Inhalt TIPPS
AUS- BILDUNG
FESTSTELLUNGSVERFAHREN Kenntnisse anerkennen Frank von Westernhagen hat Karriere im Einzelhandel gemacht – doch ohne Abschluss. Er profitiert vom Feststellungsverfahren.
V on der Aushilfe zum Fili- alleiter: Das gelang Frank von Westernhagen bei der US-amerikanischen Han- delskette Foot Locker. Danach leistete der heute 50-Jährige seinen Wehrdienst beim Bund, bis er sich 1999 entschloss, eine Stelle als Verkaufsassis- tent bei Engelhorn Sports in Mannheim anzunehmen. Dort ist Frank von Westernhagen heute im Winter für das Thema Skiausrüstung und im Sommer für den Verkauf von Fahrrä- dern zuständig. Eine klassische Ausbildung im Einzelhandel hat von Wes- ternhagen indes nie abge- schlossen. „Meine ehemaligen Vorgesetzten ermutigten mich jedoch in zahlreichen Gesprä- chen, mich weiterzubilden und mithilfe neuer Aufgaben zu wachsen und mein Talent zu nutzen“, erinnert sich der Ver- käufer. Dann wies ihn der Aus- bildungsleiter von Engelhorn auf das 2025 bei den IHKs neu eingeführte Feststellungsver- fahren hin. Dieses ermöglicht es, individuelle, spezifische Kompetenzen in einem Beruf festzustellen und in einem Zeugnis zu dokumentieren. Da zögerte der Pfälzer nicht lange
dieses Jahr vor“, berichtet sie. Ganz oben im Ranking steht der Beruf des Maschinenan- lageführers, gefolgt von Koch und Kaufmann im Einzel- handel. Das durchschnittliche Alter der Interessenten liegt bei über 40 Jahren. Hoekmei- jer beschäftigt sich schon seit 2018 mit diesem Thema und war bereits bei dem Vorgänger- projekt aktiv, an dem die IHK Rhein-Neckar mit 16 weiteren IHKs bundesweit beteiligt war. „Damals haben wir nur Fest- stellungsverfahren für 17 Berufe angeboten“, blickt sie zurück. Heute kann das Feststel- lungsverfahren in allen Ausbildungsberufen der IHK durchgeführt werden. Wichtig: Auch Betriebe profitieren vom IHK-Angebot. „Viele Unterneh- men nutzen das Verfahren, um Mitarbeiter einzustufen, die keine Abschlüsse und Zeug- nisse vorweisen können“, so ihre Erfahrung. „Immer wieder gibt es auch den Fall, dass Fachkräfte, die bei Personal- dienstleistern angestellt sind, übernommen werden sollen. Das ist aber nur möglich, wenn sie entsprechende Qualifika- tionen vorweisen.“ uc
und nahm Kontakt mit der IHK Rhein-Neckar auf. „Martje Hoekmeijer, die bei der IHK für dieses Thema verantwortlich ist, hat mich sehr gut beraten“, erinnert sich Frank von Westernha- gen. Schnell einigte man sich darauf, seine Kompetenzen im Beruf eines Kaufmanns im Einzelhandel nachzuweisen. Im Herbst 2025 absolvierte er das Feststellungsverfahren – mit Erfolg. Das in den Räumen der IHK Rhein-Neckar simu- lierte Verkaufsgespräch sowie ein detailliertes Fachgespräch waren für den erfahrenen Einzelhandelsspezialisten kein Problem. Mit seinem Zeugnis über die vollständige Ver- gleichbarkeit der beruflichen Handlungsfähigkeit mit der eines Einzelhandelskaufmanns hat Frank von Westernhagen nun Anspruch auf die Zu- lassung zu einer Abschluss- prüfung in seinem Beruf. Und er ist auch berechtigt, als Aus- bilder tätig zu werden. IHK-Expertin Hoekmeijer freut sich über das große Interesse von Fachkräften und Unter- nehmen an dem neuen Ange- bot. „Uns liegen 40 Anträge für
Frank von Westernhagen mit IHK-Expertin Martje Hoekmeijer an seinem Arbeits- platz bei Engelhorn
Wer kann am Verfahren teilnehmen?
ihk.de/rhein- neckar/ feststellung
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IHK Magazin Rhein-Neckar 03 | 2026
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