IHK-Global Business Ausgabe 11/2026

AWA Titel EUROPA

UNGARN Neuer Schwung für Windkraft

15 Prozent in die Gesamtbewertung ein. Voraussetzung hierfür ist, dass mindestens 80 Prozent der Wind- kraftanlagen und Transformatoren in der EU hergestellt wurden. Das ver- bessert die Ausgangslage für europäi- sche Anbieter. Kritik gibt es dagegen an den Beteili- gungsvorgaben. Erfolgreiche Bewer- ber müssen einer von der Regierung bestimmten Erneuerbare-Energien- Gemeinschaft das Recht einräumen, innerhalb von zwei Jahren 25 Prozent der Projektgesellschaft zu erwerben. Zudem berücksichtigt die Angebots- bewertung nicht den Entwicklungs- stand eines Vorhabens. Bereits vorhandene Machbarkeitsstudien, Grundstücksrechte, Genehmigun- gen oder Windmessungen verschaf- fen keinen Vorteil. Das könnte die Position bereits entwickelter Projekte schwächen. Ob die Ausschreibung genügend Investoren mobilisiert und wie viele Vorhaben anschließend um- gesetzt werden, bleibt abzuwarten. Ein weiterer Engpass ist das Strom- netz. Aus den freigegebenen Mitteln des EU-Wiederaufbauplans stehen rund 1,5 Milliarden Euro für den Aus- bau der Übertragungs- und Verteil- netze bereit. Die Mittel fließen damit nicht direkt in Windparks, sondern sollen die Voraussetzungen für neue Netzanschlüsse und zusätzliche wetterabhängige Stromerzeugung schaffen. Für deutsche Unternehmen entste- hen damit neue Absatzmöglichkeiten. Gefragt sein dürften Windenergie- anlagen und Komponenten, aber auch Netztechnik, Batteriespeicher, Steuerungssysteme sowie Planungs- und Ingenieurleistungen. Die Vor- gabe für Technik aus der EU könnte europäischen Herstellern zusätzliche Chancen eröffnen. Wie schnell daraus ein breiter Markt entsteht, hängt vor allem vom Ausgang der ersten Aus- schreibung, den Genehmigungsver- fahren und dem Tempo des Netzaus- baus ab. GTAI/IHK

Neue Dynamik: Nach Jahren des Stillstands öffnet Ungarn den Windkraftmarkt wieder. Neue Netzkapazitäten und der Ausbau der Stromnetze schaffen Chancen für europäische Anbieter.

702 Megavoltampere (MVA) für Windkraftprojekte vergeben werden. Die Bewerbungsfrist lief bis zum 30. Oktober 2026, die Ergebnisse sollen spätestens Mitte Dezember 2026 vor- liegen. Die Ausschreibung gilt als erster Markttest für die Pläne der Regierung. Bis 2030 soll die installierte Windkraft- leistung auf bis zu 4.000 Megawatt steigen. Das Ziel liegt deutlich über der Marke von 1 Gigawatt im Nationa- len Energie- und Klimaplan. Die neuen Windparks sollen voll- ständig mit privatem Kapital finanziert werden. Der Staat vergibt lediglich die verfügbaren Netzanschlussrechte. Bei der Bewertung der Projekte zählen unter anderem Zahlungen an die Standortkommunen, die Einbindung von Batteriespeichern und die Nut- zung von Brachflächen. Die Herkunft der eingesetzten Technik fließt mit

Nach Jahren der Stagnation soll der Ausbau der Windenergie wieder Fahrt aufnehmen. Während Ungarn die Solarenergie in den vergangenen Jahren stark ausgebaut hat, blieb die Windkraft weit zurück. Rund 8.500 Megawatt Photovoltaik- leistung stehen derzeit etwa 330 Megawatt Windkraft gegenüber. Seit etwa 15 Jahren gingen keine größeren Windparks mehr ans Netz. Restriktive Vorgaben verhinderten den Ausbau. Anfang 2024 wurde der vorgeschrie- bene Mindestabstand zu bewohnten Gebieten von 12 Kilometern auf 700 Meter reduziert. Nun folgt der nächste Schritt. Ende August 2026 schrieb die ungarische Energie- und Versorgungsbehörde MEKH neue Einspeisekapazitäten für Windkraft aus. An neun Netzknoten in vier Komitaten sollen insgesamt

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IHK Global Business 11/2026

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