; vor allem für das Projekt „Gmeinder 2025“, mit dessen Hilfe das Gelände weiterentwickelt sowie die vier Hallen modernisiert und mit neuen Maschinen ausgestattet wurden. „Bevor wir die Hallen umbauten, haben wir die Einrichtung eines jeden Arbeitsplatzes mit unseren Mitarbeitern besprochen und ihre Vorschläge realisiert“, so Florian Krötz, der seit Oktober 2025 die neuge- schaffene Position des Chief Operating Officer (COO) in der Geschäftsführung einnimmt. Krötz arbeitet seit 13 Jahren bei dem Unternehmen und hat hier bereits seine Ausbildung absolviert. „Ich kenne sowohl die alte als auch die neue Zeit bei Gmeinder“, berichtet er. „Das Unternehmen wurde vom früheren Eigentümer in einem pat- riarchalischen Führungsstil geführt. Hier haben wir eine echte Kehrtwende gemacht.“ „Es ging schlagartig ein Ruck durch die Firma“, beschreibt auch Betriebsratsvorsitzender Tibor Großkinski die Entwicklung. „Am wichtigsten finde ich dabei die Kommunikation, das ist das A und O. Dies hat dazu geführt, dass unser Unternehmen aufgeblüht ist und nun wieder die Energie da ist, weiter voranzukommen.“ Der neue Teamgeist hat zudem dazu beigetra- gen, dass die Eigeninitiative der Gmeinder- Mitarbeiter gestiegen ist. „Als kürzlich das komplette Personal an einer Presse ausfiel, hat sich kurzfristig eine neue Mannschaft aus drei verschiedenen Abteilungen zusammengefun-

den und so das Problem gelöst“, nennt Fischer ein Beispiel. Erste Vorbereitungen trifft das Geschäftsführer- Tandem heute für zwei wichtige Events, die die- ses Jahr anstehen. „Ein besonderes Highlight ist der Besuch unserer Leitmesse, der ‘Innotrans‘, die alle zwei Jahre in Berlin stattfindet“, spricht Fischer einen Pflichttermin seiner Branche an. „Da laden wir alle interessierten Mitarbeiter ein und übernehmen komplett die Kosten. Wenn unsere Truppe dann mit unserem Technischen Leiter durch die Messe geht und sie dort die Züge sehen, deren Getriebe sie selbst hergestellt oder gewartet haben, das ist Motivation pur.“ Dick angestrichen im Kalender wird auch jedes Jahr die Weihnachtsfeier im Mosbacher Brau- haus, bei der inzwischen – im Gegensatz zu frü- heren Zeiten – 85 bis 90 Prozent der Belegschaft dabei sind. Hier wird offen über die wirtschaft- liche Situation des Unternehmens gesprochen, über Auftragsbestand, Auftragseingang und Investitionen. Zum Thema „Transparenz“ trage außerdem die monatlich erscheinende Mitarbei- schmückt übrigens das Logo des Unterneh- mens die Biergläser. „Wir arbeiten konsequent an unserer Reputation, die früher nicht unbe- dingt besonders gut war“, weiß Fischer. „Doch angesichts der steigenden Bewerbungszahlen merken wir, dass unser Ansehen in den vergan- genen Jahren zugelegt hat. Dies ist an einem Standort wie Mosbach besonders wichtig, da wir weitgehend darauf angewiesen sind, Mitarbeiter aus der Region zu finden.“ Umso mehr Wert wird auf das Thema Aus- bildung gelegt; mit einem breiten Angebot an Ausbildungsberufen, angefangen von Indust- riekaufleuten über Industriemechaniker und Getriebeschlosser bis zu Zerspanungsmecha- nikern. Besonders stolz ist man bei Gmeinder, dass Benjamin Kind sich entschieden hat, im Einkauf eine feste Stelle anzunehmen. Kind hat seine Ausbildung zum Industriekaufmann im Unternehmen absolviert und wurde 2025 von der DIHK als bundesweit bester Azubi in seinem Beruf ausgezeichnet. Mit dem Thema Nachwuchs schließt Fischer auch den heutigen Arbeitstag ab. Er greift zum Telefonhörer, um potenzielle Mitarbeiter, die sich über Facebook oder Instagram bei dem Unternehmen gemeldet haben, persönlich zu kontaktieren. „Das ist für viele junge Leute eine echte Überraschung“, so seine Erfahrung. uc terzeitschrift „Gmeinder Intern“ bei. Im benachbarten Mosbacher Brauhaus

Die Arbeits- kleidung hat unsere Belegschaft selbst ausge- wählt.

Dr. Wolfgang Fischer

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IHK Magazin Rhein-Neckar 03 | 2026

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