MEB Modelleisenbahner

LOKOMOTIVE

serem Lotsen und überquerten um 16:24 Uhr wieder die Staatsgrenze zur DDR. Ab Bad Schandau folgten wir dem P513 im Blockabstand, erst in Pirna konnten wir ihn überholen, dann ging es etwas schneller. Von Dresden nach Berlin folgten wir dem D 1133 (Städteschnellverkehr), dieser fuhr Dresden Hauptbahnhof ab 17:27 Uhr, Ber- lin Ostbahnhof an 20:03 Uhr, ohne Halt in Dresden-Neustadt. So konnten wir bis auf wenige La-Stellen durchwegs mit 110 bis 120 km/h fahren. Um 20:15 Uhr trafen wir in Berlin-Karlshorst ein. Nach der Rangier- fahrt zum Abstellplatz musste noch die Messtechnik aus dem Triebwagen ausge- baut werden, darüber wurde es Mitter- nacht. Am nächsten Morgen (17. Mai) sollte schließlich unser Messzug 175 005/006 den Ex2 um 7:54 Uhr vom Ostbahnhof nach Leipzig fahren. Schon am nächsten Tag ging der Zug in den Planbetrieb Die Messungen bestätigten die Zuver- lässigkeit des Görlitzer Triebwagens. Mit ihm konnte dann am 28. Mai 1972 der planmäßige Einsatz im „Vindobona“-Ver- kehr aufgenommen werden. Für die dama- lige Zeit bot der SVT Görlitzer Bauart einen gehobenen Fahrkomfort, was auch dazu beigetragen haben mag, dass er bis zum Fahrplanwechsel im Mai 1979 den „Vindo- bona“ fuhr, bis er schließlich von einem lokbespannten Zug abgelöst wurde. Das hatte letzten Endes mehrere Gründe:

und die sich anschließende Gefällestrecke nach Olbramovice meisterten wir wieder nur mit einer Anlage. Es zeigte sich, dass die unbesetzte, sechsteilige Einheit (und dem- entsprechend auch die fünfteilige besetzte Einheit) die auf den Strecken vorkommen- den Steigungen mit 40 bis 50 km/h befah- ren konnte, so dass bei einem eventuellen Ausfall einer Maschinenanlage die Strecke geräumt werden konnte, auch wenn natür- lich der Fahrplan dann nicht mehr einzu- halten wäre. Um 1:43 Uhr kamen wir in Benešov an, rangierten auf ein Abstellgleis und schalte- ten alle Anlagen und Messgeräte aus. Nach rund 20 Stunden Einsatz gab es nur noch einen Wunsch: schlafen! Nach einem kräf- tigen Frühstück im Speisewagen einige Stunden später unternahmen wir vor Ort noch einen kurzen Besichtigungs- und Ein- kaufsbummel. Doch zurück zum Dienst: Wir verließen Benešov um 11:35 Uhr Rich- tung Prag, die Fahrt noch für verschiedene Messungen am Triebwagen nutzend. Der Fahrdraht von Prag (3kV Gleichspannung) endete im Mai 1972 noch in Benešov, da- her wurden viele Güterzüge mit Dieselloks bespannt. Wegen der Steigungen erhiel- ten diese meist eine Schiebelok. In Praha hl. n. hatten wir eine knappe Stunde Aufenthalt, es wurden die Kühl- wasservorräte ergänzt, weiter ging es dann nach Decín. Das Gleis in dieser Richtung war anscheinend besser, denn wir konnten teils höhere Geschwindigkeiten erreichen. In Decín verabschiedeten wir uns von un- ˇ ˇ ˇ ˇ

● bessere Anpassung an die Fahrgastzahlen, ● die DR stellte jetzt seit sieben Jahren den Triebwagen, da weder CSD noch ÖBB ver- gleichbare Triebwagen besaßen und des- halb Kilometer-Ausgleich an die DR zahlen mussten, ● fehlender Ersatz bei Ausfall eines Triebwa- gens, ● fortschreitende Elektrifizierung auch auf der Strecke Berlin – Dresden, aus ökonomi- schen Gründen sollte unter Fahrdraht we- nig mit Diesel gefahren werden. Planmäßig wurde die Baureihe 175 dann noch bis September 1981 als „Karlex“ und „Karola“ eingesetzt. Zur Frühjahrsmes- se 1982 und 1983 in Leipzig verkehrte eine vierteilige Einheit zwischen Berlin und Leipzig als Messe-Sonderzug. Auch zur Herbstmesse 1979, 1980 und 1981 wurde die Baureihe 175 eingesetzt, wahlweise vier- oder fünfteilig. Zwischen Mai 1982 und September 1985 wurden die SVT zwi- schen Berlin und Bautzen eingesetzt. Erhalten blieben drei unterschiedlich umfangreiche Garnituren, darunter der Museumszug mit den beiden Triebköpfen VT18.16.07 und 10, der im Juni 2003 Frist- ablauf hatte und abgestellt wurde. Inzwi- schen befindet er sich in Dresden in Aufar- beitung und soll 2023 wieder betriebsfä- hig sein. Nicht betriebsfähig abgestellt be- findet sich am Bahnhof Berlin-Lichtenberg die Einheit 175 015/016. Im Eisenbahn- Museum Chemnitz-Hilbersdorf steht eine dreiteilige Einheit mit 175 005 und 006.  Axel Mehnert ˇ

Bereits auf der Hinfahrt kam dem Messzug sein Pendant 175 016 entge- gen, der als Ex66 „Karlex“ zwischen Eich- gestell und dem „Grün-

auer Keuz“ auf dem Berliner Außenring unterwegs war.

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ModellEisenBahner 7/2022

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